American Football Schiedsrichter
Vereinigung Deutschland

- Schiedsrichterlehrwart -

Hans Lämmerhirt - Diepensiepen 3 c - 40822 Mettmann
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Bulletin Juni 2008

Hallo Kollegen,

nun ist es schon wieder so spät geworden. Der Juni ist fast vorbei und immer noch kein Bulletin da. Ich hatte aber auch viel zu tun.

In diesem Monat haben mich die Regeländerungen für die nächste Saison ganz schön in Anspruch genommen. Aber dazu später (im Bulletin Oktober oder so) mehr.

Ich habe es immerhin geschafft, mir einige Spiele anzuschauen.
Dabei sind mir ein paar Kleinigkeiten aufgefallen, die ich hier ansprechen möchte.

1. Neue Mechanics bezüglich Umpire beim Kickoff.

Es gab die Regeländerungen, dass die Play Clock (25-Sekunden) starten, sobald der Umpire dem Kicker den Ball übergibt. Vor dieser Regeländerung hatte der Referee den Ball erst dann freigegeben, wenn der Kicker den arm gehoben und damit angezeigt hatte, dass er bereit war. Zuvor hatte er aber den Ball noch mal geknetet, ihn hingelegt, ihn aufgenommen, noch mal korrigiert, seine Teamkollegen gezählt und dann erst den Arm gehoben. All das sollte dadurch eingeschränkt werden, im dem der Referee den Ball freigab und die 25-Sekunden liefen. Nun musste der Kicker wissen, dass er nicht alle zeit der Welt, sondern nur 25 Sekunden hatte, um den Ball zu kicken.

Der Umpire sollte sich umdrehen und dem Referee das Zusatzzeichen „Uhr läuft“ anzeigen und dann nach außen auf seine Position an der Seitenlinie laufen.

Es hatte sich allerdings schon im Vorfeld angedeutet, dass es ungünstig ist, wenn der Umpire sich nach außen bewegt, während der Referee schon den Ball freigegeben hatte. Es hätte dazu kommen können, dass der Umpire den Rücken zum Ball dreht, während er sich nach außen bewegt und der Kicker den Free Kick durchführen könnte.

Daher hatten wir festgelegt, dass der Umpire dem Kicker den Ball übergibt, sich umdreht, dass Zusatzzeichen gibt und nach außen läuft. Sobald er sich an seiner Seitenlinie befand und umgedreht hatte, sollte der Referee den Ball freigeben.

Offensichtlich ist das nicht von allen korrekt weitergegeben worden. Oder man hat es falsch verstanden.

In den Spielen, die ich beobachtet hatte, ist genau das passiert, was befürchtet wurde.

Der Umpire übergab dem Kicker den Ball, drehte sich zum Referee um, gab das Zusatzzeichen und versuchte dann rückwärts laufend die Seitenlinie zu erreichen, während der Referee den Ball freigab. Der Kicker lief an, trat den Ball und der Umpire, der sich in seiner Rückwärtsbewegung befand, stoppte und lief dann wieder ins Spielfeld, um auf seine Hashmark zu kommen.

Ihr wisst selbst, dass es schwer ist, so genannte Mehrfachhandlungen durchzuführen. Und genau das ist hier der Fall.

Referees, gebt Euren Umpires also bitte etwas mehr Zeit, die Seitenlinie zu erreichen.

2. Verhalten  Linejudge beim Pass

Wenn der Linejudge erkennt, dass vermutlich ein Pass gespielt wird, soll er, mit wiederholten, kurzen Blicken auf den QB, seitlich downfield driften. Hat der Ball dann die Hand des QB verlassen, soll er sich in eine Position begeben, von wo aus er über den Pass entscheiden kann. Der Linesman sollte der letzte sein, der die neutrale Zone aufgibt.

3. Unsportliches Verhalten aus der Teamzone

Für jedes Foul, das ein Schiedsrichter erkennt, soll eine Flagge geworfen werden. Der überwachende Schiedsrichter muss danach dem Referee angeben können, wer, welches Foul, wann, wo begangen hat. Das sind elementare Bestanteile unserer Mechanics. Wer sich bei einem der „Elementarteilchen“ nicht sicher ist, sollte seine Flagge stecken lassen.

Es sollte also immer einen Verursacher geben. Eine Ansage: „ Unsportliches Verhalten Teamzone, schwarzes Team (oder ähnlich)“ darf es daher nicht geben. 

In dem betreffenden Fall gab es eine Provokation aus der Teamzone, durch die sich ein gegnerischer Defense Spieler genötigt sah, selbst eine Unsportlichkeit zu begehen.

Der Umpire hatte die Flagge für den Defense Spieler und der Referee warf seine Flagge, weil er es für unfair hielt, dass nur der Defense Spieler bestraft werden sollte.

Das ist zwar eine noble Geste, aber wenn Ihr keinen Verursacher habt, dann lasst die Flagge stecken. Ihr solltet aber auf jeden Fall nach dem Down mit dem verantwortlichen Coach sprechen und ihm erklären, dass ein derartiges Verhalten nicht geduldet werden kann und der entsprechende Verband benachrichtigt wird.

4. Einarmige Schiedsrichter

Jeder hat so seine Vorlieben, aber es gibt Situationen, bei denen man sich einfach anpassen muss. Wenn ich als Backjudge fungiere, muss ich wissen, dass ich häufiger einen „unvollständigen Pass“ anzeigen muss, als beispielsweise als Umpire. Oder bei Fieldgoalversuchen oder  Touchdowns muss ich nun mal meine Arme hochnehmen.

Ein Schiedsrichter, der eine Fingerpfeife hat, muss in diesen Situationen erst abpfeifen und dann das entsprechende Signal anzeigen.

Abpfeifen und einen Arm hochnehmen oder mit einem Arm „unvollständig“ anzuzeigen sieht wirklich bekloppt aus.

Denkt doch bitte daran. Ihr habt alle Zeit der Welt. Man kann abpfeifen, die Pfeife aus dem Mund nehmen und dann das entsprechende Signal anzeigen.

Oder man macht sich vor dem Spiel darüber Gedanken. Hey, heute bin ich Backjudge. Da muss ich ja auch mal die Uhr anhalten (auf den entsprechenden Knopf drücken), da nehme ich doch heute mal meine Pfeife am Halsband mit, damit ich meine Arme freihabe.

Das wäre es für heute.

Falls Ihr Fragen habt oder Anregungen für ein Thema zu einem Bulletin geben wollt, schreibt mir oder ruft mich an.

Euer

Hans