AMERICAN FOOTBALL SCHIEDSRICHTER
VEREINIGUNG DEUTSCHLAND

- Schiedsrichterlehrwart -

Hans Lämmerhirt - Rathelbeckstr. 264 - 40627 Düsseldorf
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Helm BRD
Bulletin August 1999

Hallo Kolleginnen und Kollegen,

die Sommerpause hat ganz schön lange gedauert (zumindest hier in NRW) und jetzt geht's wieder ab auf's Feld.

In der spielfreien Zeit hatte ich Gelegenheit, mir einige Videos anzuschauen.
Dabei sind mir die ein oder anderen Merkwürdigkeiten aufgefallen.

  1. Referees
    1. Ihr müßt bei der Ballfreigabe Euren Rhythmus finden. Denkt daran, dass Ihr noch ein paar Kollegen habt, die eventuell etwas weiter laufen müssen, wenn z. B.: ein Ballbesitzwechsel stattgefunden hat. Daher erst einmal überprüfen, ob sich alle Kollegen in ihren Positionen befinden und nicht nur Euer Umpire, der Euch ja dicht gegenübersteht.
    2. Zum richtigen Rhythmus gehört auch die Ballfreigabe, wenn Team A einen First Down erzielt hat. Der Ball kann sofort freigegeben werden, wenn der Downanzeiger vom Linesman an der richtigen Stelle plaziert wurde und der Linesman seine Kettencrew "im Griff" hat. Das ist nicht unbedingt ein Widerspruch zu a), weil die tiefen Schiedsrichter sich zumeist in ihren richtigen Positionen befinden, wenn Team A einen First Down erzielt. Bei einem Team Ballbesitzwechsel ist das etwas anderes.
    3. Ereignen sich Fouls, muß der Rythmus verändert werden, speziell dann, wenn wie in der GFL gefordert, jeder Schiedsrichter sein eigenes Foul aufschreibt. Daher ist es hier wichtig, dass der Referee die Vorsignale gibt, sich die "Zeit" nimmt, den Team Captain über die Wahlmöglichkeiten zu informieren (befragen) und letztlich die abschließenden Signale gibt. Das sollte eigentlich jedem Zeit genug geben, sein Foul notieren zu können.
    4. Wenn wir schon mal beim Anzeigen von Fouls sind. Es sieht schlecht aus, wenn sich der Referee beim Anzeigen der endgültigen Signale nach dem Downanzeiger umdrehen muß, bevor er über Mikrofon den kommenden Down ansagen will. Es gibt für ihn zwei Möglichkeiten, diese schlechte Unsitte zu verhindern:
      1. er konzentriert sich auf seinen persönlichen Downanzeiger (Gummiband) oder,
      2. wenn er sich selbst nicht sicher ist, kann er bei der Besprechung vor dem Spiel mit dem Linejudge, in dessen Richtung er seine Signale gibt, absprechen, dass dieser ihm den kommenden Down anzeigt. Der Linejudge auch deshalb, weil dieser bei der Strafdurchführung mitwirkt, in dem er am Punkt, von dem die Strafe ausgeführt wird, stehen bleiben soll.
    5. Das Nichtanzeigen der Vorsignale bei Live Ball Fouls gehört auch mit zu den schlechten Eigenschaften einiger Referees. Es geht hier nicht darum, ob die Annahme oder Ablehnung einer Strafe offensichtlich ist. Die Zeit zum Notieren des Fouls, wie unter c) beschrieben ist ein Aspekt. Der zweite ist der, dass jeder die Flagge auf dem Feld sieht und gerade ein Head Coach möchte wissen, was passiert ist. Damit er nämlich seine Taktik ändern muß, falls einer seiner Offense Linemen mal wieder einen Gegner festgehalten und damit das schöne Laufspiel zunichte gemacht hat.
  2. Linesman/Linejudge
