American Football Schiedsrichter
Vereinigung Deutschland

- Schiedsrichterlehrwart -

Hans Lämmerhirt - Diepensiepen 3 c - 40822 Mettmann
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Bulletin August 2008

Hallo Kollegen,

In diesem Monat möchte ich Euch wieder an einigen Dingen teilhaben lassen, die mir im vergangenen Monat während meiner Spielbeobachtungen aufgefallen sind.

Vermutlich passieren Euch diese Missgeschicke nicht, aber ich hoffe, Ihr nutzt sie, um Eure Pregame-Besprechung etwas aufzulockern.

So sind mir Referees aufgefallen, die bei der Strafansage nicht mehr in Richtung des Teams zeigen, die das Foul verursacht haben.

Das gehört zu unserer Routine. Nicht alle Referees sind mit einem Mikro ausgestattet. Da ist es eminent wichtig, dass Ihr Eure Routine bei der Strafansage beibehaltet.

Auch Vorsignale scheinen offensichtlich der Vergangenheit anzugehören.

Es ist wichtig, dass ein Team und speziell das, welches offensichtlich ein Foul verursacht hat, darüber informiert wird, was das für ein Foul war.

Gibt der Referee das Vorsignal, wissen alle, worauf sie sich einstellen können.

Das gefoult Team kann sich schon mal überlegen, ob es die Strafe annimmt oder ablehnt und das verursachende Team kann sich schon mal darauf einstellen, dass nun ein Down mit einer langen Distanz kommen kann.

Und je eher sie sich darauf einstellen können, desto besser bleibt der Spielfluss erhalten.

Auch bei der abschließenden Ansage habe ich etwas zu meckern.

Und das betrifft gerade die Fouls, die sich vor einem Snap ereignen.

Wie häufig höre ich da: „Vor dem Spielzug, False Start Offense, der Down wird wiederholt“.

Der Down wurde ja noch gar nicht gespielt, da vor dem Snap abgepfiffen wurde. Welcher Down wird denn dann wiederholt?? Der vorhergegangene?? Nein, richtig muss es heißen: „Vor dem Spielzug, False Start Offense, es bleibt beim (beispielsweise) 2. Down“.

Kommen wir nun zu etwas anderem.

In unseren Mechanics steht zu lesen, dass die Flügelmänner nach den Down ins Spielfeld kommen sollen. Dabei strecken die Flügelmänner, so wie sie es in Spielen der NFL sehen, häufig nur den Arm nach oben. Das ist ja soweit ok, wenn sie damit anzeigen wollen, dass sie den Forward Progress haben.

In der NFL bedeutet das Hochstrecken des Armes, dass der Down vorüber ist und die 40-Sekundenuhr gestartet wird.

Mir wäre bedeutend lieber, wenn die Flügelmänner dabei auch den nächsten Down anzeigen. Denn damit zeigen sie ihren Kollegen zwei Dinge an.

1. Ich habe den Spot, hier wurde der Forward Progress beendet und

2. ich habe während dieses Down kein Foul erkannt und es folgt der nächste Down.

Häufig wird Beschwerde darüber geführt, dass Spiele bei uns viel zu lange dauern.

Das kann ich gut nachvollziehen. Es kommt aber nicht nur dadurch, dass die Teams viele Punkte erzielen oder viele unvollständige Pässe werfen.

Nein, wir Schiedsrichter vergeuden häufig zu viel Zeit.

Da wird ein Touchdown erzielt. Nach dem obligatorischen Try notiert sich die Crew das Ergebnis. Dann geht man gemächlich in die andere Spielfeldhälfte, hält noch ein Schwätzchen mit dem einen oder anderen Spieler, das Receiving Team bleibt noch an der Seitenlinie stehen und erhält Instruktionen von seinem Coach, die Schiedsrichter und das Kicking Team stehen bereit und erst als sich das Receiving Team in seine Positionen begibt, pfeift der Referee an.

So vergehen dann fast fünf Minuten zwischen dem Try und dem Kickoff. Und man wundert sich, wo die ganze Zeit geblieben ist und warum die erste Halbzeit 90 Minuten gedauert hat.

In unseren Mechanics ist festgelegt, dass zwischen Try und Kickoff nicht mehr als 1 Minute vergehen soll.

Darum sollten sich die Schiedsrichter beeilen, auf ihre Positionen zu kommen. Wenn sie sich einen bestimmten Rhythmus aneignen, dann lassen sie den Teams auch keine Zeit für irgendwelche Mätzchen.

Und wenn doch, dann hat man auch die Möglichkeit, das Receiving Team mit einer 5-Meterstrafe zu belegen. Denn Spielverzögerung gilt für beide Teams.

Bei einem Try, der als Zwei-Punkt-Conversion gespielt wird, zeigt nur der Referee das Signal für „keine Punkte“ an. Im vorliegenden Fall kam es zu einem Lauf und der Ballträger wurde an der 1-Meterlinie gestoppt. Der LM kam ins Spielfeld gelaufen und zeigte „keine Punkte“ an. In diesem Fall hätte der LM einfach nur die Uhr halten (auch wenn sie während eines Try nicht läuft) und den Spot markieren sollen. Der Referee ist dann derjenige, der allen anzeigt, dass der Try beendet ist und keine Punkte erzielt wurden.

So, damit genug gemeckert für heute.

Ich weiß genau, dass der eine oder andere denkt: „Lass ihn mal reden, der ist weit weg und kann mir mal den Buckel runterrutschen“.

Das mag sein. Aber sicher bin ich für den einen oder anderen Buckel zu schwer. Und man darf nicht unterschätzen, dass ich ein gewichtiges Wort bei der Vergabe der German Bowl Plätze mitzureden habe.

In diesem Sinne.

Viel Spaß für die nächsten Spiele.

Euer Hans