American Football Schiedsrichter
Vereinigung Deutschland

- Schiedsrichterlehrwart -

Hans Lämmerhirt - Diepensiepen 3 c - 40822 Mettmann
Telefon: 0172-5287918 - laemmerhirt<at>afsvd.de

Bulletin Mai 2008

Hallo Kollegen,

mich haben einige Zuschriften bezüglich Themen für ein Bulletin erreicht.

Vielen Dank dafür. Weiterhin gilt die bitte, dass Ihr mir schreibt oder mich anruft, wenn Ihr aktuelle Fragen habt oder mir ein Thema mitteilen wollt. Ich werde diese Themen aufgreifen und nach und nach in einem Bulletin veröffentlichen.

1.   Anzeigen von Down und Richtung.
Wenn sich die Teams zu einem Scrimmage aufstellen und sich aus dem Huddle lösen, zeigen die Flügelschiedsrichter den kommenden Down und die Richtung an, in die die Offense spielt. So steht es in unseren Mechanics. Diese Zeichen stellen sicher, dass wir uns im Spiel befinden. Football und auch die Schiedsrichterei sind zum größten Teil „Kopfsache“. Mit dem Zeichen zeige ich nicht nur die Richtung der Offense an, ich zeige auch allen meinen Kollegen, dass ich ganz genau weiß, was ich zu tun habe, dass ich meine Aufgaben kenne und dass sie sich darauf verlassen können, dass ich diese Aufgaben auch wahrnehme. I
Es mag sein, dass man in einer höheren Spielklasse, in der man nicht pfeift, wenn man nicht ein gerüttelt Maß an Erfahrung und Routine aufweisen kann, vielleicht auf das „Richtungszeichen“ verzichten könnte. Aber das Argument, dass das dämlich aussieht, ist wirklich ein sehr schwaches.
Mit ist es lieber, wird machen dämliche Zeichen und sind dafür 100%ig bei der Sache. Wie bereits oben erwähnt. Für mich, als außen stehenden Betrachter, zeigen die Zeichen an, dass sich die Schiedsrichter im Spiel befinden. Es gibt noch mehr Zeichen, die lustig aussehen und einem Nichtwissenden seltsam vorkommen. Denkt an „double sticks“ oder „Uhr stoppt nach dem nächsten Down“ oder „Team A spielt den vierten Down“. Alle diese Zeichen helfen uns durch das Spiel und bringen jeden Kollegen auf den gleichen Wissensstand. Aus diesem Grund sind diese Zeichen für mich sehr wichtig.

2.  Flügelmänner mit dem Snap auf die Goalline
Das ist ein Thema, dem ich mich nicht verschließen kann und die angeführten Argumente sind nachvollziehbar. Deshalb hier nur so viel für die involvierten Kollegen. Es gibt mit Sicherheit Gründe, die für diese Mechanic sprechen, aber auch viele dagegen. Ich werde mich mit dem Lehrstab austauschen und versuchen, eine Lösung zu finden.

3.   Umpire zeigt Touchdown an
Der Ballträger springt durch die Line. Er streckt den Ball nach vorne und der Ball, in den Händen des Ballträgers, der mit keinem anderen Körperteil als Hand oder Fuß den Boden berührt hat, prallt jenseits der Goalline auf den Boden, hat also die Plane der Goalline durchbrochen. Der Umpire, der das genau erkannt hat, schaut erst nach außen, ob von seinen Flügelschiedsrichtern ein Signal kommt. Wenn diese nur die Schultern hochziehen oder im Spielfeld die Goalline entlang gelaufen kommen, ohne einen Spot anzuzeigen, muss der Umpire handeln. Es macht keinen Sinn, jetzt erst zum Referee zu gehen, ihm zu erklären, dass ein Touchdown erzielt wurde, damit dieser nun die Arme hochnimmt.
Also, Umpires, Arme hoch. Lasst keinen Zweifel darüber entstehen, dass der Touchdown erzielt wurde. Aber das gilt nur für den Fall, der oben angeführt ist. Erst vergewissern, dass alle Merkmale zum Touchdown erfüllt sind UND die Flügel zeigen nichts an, weil sie kein Leder gesehen haben. Dann Arme hoch.

