American Football Schiedsrichter
Vereinigung Deutschland

- Schiedsrichterlehrwart -

Hans Lämmerhirt - Diepensiepen 3 c - 40822 Mettmann
Telefon: 0172-5287918 - laemmerhirt<at>afsvd.de

Bulletin Juli 2008

Hallo Kollegen,

heute möchte ich mich einmal dem Thema "Flaggen" widmen.

Ich habe mir bisher einige Videos und Spiele live angeschaut. Dabei fiel mir häufig auf, dass die Kollegen, die eine Flagge geworfen haben, einfach stehen blieben und nicht weiter machten.
So nach dem Motto.
"Das war’s. Ich habe ein Foul entdeckt und eine Flagge geworfen. Für alles andere sind nun die Anderen zuständig."

Aber weit gefehlt.
Schon im D-Lehrgang wird (bis zum Erbrechen) gelehrt: "Was muss ein Schiedsrichter tun, wenn er ein Foul beobachtet hat?"
Die Antwort kennt sicher jeder von Euch noch.

Flagge auf den Spot of Foul werfen, Verursacher merken, weiter beobachten, nach dem Spielzug abpfeifen, Uhr anhalten, Referee Meldung erstatten.

Ich möchte hier aus den Mechanics zitieren:

Der meldende Schiedsrichter

  1. Jeder Schiedsrichter, der ein Foul bemerkt, soll am Spot of Foul eine Flagge fallen lassen oder werfen und sich die Meterlinie merken, auf der das Foul sich ereignete. Weiterhin muss er sich bezüglich Ballbesitz und Spielzugtyp merken und wann das Foul passierte.
  2. Wenn der Ball noch im Spiel ist, soll nicht eher abgepfiffen werden, bis der Ball dead ist, es sei denn, durch das Foul wird der Ball dead.
  3. Wenn der Ball dead wird, sollte noch einmal kurz abgepfiffen werden, damit die anderen Schiedsrichter wissen, dass ein Foul erkannt wurde. Weiterhin muss die Uhr angehalten werden (S3).
  4. Nachdem sichergestellt ist, dass ein anderer Schiedsrichter seine Flagge sichert, soll sich der meldende Schiedsrichter zum Referee begeben und ihm folgende Informationen geben:
    1. welches Foul (gegebenenfalls Ablauf erklären);
    2. das verursachende Team (Offense/Defense/Teamname oder Trikotfarbe);
    3. verursachender Spieler, durch Angabe der Nummer oder Position;
    4. den Spot of Foul;
    5. ob der Ball zum Zeitpunkt des Foul im Spiel oder dead war oder, wenn zugehörig, ob das Foul sich vor oder nach einem möglichen Ballbesitz-Wechsel oder als der Ball durch einen Pass, Fumble oder Kick frei war, ereignet hat.

Jedem dürfte klar sein, dass es nicht einfach ist, sich alle oben aufgeführten Punkte zu merken. Aber mit den Jahren sollte das ein jeder lernen.
Umso erschreckender ist es für mich, wenn das in der GFL, also der höchsten deutschen Spielklasse passiert.
Und hier sollten doch die besten Schiedsrichter tätig sein. Ich werde zu gegebener Zeit erneut auf dieses Thema zurückkommen.

Auch das "Werfen" der Flagge konnte ich beobachten.

Es ist für einen versierten Beobachter ein schönes Bild, wenn man das Geschehen um den Ball beobachtet und es kommt, wie an einer Schnur gezogen, eine Flagge aus dem Defense Backfield angeflogen, weil ein tiefer Schiedsrichter etwas beobachtet hat.
Dabei verrenken sich aber manche fast den Arm. Die Flagge gehört bei einem Live Ball Foul zwar auf dem Punkt des Fouls. Es reicht aber, wenn die Flagge erst einmal in die Nähe geworfen wird. Wenn das Spielgeschehen danach steht, kann man zur Flagge gehen und sie auf den entsprechenden Punkt, den man sich vorher gemerkt hat, legen. Danach kann man dem Referee berichten.

Im Jugendendspiel konnte ich beobachten, wie zwei Schiedsrichter offensichtlich für das gleiche Vergehen eine Flagge warfen. Die Flaggen lagen etwa zwei Meter auseinander. Nach dem Spielgeschehen kamen die beiden Flaggenwerfer zusammen und besprachen sich. Anschließend nahm einer der beiden seine Flagge auf und legte sie zu der anderen, während der zweite Schiedsrichter zum Referee ging und diesem meldete, dass sie beide das gleiche Vergehen beobachten hatten.

Durch dieses professionelle Verhalten wurde dem ganzen Stadion klar gemacht, dass sich die Schiedsrichter auf dem Feld in ihren Entscheidungen einig sind und dass sie als Team zusammenarbeiten.

