AMERICAN FOOTBALL SCHIEDSRICHTER
VEREINIGUNG DEUTSCHLAND

- Schiedsrichterlehrwart -

Hans Lämmerhirt - Rathelbeckstr. 264 - 40627 Düsseldorf
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Helm BRD
Bulletin Dezember 1999

 

Hallo Kollegen,

da soll mal einer sagen, nach der Saison ist bei den Schiedsrichtern nichts los.

Da muß man ja nur mal ins Diskussionsforum schauen, um zu erkennen, wo teilweise die Post abgeht.
Ich kann nicht gerade sagen, dass mir die Art und Weise gefällt, wie manche sich äußern.
Das Internet ist kein Privatclub und es soll keiner glauben, dass Personen, die nicht zum Schiedsrichterkreis gehören, sich diese Seiten nicht anschauen.
Und was für ein tolles Bild geben wir ab, wenn wir uns derart selbst zerfleischen.

In der abgelaufenen GFL-Saison kam es zu einer Konstellation von zwei Schiedsrichtern aus einem und fünf aus einem anderen Landesverband. Bei einem späteren Gespräch über das Verhalten einiger Schiedsrichter bemerkte einer sinngemäß: "Was sollte ich denn machen? Die anderen waren doch in der Überzahl."
Wenn man mit diesen Gedanken in ein Spiel geht, hat man doch schon von vornherein verloren.

Es gibt da diesen Werbespot für einen Schokoriegel, in dem sich zwei Schiedsrichter in die Haare kriegen. Ist das nicht lustig, wie sich die beiden prügeln??
Das kann bei uns natürlich nicht passieren!!!

Es macht sicher einen großartigen Eindruck auf Coaches, Spieler und Zuschauer, wenn die Schiedsrichter sich nicht einig sind. Aber was ist, wenn die Kollegen, die sich auf dem Diskussionsforum mit Fäkalien bewerfen, in der nächsten Saison gemeinsam auf dem Feld stehen.
Was für ein tolles Bild gibt das, wenn die Kollegen gegensätzliche Entscheidungen treffen und sich wohlmöglich auf dem Feld gegenseitig beleidigen.
Das da ein Spieler die Schiedsrichter nicht mehr respektiert, dürfte für jeden offensichtlich sein.
Und gerade das ist die große Gefahr für uns.

Wir Schiedsrichter werden nicht erst bemerkt, wenn wir in unserer Uniform das Feld betreten.
Vor und auch nach dem Spiel stehen wir im Blickpunkt.
Wir sollten alles vermeiden, um einem Spielteilnehmer den Eindruck zu vermitteln, wir seien gegen ihn (sein Team) und für den Gegner. Gerade aus diesem Grund erklären wir den Schiedsrichteranfängern, dass wir es nicht gerne sehen, wenn Fanware getragen wird. Und den meisten leuchtet das auch ein.

Wir dürfen uns nicht angreifbar machen.
Angreifbar bedeutet, wir dürfen einem anderen keinen Grund zur Beschwerde bieten.
Die meisten Beschwerden beziehen sich nicht unbedingt auf Entscheidungen, die ein Schiedsrichter getroffen hat, sondern vielmehr auf das, was er sagt; wie er sich verhält oder auf sein Aussehen.

Ich habe schon oft gesagt, dass ein Schiedsrichter auch etwas von einem Schauspieler haben muß.
Schaut Euch die Schiedsrichter der NFL an.
Einige finden ja, es wirke theatralisch, wenn sie auf den Boden schlagen, um anzuzeigen, dass ein Vorwärtspass den Boden berührt hat. Aber es wirkt. Die Botschaft kommt klar rüber.
Jetzt stellt Euch einen Schiedsrichter vor, der in dieser kritischen Situation die Schultern hochzieht und sich hilfesuchend umschaut.
Wer bietet einen Anlaß zur Kritik???

Nächstes Beispiel. Ein Coach fragt: "Wer war das mit dem False Start?"
Ein Linesman antwortet: "Ich frage gleich nach und gebe dir nach dem kommenden Down Bescheid."
Ein anderer antwortet: "Weiß ich nicht."
Wer hat sich besser verkauft???

 

Soweit für diesen Monat.

Ich wünsche Euch und Euren Angehörigen ein frohes Weihnachtsfest und einen guten Rutsch ins Jahr 2000.

Bis dann

    Euer Hans