4.  Touchdown ja oder nein
Der Ballträger stürmt durch die Line. Die Defense wirft sich ihm entgegen. Niemand kann den Ball erkennen. Als alle Wogen sich glätten, der Staub sich legt, wird abgepfiffen. Die Schiedsrichter graben den Ball, in dem sie einen Spieler nach dem anderen von dem am Boden liegenden Stapel runterpflücken. Als der Ball zum Vorschein kommt, liegt er zur Hälfte über der Goalline. Was tun?? Hier ruft der Schiedsrichter, der als erster den Ball erkennt, dem Referee zu, dass ein Touchdown erzielt wurde und dieser nimmt jetzt die Arme hoch.
Es hat offensichtlich unterschiedliche Meinungen darüber gegeben, ob das ein Touchdown ist.
Ja. Das ist ein Touchdown. Wenn wir keine andere Erkenntnis haben, außer der, dass der Ball sich in der Endzone befindet, dann haben wir keine andere Möglichkeit, als den Touchdown anzuerkennen.
Wir können den Ball nicht zur 1-Meterllinie bringen und dort platzieren.
Wenn wir keinen Hinweis haben, dass der Ballträger zuvor mit einem anderen Körperteil am Boden war, können wir ihm keinen Spot an der 1-Meterlinie geben.
Natürlich wissen wir, dass die Spieler nach dem Abpfiff immer noch versuchen, den Ball nach vorne zu schieben. Aber wenn wir das nicht positiv erkennen können, dürfen wir das nicht annehmen und den Ball zurücklegen.
Wir können nur das entscheiden, was wir sehen.
Lass deinen Geist das verarbeiten, was deine Augen sehen.
Wenn wir sehen können, dass der Ballträger den Ball am Boden liegend vorwärts schiebt, haben wir einen Spot.
Wenn wir keinen Spot haben, haben wir einen Touchdown.

5.   Ein weiteres Thema bezüglich Touchdown ist die Frage, ob ein Schiedsrichter, der eine Flagge während des Down geworfen hat, einen Touchdown anzeigen soll.
Wenn ein Schiedsrichter weiß, dass durch seine Flagge der Touchdown nicht zählt, dann soll er auch keinen Touchdown anzeigen, wenn er in einer entsprechenden Situation ist. Dazu siehe dazu auch unser Mechanicbuch und die entsprechenden Hinweise für die jeweilige Position unter  „Spielzüge in der Nähe der Goalline“.

6.  Helping the runner
Wenn die Vorblocker für einen Ballträger eine Lücke frei blocken, ist das ihre Aufgabe. Wenn ein anderer Mitspieler einen Ballträger von hinten vorwärts schiebt oder dessen Trikot ergreift, um ihn weiter nach vorne zu ziehen, dann ist das illegal. Diese Strafe bringt eine 5-Meterstrafe mit sich, die vom Punkt des Fouls geahndet wird.
Dagegen ist es kein Foul, wenn ein Mitspieler des Ballträgers (nachfolgend kurz Mitspieler genannt) sich gegen einen Defender wirft, der seinerseits den Ballträger im Griff hat. Hier weiß man nicht genau, ob der Defender den Ballträger aufgehalten hat, ihn weiter vorwärts geschoben hat oder ob der Kontakt des Mitspielers dafür gesorgt hat, dass der Ballträger dahin kam, wo er sich am Ende des Down befindet.
Wenn der Kontakt des Mitspielers dazu führt, dass der Defender seinen Griff löst und der Ballträger weiter laufen kann, ist das ebenfalls kein Foul.
Denkt bitte daran, im Zweifel, für den Angeklagten.

7.   In diesem Jahr hat es eine Regeländerung bezüglich dem Blocken eines Fieldgoalversuches gegeben. Wenn ein Defense Lineman von einem Linebacker vorwärts geschoben wird, birgt das ein Gefahrenpotential für den geschobenen Defender und den Offense Lineman, in den der Defender hinein geschoben wird. Das hat das Regelkomitee erkannt und in den Regeln verankert. In unserem Fall ist der Linebacker der Verursacher. Er begeht einen Regelverstoß, der mit dem Signal S27 (unsportliches Verhalten) angezeigt wird. Der Verstoß selbst ist aber kein unsportliches Verhalten. Damit will ich sagen, dass beispielsweise eine Beleidigung durch den Linebacker und das Vorwärtsschieben des Defense Lineman durch den gleichen Linebacker nicht zwei UNV-Verstöße sind, die dazu führen, dass der Linebacker automatisch disqualifiziert werden muss.
Als Referee würde ich deshalb das korrekte Signal (S27) anzeigen, dabei aber erläutern, was passiert ist (#99 schob einen Mitspieler illegal in einen Gegner).


Das war’s für diesen Monat.

Falls Ihr Fragen habt, zögert nicht Euch zu melden. Ich möchte in diesem Zusammenhang auch noch einmal auf das (fast) verwaiste Diskussionsforum unserer AFSVD-Seite (www.afsvd.de) hinweisen.

Euer Hans