Genug gemeckert für den Moment.

Nachfolgend habe ich einen alten Artikel ausgegraben, der ursprünglich für Polizisten geschrieben war. Aber ich denke, er trifft auch gut auf Schiedsrichter und dazu habe ich ihn entsprechend angepasst.

Die Fantasie hat diese Geschichte erzeugt.
Am sechsten Tag ohne Rast machte Gott sich daran, Schiedsrichter zu kreieren.
Ein Engel kam vorbei und sagte "Du beschäftigst dich aber ungewöhnlich lange mit diesem Modell."

Und Gott fragte: "Hast du die Kriterien gesehen, die das Modell erfüllen muss?"
"Ein Schiedsrichter muss in der Lage sein, das Spielfeld rauf und runter zu rennen, dabei Coaches, Spielern und Fotografen an der Seitenlinie auszuweichen, durch Schlamm- und Regenpfützen zu laufen und dabei noch nicht einmal seine weiße Hose zu verschmutzen. Er muss jederzeit in Top-Kondition sein und zwischen zwei Spielen mit einer Flasche warmen Leitungswasser zufrieden sein. Und er muss sechs Paar Hände haben."
Der Engel schüttelte seinen Kopf und sagte: "Sechs Paar Hände? Das geht nicht."
"Es sind nicht die Hände, die mir Probleme bereiten", sagte Gott, "es sind die drei Paar Augen, die ein Schiedsrichter haben muss."
"An einem ganz normalen Schiedsrichter? Warum denn das?" fragte der Engel.
Gott erklärte: "Ein Augenpaar, das die Blocker an der Scrimmage Line beobachtet. Ein zweites Paar Augen an der Seite seines Kopfes, um gleichzeitig die Seitenlinie im Blick zu halten und ein weiteres auf der anderen Kopfseite, um tiefe Blocks von und gegen Receiver erkennen zu können."
"Gott", sagte der Engel und fasste ihn am Ärmel, "ruhe dich doch erst mal aus, du kannst dieses Modell doch später fertig stellen."
"Das kann ich nicht, ich habe schon ein ziemlich gutes Modell erschaffen. Es kann zwei je 150 Kilo schwere Linemen, die sich in den Haaren liegen ruhig trennen, ohne dass es zu Zwischenfällen kommt und mit einer kleinen Aufwandsentschädigung mehr als 12 Stunden von zu Hause weg sein und damit satt und fit werden; ich kann jetzt nicht aufgeben."
Der Engel umkreiste den Schiedsrichter sehr langsam und sah ihn sich genau an, dann sagte er: "Kann dieses Modell auch denken?"
"Aber natürlich", antwortete Gott, "es kann dir die Tatbestände von über 700 Regelungen aufzählen, die Strafdurchführung im Schlaf aufsagen, Strafen durchführen und Verursacher schwerer Fouls schneller vom Spielfeld holen, als die Ligaobleute diskutieren, ob es berechtigt war oder nicht, während der Schiedsrichter schon den nächsten Spielzug beobachtet. Und während alledem behält er noch seinen Sinn für Humor. Außerdem hat dieses Modell eine wahnsinnig gute Kontrolle über sich selbst. Es ist fähig, sich Beleidigungen und Schmähungen anzuhören, ohne mit der Wimper zu zucken und hat trotzdem seine Gefühle im Griff. Es kann mit allen Spielern oder Coaches in allen Sprachen reden, obwohl die Medien mal wieder schreiben, Schiedsrichter hätten ein Spiel nicht unter Kontrolle gehabt."
Dann sah sich der Engel das Gesicht des Schiedsrichters genauer an. Er strich mit seinen Fingern über die Wangen des Modells und sagte schließlich: "Siehst du Gott, hier ist ein Leck. Ich sagte doch, dass du dir zuviel vorgenommen hast bei diesem Modell."
"Das ist kein Leck", entgegnete Gott, "das ist eine Träne."
"Eine Träne? Wofür?", wollte der Engel wissen.
"Nun ja, für die aufgestauten Gefühle und für die Beschimpfungen, die er hinnehmen muss. Für den Undank und falschen Beschuldigungen, für die Frustration und Wut, für Einsamkeit, für Ignoranz und Ohnmacht."

Diese Geschichte ist den Männern und Frauen gewidmet, ohne die ein Spiel nicht durchgeführt werden würde.
Der Verfasser meint: Es ist meine Art, Danke zu sagen.

Dieser abgeänderte Artikel stammt aus dem Schaumburger Wochenblatt und lautete ursprünglich: Als Gott die Polizei erschuf.

Das wäre es für heute.

Falls Ihr Fragen habt oder Anregungen für ein Thema zu einem Bulletin geben wollt, schreibt mir oder ruft mich an.

Euer

Hans