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American Football Schiedsrichter - Schiedsrichterlehrwart - Hans Lämmerhirt - Diepensiepen 3 c - 40822 Mettmann |
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Bulletin Juli 2008
Hallo Kollegen,
heute möchte ich mich einmal dem Thema "Flaggen" widmen.
Ich habe mir bisher einige Videos und Spiele live angeschaut. Dabei
fiel mir häufig auf, dass die Kollegen, die eine Flagge geworfen haben,
einfach stehen blieben und nicht weiter machten.
So nach dem Motto.
"Das war’s. Ich habe ein Foul entdeckt und eine Flagge geworfen. Für alles
andere sind nun die Anderen zuständig."
Aber weit gefehlt.
Schon im D-Lehrgang wird (bis zum Erbrechen) gelehrt:
"Was muss ein Schiedsrichter tun, wenn er ein Foul beobachtet hat?"
Die Antwort kennt sicher jeder von Euch noch.
Flagge auf den Spot of Foul werfen, Verursacher merken, weiter beobachten,
nach dem Spielzug abpfeifen, Uhr anhalten, Referee Meldung erstatten.
Ich möchte hier aus den Mechanics zitieren:
Jedem dürfte klar sein, dass es nicht einfach ist, sich alle oben
aufgeführten Punkte zu merken. Aber mit den Jahren sollte das ein jeder lernen.
Umso erschreckender ist es für mich, wenn das in der GFL, also der höchsten
deutschen Spielklasse passiert.
Und hier sollten doch die besten Schiedsrichter tätig sein. Ich werde zu
gegebener Zeit erneut auf dieses Thema zurückkommen.
Auch das "Werfen" der Flagge konnte ich beobachten.
Es ist für einen versierten Beobachter ein schönes Bild, wenn man das
Geschehen um den Ball beobachtet und es kommt, wie an einer Schnur gezogen, eine
Flagge aus dem Defense Backfield angeflogen, weil ein tiefer Schiedsrichter etwas beobachtet hat.
Dabei verrenken sich aber manche fast den Arm. Die Flagge gehört bei
einem Live Ball Foul zwar auf dem Punkt des Fouls. Es reicht aber, wenn
die Flagge erst einmal in die Nähe geworfen wird. Wenn das Spielgeschehen
danach steht, kann man zur Flagge gehen und sie auf den entsprechenden Punkt,
den man sich vorher gemerkt hat, legen. Danach kann man dem Referee berichten.
Im Jugendendspiel konnte ich beobachten, wie zwei Schiedsrichter offensichtlich für das gleiche Vergehen eine Flagge warfen. Die Flaggen lagen etwa zwei Meter auseinander. Nach dem Spielgeschehen kamen die beiden Flaggenwerfer zusammen und besprachen sich. Anschließend nahm einer der beiden seine Flagge auf und legte sie zu der anderen, während der zweite Schiedsrichter zum Referee ging und diesem meldete, dass sie beide das gleiche Vergehen beobachten hatten.
Durch dieses professionelle Verhalten wurde dem ganzen Stadion klar gemacht, dass sich die Schiedsrichter auf dem Feld in ihren Entscheidungen einig sind und dass sie als Team zusammenarbeiten.
Genug gemeckert für den Moment.
Nachfolgend habe ich einen alten Artikel ausgegraben, der ursprünglich für Polizisten geschrieben war. Aber ich denke, er trifft auch gut auf Schiedsrichter und dazu habe ich ihn entsprechend angepasst.
Die Fantasie hat diese Geschichte erzeugt.
Am sechsten Tag ohne Rast machte Gott sich daran, Schiedsrichter zu kreieren.
Ein Engel kam vorbei und sagte "Du beschäftigst dich aber ungewöhnlich lange mit diesem Modell."
Und Gott fragte: "Hast du die Kriterien gesehen, die das Modell erfüllen muss?"
