American Football Schiedsrichter
Vereinigung Deutschland

- Schiedsrichterlehrwart -

Hans Lämmerhirt - Diepensiepen 3 c - 40822 Mettmann
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Bulletin Dezember 2007

                                                                                        

Hallo Kollegen,

der diesjährige A-Lizenzlehrgang hat stattgefunden und von den 19 Teilnehmern haben 8 bestanden. Als bester hat Sascha Ott aus Berlin 286 Punkte oder 87 % erzielt. Meinen herzlichen Glückwunsch an alle neuen A-Lizenzler.

An die Kollegen, die in diesem Jahr durchgefallen sind, gilt mein Appell, nicht den Kopf hängen zu lassen.

Auch der erste Mechanicslehrgang hat stattgefunden.

Dieser war mit 52 Teilnehmern ziemlich überbesetzt.

Bei den Lehrgängen sind verschiedene Themen angesprochen worden, die einer weiteren Beachtung bedürfen.

Offensichtlich ist bei dem einen oder anderen etwas in den falschen Hals gekommen. Es wurde mir zugetragen, dass es üblich geworden ist, teilweise nicht mehr abzupfeifen. Das geht nicht.

Vielfach wurde argumentiert, dass die Spieler schließlich wüssten, wann der Ball dead wird, da sie ja die Regeln kennen und es deshalb gar nicht nötig sei, abzupfeifen. Oder wenn ein Vorwärtspass deutlich unvollständig sei, muss nicht gepfiffen werden, weil das ja jeder sieht.

Und genau hier liegt der Hund begraben.

Ich möchte keinem Spieler etwas Böses unterstellen, aber bin trotzdem sicher, dass die wenigsten die Regeln so kennen wie die Schiedsrichter. Viele bekommen von ihrem Coach die Direktive, so lange zu blocken, bis abgepfiffen wird. Wenn das, beispielsweise, bei einem langen Vorwärtspass passiert, achten diese Spieler nicht auf den Ball und wissen demzufolge nicht, wann dieser dead wird oder wurde.

Jedes Mal, wenn der Ball dead wird, dann soll zumindest der Schiedsrichter, in dessen Zuständigkeitsbereich der Ball dead wird, abpfeifen. Wichtig ist hier der Begriff „Zuständigkeitsbereich“. Wenn der LM den Forward Progress nimmt, gibt es, bei normalem Spielgeschehen, keinen Grund, warum der FJ auf der anderen Spielfeldseite auch abpfeifen sollte. Gibt es weitere Aktivitäten, die ein Einschreiten anderer Schiedsrichter erfordern, dann muss abgepfiffen werden.

Ein Referee, der sieht, dass ein Ballträger in der neutralen Zone fällt und damit der Ball dead wird und dann von weiter weg einen Pfiff hört, wird zuerst einmal eine Flagge suchen. Wenn es keine Flagge gibt, wird er nach weiteren Gründen suchen, weshalb abgepfiffen wurde. All das stört ihn in seiner Konzentration und in seinem normalen Rhythmus und muss nicht sein.

Offensichtlich hat neben dem „nicht pfeifen“ auch das Anzeigen von Down und Richtung nachgelassen.

Die Schiedsrichter müssen eine Routine entwickeln, die ihnen hilft, sich bei jedem Down auf’s neue auf ihre einzelnen Aufgaben zu konzentrieren. Zu dieser Routine gehören eine Vielzahl von Tätigkeiten und Kenntnissen.

Eine der Kenntnisse ist es, zu wissen, wer in Ballbesitz ist und wie weit es noch zum nächsten First Down ist. Und ein Hilfsmittel, sich immer daran zu erinnern, ist das Anzeigen von Down und Richtung, wenn sich die Offense aus dem Huddle löst.

Vielleicht gibt es den einen oder anderen, der meint, dass er nun erfahren genug ist und diese Kindereien nicht mehr nötig hat. Dem möchte ich sagen, dass gerade dieses Verhalten seine Unzulänglichkeit aufzeigt.

Zu unseren Grundsätzen gehört, dass wir unsere anderen Kollegen unterstützen. Auch durch die Anzeige von Down und Richtung helfen wir unserem Kollegen auf der anderen Spielfeldseite, wenn er aus irgendeinem Grund seine Konzentration verloren hat. Sieht er unser Signal, kommt er wieder in seine Routine und wir haben ihm (und uns) geholfen.