    Na gut. Ich gebe zu, dass manchmal meine Sinnsprüche dem einen oder anderen vielleicht aus den Ohren kommen, aber ich habe selten so viele Schiedsrichter am Boden gesehen, wie in diesem Jahr. Und damit meine ich nicht den Umpire. Also, Leute, denkt daran: "
    Wenn eine Gefahr besteht, dann bleibt da weg!!!" Es hilft niemandem zu versuchen, auf Biegen und Brechen zu einem Forward Progress Spot zu kommen und sich dabei den Hals zu brechen. Sei es, weil versucht wird, mittels eines kleinen Hopsers über am Boden rollende Spieler zu springen und dabei das Gleichgewicht verliert oder zu früh downfield geht und keine Möglichkeit mehr findet, nach hinten weg zu gehen, wenn der Ballträger kommt. Geht aus dem Weg, konzentriert aus sicherer Position auf den Spot und beendet das Spiel unverletzt. Es zeugt nicht von Stärke, die Zähne zusammenzubeißen und über das Feld zu humpeln. Damit ist man nur noch eher für Gefahren anfällig. Da ist es schon besser, für eine Zeit aus dem Spiel zu gehen und sich an der Seite behandeln zu lassen.
  3. Tiefe Schiedsrichter
    Die tiefen Schiedsrichter wurden zum einen eingeführt, um die zu überwachenden Zone zu verkleinern und zum zweiten das Spielgeschehen aus verschiedenen Blickwinkeln betrachten zu können. Da hilft es nicht, wenn die tiefen Kollegen bei einem Lauf auf den Ballträger warten und hinter diesem herlaufen. Damit laufen dann zwei Kollegen hinter dem Ballträger her und der Vorteil ist zunichte gemacht. Egal ob ein Pass-Spiel oder ein Lauf-Spiel erfolgt. Der erste Schritt
    muß rückwärts sein und dann darf nicht eher gestoppt werden, bis der Ball dead ist. Sei es, weil der Ballträger zu Boden gebracht wird oder eine Endzone erreicht oder ein Vorwärtspass unvollständig wird. Gerade auf den Mechanic-Lehrgängen wurde darauf 'rumgekaut und ich wundere mich immer wieder, was den Kollegen in den Köpfen verblieben ist. Ganz krass wird die Sache, wenn z. B. ein Fieldjudge excellent agiert und deutlich vor dem Spiel bleibt, während sich der Sidejudge überlaufen läßt.
  4. Alle
    Ereignen sich Fouls, haben alle Kollegen bei der Strafdurchführung spezielle Aufgaben. Darauf möchte ich jetzt nicht eingehen, die kann jeder im Mechanicbuch nachlesen. Das heißt aber nicht, dass man alle anderen Dinge vergessen kann, weil " ...die sind ja Referee und Umpire, die machen das schon richtig..." Werden bei der Strafdurchführung Fehler gemacht, sind das Entscheidungen der gesamten Crew und nicht nur die Sache von einem oder zwei Schiedsrichtern.
    Endet der Lauf hinter der neutralen Zone, muß der Linejudge mitdenken. Er sieht die Signale des Referee, weiß also welche Distanz gegangen werden muß. Er muß sich auf den Durchführungspunkt stellen, um dem Umpire zu helfen und ihn zu kontrollieren. Und wenn Fehler gemacht werden, muß sofort reagiert werden. Nicht erst später in der Kabine fragen: " Ääh, warum bist Du denn bei dem Fünfer-Face Mask nicht vom Previous Spot gegangen??"
    Oder es muß doch einem Linesman seltsam vorkommen, wenn man an BÕs 40 den Forward Progress nimmt (der Ballträger fällt direkt auf die Linie) und nach
    einem Dead Ball Foul (kein weiteres Live Ball oder Dead Ball Foul) der nächste Snap an BÕs 20 durchgeführt wird. Also, jeder muß sich konzentrieren und Verantwortung übernehmen.

So, genug für heute.

Bis zum nächsten Monat.

Euer Hans