"Ein Schiedsrichter muss in der Lage sein, das
Spielfeld rauf und runter zu rennen, dabei Coaches,
Spielern und Fotografen an der Seitenlinie auszuweichen, durch Schlamm-
und Regenpfützen zu laufen und dabei noch nicht einmal seine weiße Hose zu
verschmutzen. Er muss jederzeit in Top-Kondition sein und zwischen zwei
Spielen mit einer Flasche warmen Leitungswasser zufrieden sein. Und er muss
sechs Paar Hände haben."
Der Engel schüttelte seinen Kopf und sagte: "Sechs Paar Hände? Das geht nicht."
"Es sind nicht die Hände, die mir Probleme bereiten", sagte Gott, "es sind die drei Paar Augen, die ein Schiedsrichter haben
muss."
"An einem ganz normalen Schiedsrichter? Warum denn das?" fragte der Engel.
Gott erklärte: "Ein Augenpaar, das die Blocker an der Scrimmage Line beobachtet. Ein zweites Paar
Augen an der Seite seines Kopfes, um gleichzeitig die Seitenlinie im Blick zu
halten und ein weiteres auf der anderen Kopfseite, um tiefe Blocks von und gegen
Receiver erkennen zu können."
"Gott", sagte der Engel und fasste ihn am Ärmel, "ruhe dich doch erst mal aus, du kannst dieses Modell doch später
fertig stellen."
"Das kann ich nicht, ich habe schon ein ziemlich
gutes Modell erschaffen. Es kann zwei je 150 Kilo schwere Linemen,
die sich in den Haaren liegen ruhig trennen, ohne dass es zu
Zwischenfällen kommt und mit einer kleinen Aufwandsentschädigung mehr als 12 Stunden
von zu Hause weg sein und damit satt und fit werden; ich kann jetzt nicht aufgeben."
Der Engel umkreiste den Schiedsrichter sehr langsam
und sah ihn sich genau an, dann sagte er: "Kann dieses Modell auch
denken?"
"Aber natürlich", antwortete Gott, "es kann dir die Tatbestände von über 700 Regelungen aufzählen,
die Strafdurchführung im Schlaf aufsagen, Strafen durchführen und Verursacher schwerer Fouls schneller
vom Spielfeld holen, als die Ligaobleute diskutieren, ob es berechtigt war oder
nicht, während der Schiedsrichter schon den nächsten Spielzug beobachtet. Und
während alledem behält er noch seinen Sinn für Humor. Außerdem hat dieses
Modell eine wahnsinnig gute Kontrolle über sich selbst. Es ist fähig, sich
Beleidigungen und Schmähungen anzuhören, ohne mit der Wimper zu zucken
und hat trotzdem seine Gefühle im Griff. Es kann mit allen Spielern oder Coaches in allen Sprachen reden,
obwohl die Medien mal wieder schreiben, Schiedsrichter hätten ein Spiel nicht unter Kontrolle gehabt."
Dann sah sich der Engel das Gesicht des Schiedsrichters genauer an. Er strich mit seinen Fingern über die
Wangen des Modells und sagte schließlich: "Siehst du Gott, hier ist ein Leck. Ich sagte
doch, dass du dir zuviel vorgenommen hast bei diesem Modell."
"Das ist kein Leck", entgegnete Gott, "das ist eine Träne."
"Eine Träne? Wofür?", wollte der Engel wissen.
"Nun ja, für die aufgestauten Gefühle und für die Beschimpfungen, die er hinnehmen muss.
Für den Undank und falschen Beschuldigungen, für die Frustration und Wut, für Einsamkeit, für Ignoranz und Ohnmacht."
Diese Geschichte ist den Männern und Frauen gewidmet,
ohne die ein Spiel nicht durchgeführt werden würde.
Der Verfasser meint: Es ist meine Art, Danke zu sagen.
Dieser abgeänderte Artikel stammt aus dem Schaumburger Wochenblatt und lautete ursprünglich: Als Gott die Polizei erschuf.
Das wäre es für heute.
Falls Ihr Fragen habt oder Anregungen für ein Thema zu einem Bulletin geben wollt, schreibt mir oder ruft mich an.
Euer
Hans