AMERICAN FOOTBALL SCHIEDSRICHTER
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- Schiedsrichterlehrwart -

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Helm BRD
Bulletin Juni / Juli 1999

Hallo Kolleginnen und Kollegen,

ich möchte mich recht herzlich für den Zuspruch bedanken, den ich in den letzten Tagen sowohl über Email, als auch persönlich erhalten habe. Dieser Zuspruch zeigt mir doch, dass ich die Bulletins nicht ungelesen in die Weiten der deutschen Schiedsrichterwelt hinaus schicke.

Daher versuche ich es noch einmal und hoffe auf reges Interesse.

Den nachfolgenden Artikel habe ich auf einer amerikanischen Schiedsrichter-Homepage gefunden. Zuerst haben sich mir beim Lesen einiger Passagen die Haare gesträubt, aber bei genauerem Überlegen und durch Nachfragen bei entsprechenden Stellen, denke ich, dass es für unsere Footballgemeinde nicht uninteressant ist.

Der Artikel steht unter dem Titel "Die verdammte Uhr" und beschäftigt sich mit dem Starten der Uhr. Darin aufgeführt sind zwei Thesen verschiedener, nicht genannter Schiedsrichter, die aber nach dem Bekunden des Homepage-Autors zwei erfahrende und regelkundige Schiedsrichter sind, die sich seit langem mit den Regelauslegungen bezüglich dem Starten der Uhr beschäftigt haben.


Die "verdammte" Uhr

These # 1: Die Frage, wann die Uhr gestartet wird, kann nur beantwortet werden, wenn man weiß, aus welchem Grund sie angehalten wurde. Viele Schiedsrichter sind verunsichert, weil sie nach einer falschen Faustregel gelernt haben. Diese falsche Faustregel besagt, dass die Uhr nach einem Ballbesitzwechsel mit dem Snap startet. Das ist schlicht falsch.

Das Studium der Regel 3-2-5 zeigt, dass die Regel NIEMALS einen Ballbesitzwechsel erwähnt. Wurde die Uhr aus den elf in Regel 3-2-5a aufgeführten Gründen angehalten, muß sie mit der Ballfreigabe gestartet werden. Wurde die Uhr aus anderen Gründen angehalten, muß sie mit dem Snap gestartet werden. Regel 3-2-5c behandelt die Situationen, wenn mehrere Gründe zum Anhalten der Uhr zusammentreffen. Die Gründe, die zum Starten beim Snap führen, überlagern die Gründe zum Starten mit der Ballfreigabe.

Noch einmal, um es klar zu machen: ein Ballbesitzwechsel hat nichts mit der Uhr zu tun!!

Beispiel 1: 4. und 3 von A's 37. A-21 advanct zu A's 43, wo der Ball dead wird. Regelung: A's Ball, 1. und 10 von A's 43. Wenn A-21 im Spielfeld zu Boden gebracht wird, ist Regel 3-2-5a-1 anwendbar und die Uhr startet mit der Ballfreigabe. Wenn A-21 ins Aus lief, findet Regel 3-2-5c Anwendung und die Uhr startet mit dem Snap.

Beispiel 2: 4. und 3 von A's 37. A-21 advanct zu A's 39, wo der Ball dead wird. Team B war beim Snap offside. Regelung: Die Strafe wird angenommen. A's Ball, 1. und 10 von A's 44. Die Uhr wurde angehalten, um Team B einen First Down zu geben, denn Team A hatte die Line to Gain nicht erreicht. Die elf Situationen der Regel 3-2-5a sind nicht anwendbar. Die Uhr startet mit dem Snap. Die Uhr startet also nicht mit der Ballfreigabe, auch wenn Team A einen First Down zuerkannt bekommt.

Beispiel 3: 4. und 3 von A's 37. B-24 fängt A-12's legalen Vorwärtspass ab und advanct bis zu B's 42, wo er fumbelt. A-76 recovert den Ball an B's 43, während er auf dem Boden liegt. Regelung: A's Ball, 1. und 10 von B's 43. Die Uhr wurde angehalten, um Team A einen First Down zu geben. Die Tatsache, dass sich während des Down ein Ballbesitzwechsel ereignet hat, spielt keine Rolle. Regel 3-2-5a-1 findet Anwendung und die Uhr startet mit der Ballfreigabe.

Beispiel 4: 4. und 3 von A's 37. B-24 fängt A-12's legalen Vorwärtspass ab und advanct bis zu B's 42, wo er fumbelt. A-76 recovert den Ball an B's 43, während er auf dem Boden liegt. A-65 geriet mit einer Hand zufällig in das Helmgitter von B-24, als er diesen tackelte. Regelung: Team B wird die 5-Meterstrafe annehmen. B's Ball, 1. und 10 von B's 47. Die Uhr wurde angehalten, um Team A einen First Down zu geben. Damit findet Regel 3-2-5a-1 Anwendung und die Uhr startet mit der Ballfreigabe. Regel 3-2-5c ist nicht anwendbar. Es liegt kein auf einer Regel basierender Grund (z. B.: Ballträger im Aus, unvollständiger Vorwärtspass, Uhr angehalten, um Team B einen First Down zu geben) vor, um die Uhr mit dem Snap zu starten. Die Uhr wurde nicht angehalten, um Team B einen First Down zu geben.

