American Football Schiedsrichter
Vereinigung Deutschland

- Schiedsrichterlehrwart -

Hans Lämmerhirt - Diepensiepen 3 c - 40822 Mettmann
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Bulletin März 2008

Hallo Kollegen,

bei meinen Recherchen im Internet habe ich die aktuellen Philosophien für die NCAA 2008 gefunden.

Da ich der Meinung bin, dass wir diese zu Beginn unserer diesjährigen Saison gut brauchen können, habe ich diese für Euch übersetzt.

Sollten Fragen entstehen, zögert nicht, nachzufragen.

Benutzt dazu bitte auch unserer Diskussionsforum unter www.afsvd.de.

An der Scrimmage Line

1.             Die Schiedsrichter sollen versuchen, die Formation der Offense Spieler legal zu halten und nur dann eine Flagge werfen, wenn wiederholte Warnungen ignoriert werden. Warte nicht bis zum 4. Spielviertel, um Regelverstöße zu ahnden.

2.             Wenn der Offense Spieler sich so aufstellt, dass sein Kopf sich deutlich hinter dem Hintern des Snapper befindet, soll eine Foul ohne vorherige Warnung geahndet werden.

3.             Sei nicht zu kleinlich, wenn es darum geht, zu entscheiden, ob ein Wide Receiver oder ein Slot Back sich nicht an der Scrimmage Line befindet. Im Zweifel ist es KEIN Foul.

4.             Wide Receiver und Slot Backs, die sich außerhalb eines Tight End aufgestellt haben, befinden sich an der Scrimmage Line und covern damit den Tight End, wenn sich die Formation deutlich an einer sichtbaren Meterlinie aufgestellt hat. Im Zweifel wird der Tight End nicht gecovert.

5.             Bewegt sich ein Defense Spieler in der neutralen Zone in Richtung eines Offense Spieler, der sich seinerseits sofort bewegt und es ist nicht sicher, welchen Spieler der Defender angreift, dann hat er im Zweifel den sich bewegenden Offense Spieler angegriffen. Das schützt sowohl den Defender, als auch die beiden, in seiner Nähe befindlichen Offense Spieler.

6.             Immer wenn ein Defense Spieler durch eine Lücke stürmt und es nicht klar ist, ob er einen Offense Spieler berührt hat, soll ein Offside angenommen und der Spielzug sofort unterbrochen werden, um einen „freien Schuss“ auf den Quarterback zu verhindern.

7.             Formationen während der Durchführung eines Trick- oder ungewöhnlichen Spielzuges müssen genauestens beobachtet werden. Diese Formationen müssen vollständig legal sein.

Passbehinderung

Defense Passbehinderung

Aktionen, die eher für eine Defense Passbehinderung stehen, können in die nachfolgenden sechs Kategorien eingeteilt werden. Sie sind aber nicht auf diese Kategorien beschränkt:

1.             Früher Kontakt durch einen Defender, der nicht den Ball spielt, ist eine DPI, vorausgesetzt die anderen Voraussetzungen für DPI treffen zu, egal wie tief der Pass in Richtung des Receivers geworfen wurde.

2.             Wenn der Defender, bei dem Versuch den Ball zu spielen, „durch“ den Rücken eines Receiver spielt. Das heißt, wenn er beispielsweise erst den Receiver im Rücken berührt und dann einen Versuch macht, an den Pass zu gelangen.

3.             Das Ergreifen oder die Behinderung eines oder beider Arme oder des Körpers eines Receiver, wodurch diesem die Möglichkeit genommen wird, einen Pass zu fangen.

4.             Das Ausstrecken eines Armes quer über den Körper (Arm Bar) eines Receivers, wodurch dessen Möglichkeit zum Fangen eines Passes eingeschränkt wird. Dabei ist es egal, ob der Defender zum Ball schaut oder nicht.

5.             Kontakt mit dem Receiver und damit verbunden das Abschneiden des Laufpfades des Receivers (Cutting Off) oder das aus der Laufrichtung bringen (Riding the Receiver), ohne den Ball zu spielen.

6.             Das Ergreifen und Drehen (Hook and Turn) eines Receiver kurz bevor der Pass ankommt. Meist ergreift der Defender dabei das Trikot an der Hüfte des Receivers und dreht ihn mit einer Hand, während er mit der anderen Hand versucht, den Pass zu erreichen.

Offense Passbehinderung

Aktionen, die eher für eine Offense Passbehinderung stehen, können in die nachfolgenden beiden Kategorien eingeteilt werden. Sie sind aber nicht auf diese Kategorien beschränkt:

1.             Kontakt mit einem Defender durch Stoßen oder Wegdrücken und einer dadurch verbundenen, räumlichen Trennung bei dem Versuch einen Pass zu fangen (Separation). Meist drückt der Receiver, kurz bevor er sich dreht, um den Pass zu fangen, den Defender mit einer Hand zur Seite, um so einen gewissen Abstand zwischen sich und dem Defender herzustellen.

