AMERICAN FOOTBALL
SCHIEDSRICHTER
VEREINIGUNG DEUTSCHLAND
- Schiedsrichterlehrwart -
Hans Lämmerhirt -
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Bulletin August
1999
Hallo Kolleginnen und
Kollegen,
die Sommerpause hat ganz
schön lange gedauert (zumindest hier in NRW) und jetzt geht's
wieder ab auf's Feld.
In der spielfreien Zeit hatte
ich Gelegenheit, mir einige Videos anzuschauen.
Dabei sind mir die ein oder anderen Merkwürdigkeiten
aufgefallen.
- Referees
- Ihr
müßt bei der Ballfreigabe Euren Rhythmus finden.
Denkt daran, dass Ihr noch ein paar Kollegen habt, die
eventuell etwas weiter laufen müssen, wenn z. B.: ein
Ballbesitzwechsel stattgefunden hat. Daher erst einmal
überprüfen, ob sich alle Kollegen in ihren Positionen befinden und nicht nur
Euer Umpire, der Euch ja dicht gegenübersteht.
- Zum richtigen Rhythmus
gehört auch die Ballfreigabe, wenn Team A einen First Down
erzielt hat. Der Ball kann sofort freigegeben werden, wenn der
Downanzeiger vom Linesman an der richtigen Stelle plaziert
wurde und der Linesman seine Kettencrew "im Griff" hat. Das ist
nicht unbedingt ein Widerspruch zu a), weil die tiefen
Schiedsrichter sich zumeist in ihren richtigen Positionen
befinden, wenn Team A einen First Down erzielt. Bei einem Team
Ballbesitzwechsel ist das etwas anderes.
- Ereignen sich Fouls,
muß der Rythmus verändert werden, speziell dann,
wenn wie in der GFL gefordert, jeder Schiedsrichter sein
eigenes Foul aufschreibt. Daher ist es hier wichtig, dass der
Referee die Vorsignale gibt, sich die "Zeit" nimmt, den Team
Captain über die Wahlmöglichkeiten zu informieren
(befragen) und letztlich die abschließenden Signale gibt.
Das sollte eigentlich jedem Zeit genug geben, sein Foul
notieren zu können.
- Wenn wir schon mal beim
Anzeigen von Fouls sind. Es sieht schlecht aus, wenn sich der
Referee beim Anzeigen der endgültigen Signale nach dem
Downanzeiger umdrehen muß, bevor er über Mikrofon
den kommenden Down ansagen will. Es gibt für ihn zwei
Möglichkeiten, diese schlechte Unsitte zu
verhindern:
- er
konzentriert sich auf seinen persönlichen Downanzeiger
(Gummiband) oder,
- wenn er sich selbst
nicht sicher ist, kann er bei der Besprechung vor dem Spiel
mit dem Linejudge, in dessen Richtung er seine Signale gibt,
absprechen, dass dieser ihm den kommenden Down anzeigt. Der
Linejudge auch deshalb, weil dieser bei der
Strafdurchführung mitwirkt, in dem er am Punkt, von dem
die Strafe ausgeführt wird, stehen bleiben soll.
- Das Nichtanzeigen der
Vorsignale bei Live Ball Fouls gehört auch mit zu den
schlechten Eigenschaften einiger Referees. Es geht hier nicht
darum, ob die Annahme oder Ablehnung einer Strafe
offensichtlich ist. Die Zeit zum Notieren des Fouls, wie unter
c) beschrieben ist ein Aspekt. Der zweite ist der, dass jeder
die Flagge auf dem Feld sieht und gerade ein Head Coach
möchte wissen, was passiert ist. Damit er nämlich
seine Taktik ändern muß, falls einer seiner Offense
Linemen mal wieder einen Gegner festgehalten und damit das
schöne Laufspiel zunichte gemacht hat.