Beispiel 5: 4. und 5 von B's 25. A-17 läuft bis zu B's 24 und wirft einen Pass auf A-87. A-87 fängt den Pass an B's 15 und wird dort zu Boden gebracht. Regelung: Team A wird mit einer 5-Meterstrafe und einem Downverlust bestraft. B's Ball, 1. und 10 von B's 29. Die Uhr startet mit der Ballfreigabe. Die Uhr wurde angehalten, um Team A offensichtlich einen First Down zu geben. Die Tatsache, dass nach der Strafdurchführung Team B einen First Down bekommt, spielte für das Anhalten der Uhr keine Rolle.



These # 2: Die Interpretationen AR 3-2-5-II und III sind sehr hilfreich. Jedoch der letzte Satz von AR 3-5-2-IV ist schrecklich und unterstützt das Argument, das hier versucht wird, auszumerzen. Die Uhr startet beim Snap, aber nur weil sie angehalten wurde, um Team B ein First Down zu geben. Wird dieses verdammte Regelbuch irgendwann mal korrigiert??!!

Das Starten der Uhr bezieht sich auf die Gründe des Anhaltens. Das Starten der Uhr hat nichts damit zu tun, welches Team als nächstes den Ball ins Spiel bringt. Das Starten der Uhr hat nichts zu tun mit einem Ballbesitzwechsel während des Down. Jeder wird vermutlich darin übereinstimmen, die Uhr mit dem Snap zu starten, wenn Team B als nächstes den Ball ins Spiel bringt, weil beide Teams vermutlich ihre Spieler austauschen werden. Dieser Grund war jedoch nie Bestanteil der Regel oder einer Interpretation und die Regelmacher haben es über die Jahre verpaßt, diese Regel zu ändern, obwohl zahlreiche Änderungsanträge vorlagen. Der Fairneß halber sei aber anzumerken, dass 1990 die Regel geändert wurde, um die Uhr nach einem legalen Scrimmage Kick mit dem Snap zu starten, wodurch einige vorherige Ungereimtheiten geklärt wurde.

Regel 3-3-2a-6 verdeutlicht, dass die Uhr angehalten wird, wenn Team B einen First Down zuerkannt bekommt. Das hat nichts damit zu tun, dass Team B den Ball als nächstes ins Spiel bringt. Regel 3-2-5c ist anwendbar, wenn Team B einen First Down bekommt. Sie ist nur dann anwendbar, wenn Team B als nächstes den Ball ins Spiel UND die Uhr angehalten wurde, um Team B einen First Down zu geben. Die Behauptung: "die Uhr startet immer beim Snap, wenn sie gestoppt wurde, um Team B einen First Down zu geben", ist korrekt. Die Behauptung: "die Uhr startet immer beim Snap, nachdem Team B eine neue Down-Serie zuerkannt wird, ist falsch. Da gibt es einen Unterschied.

Vor 1990 verdeutlichte Regel 3-2-5b das Starten der Uhr, wenn diese gestoppt worden war, um Team B einen First Down zu geben. 1988 (und zuvor bis wenigstens 1979) erklärte die Regel, dass die Uhr ohne vorheriges Signal des Referee startet, wenn der Ball ins Spiel gebracht wird und sie angehalten wurde, um Team B einen First Down zu geben oder wenn Team A nach einem Kick ein First Down zuerkannt wird". 1989 gab es eine editorale Änderung, wonach die Regel folgendes erklärte: "der Referee gibt kein Signal und die Uhr startet, wenn der Ball ins Spiel gebracht wird, wenn sie gestoppt wurde, nachdem Team B ein First Down zuerkannt wurde oder nach einem Kick Team A ein First Down zuerkannt wird."

Der Unterschied zwischen diesen beiden Aussagen lag im Zeitpunkt der Zuerkennung des First Down für Team B. Im ersten Fall wurdedie Uhr angehalten, weil Team B am Ende des Down auch in Ballbesitz war; im zweiten Fall, wenn Team B am Ende des Down nicht in Ballbesitz war, aber nach z. B einer Strafdurchführung den Ball erhielt.

1990 kam es zu einer Regeländerung, wonach die Uhr bei einem Scrimmage Down nach einem Kick mit dem Snap startet. Es wurden auch einige editorale Änderungen der Regel 3-2-5a, -b und -c vorgenommen, ohne dass auch die Interpretationen entsprechend geändert wurden.

Es gibt Schiedsrichter, die der Meinung sind, die Uhr müsse bei den o. a. Beispielen 4 und 5 beim Snap starten. Diese Meinung stimmt aber nicht mit Beispiel 2 überein. In Beispiel 2 wird Team A ein First Down zuerkannt und es besteht keine Notwendigkeit für beide Teams ihre Spieler auszutauschen. Die Regel muß geändert werden, um die Uhr mit dem Snap zu starten, wenn Team B den Ball ins Spiel bringt.


Soweit der Artikel, der aus dem November 1998 stammt. Ein kleiner, nicht unbedeutender Hinweis von mir. Die Regelmacher haben sich dem Klagen der amerikanischen Kollegen angenommen. Im nächsten Regelwerk gibt es daher eine editorale Änderung, die tatsächlich besagt, dass die Uhr mit dem Snap startet, wenn Team B den Ball ins Spiel bringt.

Soweit für diesen Monat. Viel Spaß bei den Diskussionen.

Euer Hans