2.             Laufen durch (Driving Thru) einen Defender, der eine Position auf dem Feld eingenommen hat. Meist wird ein Defender geblockt (weggedrückt), der sich in einer Position befindet, um den sich entwickelnden Offense Spielzug zu beobachten.

KEINE Offense Passbehinderung

Aktionen, die eher NICHT für eine Offense Passbehinderung stehen, können in die nachfolgenden Kategorien eingeteilt werden. Sie sind aber nicht auf diese Kategorien beschränkt:

1.             Es ist keine Offense Passbehinderung, wenn ein Screen Pass hinter der neutralen Zone überworfen ist, aber anschließend jenseits der verlängerten LOS (bis zu drei Meter) landet und die Linemen downfield blocken, außer durch den Block wird verhindert, dass ein Defender den Pass fangen kann.

2.             Es ist keine Offense Passbehinderung, wenn der Defender den Offense Spieler bevor oder gleichzeitig mit dessen Block berührt und der Offense Spieler durch den Block keine räumliche Trennung (Separation) herbeiführt.

3.             Es ist keine Offense Passbehinderung für ein Blocken downfield, wenn der Passer den Ball legal zu Boden oder in eine Zone wirft, in der sich kein Spieler befindet.

Pass-Situationen

1.             Die neutrale Zone wird um einen Meter verlängert, wenn es gilt, zu entscheiden, ob sich ein unberührter Pass jenseits der neutralen Zone befindet. Zum Beispiel, wenn es darum geht, ob der Pass in Bezug auf ein ING die neutrale Zone überquert hat oder nicht.

2.             Die neutrale Zone wird um einen Meter verlängert, wenn es gilt, zu entscheiden, ob sich ein unberechtigter Receiver jenseits der neutralen Zone befindet. Zum Beispiel, wenn ein Offense Lineman ohne Kontakt zu einem Gegner vor einem legalen Vorwärtspass einen Schritt downfield macht.

3.             Im Zweifel ist es ein „Roughing“-Foul, wenn sich Aktionen gegen einen Passer ereignen, bei der es die Absicht des Defenders ist, den Passer einzuschüchtern. Zum Beispiel, wenn der Defender den Passer noch unnötig zu Boden stößt.

4.             Der Quarterback kann den Ball überall hin werfen, wenn er sich nicht unter Druck der Defense befindet und die Uhr keine Rolle spielt.

5.             Befindet sich der Quarterback außerhalb des Körperrahmens der normalen Tackle-Position und wirft den Pass weg, um einen Sack zu vermeiden, hat der Pass im Zweifel die neutrale Zone überquert. Sei nicht zu kleinlich.

6.             Ereignet sich eine Interception in der Nähe der Goalline (innerhalb B’s 1) und es bestehen Zweifel, ob der Pass im Spielfeld oder in der Endzone in Besitz genommen wurde, dann entscheide eher auf einen Touchback.

7.             Wenn der Passer den Pass legal ins Aus wirft, dann bestrafe die Offense nicht für einen Spieler, der sich illegal downfield befindet.

8.             Wenn der Passer den Ball irgendwo im Spielfeld legal wegwirft, dann bestrafe die Offense nicht für einen Spieler illegal downfield, wenn dieser sich innerhalb der verlängerten neutralen Zone (bis zu drei Meter) befindet.

Blocken

1.             Takedowns (zu Boden ziehen) am Point of Attack, die sich im offenen Feld, innerhalb der Tackle Box ereignen und das Spielgeschehen beeinflussen, müssen in diesen Situationen geahndet werden.

2.             Ereignet sich ein mögliches OH, aber die Aktion ist deutlich nicht am Point of Attack und hat keinen (oder könnte keinen) Einfluss auf das Spielgeschehen haben, soll OH nicht geahndet werden.

3.             Ereignet sich ein mögliches DH, aber die Aktion ist deutlich nicht am Point of Attack und hat keinen (oder könnte keinen) Einfluss auf das Spielgeschehen haben, soll DH nicht geahndet werden.
Beispiel: Ein Defense Back hält einen Wide Receiver bei einem geplanten Laufspiel auf der dem Spielgeschehen abgewandten Seite.