Als der Zweimetergürtel bezüglich der Behinderung beim Fangen eines Kick aus den Regeln genommen wurde, musste eine neue Faustregel gefunden werden, die den Schiedsrichtern half, wann auf eine Behinderung zu entscheiden war und wann nicht. Es wurde offensichtlich eine Faustregel aufgestellt, die besagt, dass es zu keiner Behinderung kommt, wenn ein Receiver den Kick fängt. Auch das hat vermutlich der eine oder andere in den falschen Hals bekommen.

Wenn es zu einer Aktion des Kicking Team kommt, bei der ein Kick Receiver nicht berührt wird und der Receiver fängt den Kick, dann trifft die Faustregel zu.

Wenn es jedoch zu einem Kontakt kommt, dann ist dieser Kontakt ein persönliches Foul. Denkt bitte daran, der Receiver ist ein verteidigungsloser Spieler, der sich auf den nahenden Ball konzentriert. Er sieht nichts anderes als den Ball. Er wird nicht den „Kopf zwischen die Schultern nehmen“, um sich auf einen Kontakt durch einen Gegner vorzubereiten. Er ist einem Kontakt hilflos ausgeliefert. Und deshalb müssen wir ihn schützen. Auch wenn er den Kick fängt. Außerdem wird in den Regeln deutlich ausgeführt, dass es ein persönliches Foul ist, wenn ein Kick Receiver unmittelbar vor oder gleichzeitig mit der ersten Kickberührung durch einen gegnerischen Spieler berührt wird. Da wird mit keinem Wort erwähnt, ob der Kick letztendlich gefangen wird oder nicht.

Um es noch einmal deutlich zu machen.

Kein Kontakt und Receiver fängt Kick -> keine Behinderung.

Kontakt mit dem Receiver, egal ob er den Kick fängt oder nicht, Flagge.

Ein Spielteilnehmer, der disqualifiziert wird, ist von der weiteren Teilnahme am Spiel ausgeschlossen. So sagt es die Definition in Regel 2. Die BSO schreibt vor, dass eine disqualifizierte Person die Teamzone zu verlassen hat.

Sollte eine disqualifizierte Person sich in der Nähe der Teamzone aufhalten und beispielsweise Pöbeln oder Beleidigen, muss beim Heimteammanagment um Abhilfe nachgesucht werden.

Es wird keine weitere Strafe fällig, die die Schiedsrichter verhängen.

Ist das Heimteammanagement nicht in der Lage, die Situation zu bereinigen, sollte der Referee das in einem gesonderten Bericht an seinen zuständigen Obmann niederlegen.

Gleiches gilt, wenn ein disqualifizierter Coach, der die Teamzone verlassen hat, auf irgendeine Art weitere Anweisungen an sein Team gibt. Auch das erfordert „nur“ einen zusätzlichen Bericht.

Es darf kein Trikot getauscht werden, in der Absicht, den Gegner zu täuschen. Das schreibt die Regel vor. Es gibt jedoch keinen Grund, einem Team den Trikottausch zu verwehren, wenn es bestimmte Gründe dafür hat. Verletzt sich beispielsweise ein Offense Lineman und nun ist keine weitere „Line-Nummer“ vorhanden, gibt es keinen Grund, das das Team von nun an in einer illegalen Formation spielen muss. Es kann ein anderer Spieler sein Trikot mit dem verletzten Spieler tauschen und so eine legale Formation herstellen. Das wird zum einen im Spielbericht vermerkt und zweitens wird das gegnerische Team von diesem Umstand unterrichtet. So kann es zu keiner Täuschungsabsicht kommen.

Gleiches gilt, wenn sich ein Receiver verletzt und nun keine weitere „Receiver-Nummer“ mehr verfügbar ist. Eintragung im Spielbericht und Unterrichtung des Gegners.

Allerdings wird kein „hin und her-Wechseln“ des gleichen Spielers erlaubt. Ein einmaliges Wechseln ist in Ordnung. Soll erneut gewechselt werden, dann muss das ein anderer Spieler sein.

Wenn ein Receiver springt, um einen Vorwärtspass zu erreichen, mit dem Ball in seinen Händen landet, wobei der Ball zuerst den Boden berührt, bevor ein anderes Körperteil des Receiver den Boden berührt, dann ist das ein vollständiger Vorwärtspass. Hat der Receiver den Ball nicht unter Kontrolle und der Ball berührt den Boden, dann ist das ein unvollständiger Vorwärtspass.

Sollten Fragen zu den o. a. Themen entstehen oder Anregungen für andere Belange gegeben werden, dann bitte ich mich unter meine Emailadresse anzuschreiben.

Auch ein Eintrag in unserem Diskussionsforum ist möglich.

Jetzt bleibt mir nur noch, Euch und Euren Familien ein frohes Fest, geruhsame Tage und einen guten Rutsch zu wünschen.

Euer Hans