- Linesman/Linejudge
Na gut. Ich gebe zu, dass manchmal meine Sinnsprüche dem
einen oder anderen vielleicht aus den Ohren kommen, aber ich habe
selten so viele Schiedsrichter am Boden gesehen, wie in diesem
Jahr. Und damit meine ich nicht den Umpire. Also, Leute, denkt
daran: "Wenn eine
Gefahr besteht, dann bleibt da weg!!!" Es hilft niemandem zu versuchen, auf Biegen und
Brechen zu einem Forward Progress Spot zu kommen und sich dabei
den Hals zu brechen. Sei es, weil versucht wird, mittels eines
kleinen Hopsers über am Boden rollende Spieler zu springen
und dabei das Gleichgewicht verliert oder zu früh downfield
geht und keine Möglichkeit mehr findet, nach hinten weg zu
gehen, wenn der Ballträger kommt. Geht aus dem Weg,
konzentriert aus sicherer Position auf den Spot und beendet das
Spiel unverletzt. Es zeugt nicht von Stärke, die Zähne
zusammenzubeißen und über das Feld zu humpeln. Damit
ist man nur noch eher für Gefahren anfällig. Da ist es
schon besser, für eine Zeit aus dem Spiel zu gehen und sich
an der Seite behandeln zu lassen.
- Tiefe Schiedsrichter
Die tiefen Schiedsrichter wurden zum einen eingeführt, um die
zu überwachenden Zone zu verkleinern und zum zweiten das
Spielgeschehen aus verschiedenen Blickwinkeln betrachten zu
können. Da hilft es nicht, wenn die tiefen Kollegen bei einem
Lauf auf den Ballträger warten und hinter diesem herlaufen.
Damit laufen dann zwei Kollegen hinter dem Ballträger her und
der Vorteil ist zunichte gemacht. Egal ob ein Pass-Spiel oder ein
Lauf-Spiel erfolgt. Der erste Schritt muß rückwärts sein und dann darf nicht eher
gestoppt werden, bis der Ball dead ist. Sei es, weil der
Ballträger zu Boden gebracht wird oder eine Endzone erreicht
oder ein Vorwärtspass unvollständig wird. Gerade auf den
Mechanic-Lehrgängen wurde darauf 'rumgekaut und ich wundere
mich immer wieder, was den Kollegen in den Köpfen verblieben
ist. Ganz krass wird die Sache, wenn z. B. ein Fieldjudge
excellent agiert und deutlich vor dem Spiel bleibt, während
sich der Sidejudge überlaufen läßt.
- Alle
Ereignen sich Fouls, haben alle Kollegen bei der
Strafdurchführung spezielle Aufgaben. Darauf möchte ich
jetzt nicht eingehen, die kann jeder im Mechanicbuch nachlesen.
Das heißt aber nicht, dass man alle anderen Dinge vergessen
kann, weil " ...die sind ja Referee und Umpire, die machen das
schon richtig..." Werden bei der Strafdurchführung Fehler
gemacht, sind das Entscheidungen der gesamten Crew und nicht nur
die Sache von einem oder zwei Schiedsrichtern.
Endet der Lauf hinter der neutralen Zone, muß der Linejudge
mitdenken. Er sieht die Signale des Referee, weiß also
welche Distanz gegangen werden muß. Er muß sich auf
den Durchführungspunkt stellen, um dem Umpire zu helfen und
ihn zu kontrollieren. Und wenn Fehler gemacht werden, muß
sofort reagiert werden. Nicht erst später in der Kabine
fragen: " Ääh, warum bist Du denn bei dem
Fünfer-Face Mask nicht vom Previous Spot gegangen??"
Oder es muß doch einem Linesman seltsam vorkommen, wenn man
an BÕs 40 den Forward Progress nimmt (der Ballträger
fällt direkt auf die Linie) und nach einem Dead Ball Foul (kein weiteres Live Ball oder
Dead Ball Foul) der nächste Snap an BÕs 20 durchgeführt
wird. Also, jeder muß sich konzentrieren und Verantwortung
übernehmen.
So, genug für heute.
Bis zum nächsten
Monat.
Euer
Hans