4.             Platziert ein Blocker bei einem Block in den Rücken eine Hand an der Nummer (im Rücken) und die andere Hand an der Seite und der ursächliche Kontakt kommt von der Hand an der Nummer, dann sollte ein Foul geahndet werden. Der ursächliche Kontakt könnte nur leicht sein. Ist er jedoch geeignet, den Spieler am Ballträger vorbei zu schieben oder wird dadurch ein möglicher Tackle verhindert, so ist auch ein leichter Kontakt zu ahnden. Kommt der anfängliche Kontakt klar und deutlich von der Seite, liegt kein Foul vor. Verfolgt ein Blocker einen Spieler und ist deutlich hinter ihm, müssen alle Aktion genauso deutlich an der Seite sein.

5.             Wird ein Receiver an seinem Trikot ergriffen und von den Füßen geholt, dann ist das ein DH, wenn andere Kriterien bezüglich Point of Attack zutreffen. Es kann, ebenfalls bei allen zutreffenden Kriterien, auch DPB sein.

6.             Halten kann auch geahndet werden, wenn ein Quarterback letztendlich gesackt wird, da das die andere Hälfte sich aufhebender Fouls sein kann.

7.             Ein illegaler Block in den Rücken kann auch bei einem Fair Catch geahndet werden, aber nicht, wenn der illegale Block sich weit ab vom Spielgeschehen ereignet, wenn der Kick gefangen wird und der Block eher leichter natur ist. Ein Block nach Art eines persönlichen Fouls muss immer geahndet werden.

8.             Blocks von der „blinden“ Seite sind immer persönliche Fouls, auch wenn sie von der Seite, da sie für den Geblockten unerwartet kommen.

9.             Eher selten sind OH bei einem Double Team Block, es sei denn, der Geblockte wird zu Boden gezogen (Take Down) oder der Defender bricht den Double Team Block und wird zurückgezogen.

10.        Bestehen Zweifel, ob sich ein illegaler Block im Spielfeld oder in einer Endzone ereignet, dann ist der Punkt des Fouls eher im Spielfeld.

Kicken

1.             Bei Onside Kickoffs oder bei kurzen, hohen (Pooch) Kickoffs, soll die Restraining Line des Kicking Teams, als „Plane“ betrachtet werden und jeder Spieler, ausgenommen Kicker oder Ballhalter, der diese „Plane“ durchbricht, bevor der Kick durchgeführt wurde, hat ein Offside begangen. Bei langen Kickoffs soll die Restraining Line auch als „Plane“ betrachtet werden, jedoch nicht so kleinlich.

Ballträger am Boden

1.             Im Zweifel war der Ballträger „down“ und hat nicht gefumbelt.

2.             Im Zweifel ist es kein Touchdown.

3.             Ereignet sich ein legaler Kontakt, bevor der Ballträger einen Fuß im Aus hat, ist das ein legaler Hit.

4.             Ein Ballträger, der sich auf seinen Füßen befindet und die Goalline innerhalb der Pylone überquert, wobei der Ball, die über die Seitenlinie hinaus verlängerte Goalline überquert, erzielt einen Touchdown.

5.             Im Zweifel ist ein Ballträger auf die Seitenlinie getreten.

Verschiedenes

1.             Der Ball kann nach einem Ballbesitzwechsel auf eine markierte Meterlinie (sofern alle Meterlinien markiert sind) gelegt werden. Zu allen anderen Gelegenheiten wird der Ball dort platziert, wo er dead wurde (also auch zwischen den Meterlinien).
Ausnahme: Ereignet sich der Ballbesitzwechsel bei einem 4. Down, durch Lauf- oder Pass-Spiel, wird der Ball zu Beginn der neuen Serie am Dead Ball Spot platziert.

2.             Im Zweifel hat ein Quarterback den Pass geworfen und nicht gefumbelt.

3.             5/5 Grundsatz: Im Fall eines Zeitunterschiedes zwischen einer sichtbaren Uhr und der Uhr des Zeitnehmers auf dem Feld, sollte die Uhr korrigiert werden, wenn mindestens 5 Sekunden Unterschied bei mehr als 5 Minuten Spielzeit in einer Halbzeit verbleiben. Innerhalb der letzten beiden Minuten einer Halbzeit sollte jeder Unterschied korrigiert werden. Und jedes Mal, wenn eine Uhr irrtümlich gestartet wurde, beispielsweise bei einem False Start, muss die Uhr sofort korrigiert werden.

Persönliche Fouls

1.             Wird eine Aktion als „Schlägerei“ gewertet, muss der oder die betreffenden Spieler disqualifiziert werden. Im Zweifel ist es keine Schlägerei.

2.             Ereignen sich zu Ende eines Spielzuges Late Hits weit ab des Balles, soll im Zweifel eher auf ein Dead Ball Foul als auf ein Live Ball Foul entschieden werden.

3.             Spucken gegen einen Gegner erfordert eine Disqualifikation.

Euer Hans