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American Football Schiedsrichter Vereinigung Deutschland Bundesschiedsrichterlehrwart Hans Lämmerhirt (lehrwart<at>afsvd.de) |
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Bulletin September 2007
Hallo Kollegen,
in der letzten Zeit erreichten mich Nachrichten, dass es Probleme mit Coaches in der ein oder anderen Form gegeben hat. Dazu habe ich hier etwas für Euch.
Viel Spaß damit.
Hans
Tipps zur Beendigung einer verbalen Auseinandersetzung
Es liegt in der Natur des Menschen, Zweifel anzumelden. Wenn jemand eines anderen Autorität, Meinung oder Wissen anzweifelt, ist es eine normale Reaktion, eine Verteidigungshaltung einzunehmen oder eine Stellungnahme abzugeben.
Wie lautstark man dann seinen Standpunkt verteidigt, hängt davon ab, wie energisch der andere seine Argumente vorbringt.
Von dir wird nicht erwartet (mancher wird sagen, es ist dir nicht erlaubt) zu argumentieren. In den meisten Fällen solltest du für Kritiken oder Einwände ein taubes Ohr haben, welches die Kommentare abprallen lässt, wie eine Kugel von einer Schussweste.
Das Lernen eines solchen Verhaltens gehört zu den schwierigsten Aspekten der Schiedsrichterei, aber auch zu den wichtigsten.
Im normalen Leben ist es befriedigend für jemanden, bei einer Auseinandersetzung das "letzte" Wort zu haben oder den anderen mit einem Schuss vor den Bug sprachlos zu machen. Wer dieses Verhalten mit auf ein Spielfeld nimmt, wird bald den Ruf eines Klugscheißers haben. Richtig oder falsch, Schiedsrichter sollten über solchen Kleinigkeiten stehen.
Das Absorbieren eines gewissen Anteils der verbalen Attacken gehört zu den normalen Aufgaben eines Schiedsrichters.
Es wäre schön, wenn man genau angeben könnte, wie viel man einstecken sollte, aber das ist nicht möglich. Die Reizschwelle ist von Mensch zu Mensch unterschiedlich.
Das Beste, was du tun kannst, ist eine Argumentation so schnell wie möglich zu beenden, bevor die Aktionen aus dem Ruder laufen.
Ein Hilfsmittel zur Verhinderung von Konflikten ist die Begrüßung des Head Coach und die Vorstellung. "Guten Tag, Coach, mein Name ist ... und ich bin heute auf Ihrer Seite". Der Coach verbindet damit nicht in erster Linie, dass du die Seitenlinie meinst, auf der du dich befindest.
Ein weiteres Hilfskriterium kann sein, dir einen "Get Back" Coach benennen zu lassen. An den kannst du dich wenden, wenn die Seitenlinie überbevölkert ist und du dort nur schlecht arbeiten kannst. Wenn du dann laut sagt: "Coach Meyer-Lüdenscheidt, get back, please" hast du jemanden verantwortlich gemacht, der für dich die Seitenlinie freihält.
Einwände eines Coach sollte man auf keinen Fall ignorieren. Wenn dieser dir etwas mitteilen will, folge weiter dem Spielgeschehen und sage, ohne dich umzudrehen: "Coach, ich habe Sie gehört und komme sofort nach dem Spielzug zu Ihnen." Damit weiß der Coach, das er nicht ignoriert wurde.
Eine Phrase, durch die einem Coach viel Wind aus den Segeln genommen werden kann, ist: "Coach, wenn das tatsächlich so abgelaufen ist, wie Sie es sagen, dann habe ich offensichtlich etwas falsch gemacht."
Das wirkt in den meisten Fällen. Du hast keinen Fehler direkt zugegeben, dich nicht verteidigt oder den Coach ignoriert.
Nur ein Coach, der Spaß daran hat, einen Schiedsrichter zu kritisieren oder einzuschüchtern, wird nach einer solchen Antwort einen Schiedsrichter weiter zu attackieren. Jeder Coach, der die obigen Motive hat, gehört ignoriert zu werden.
Die obige Antwort hilft auch, wenn es um eine Regelauslegung geht. Hier hilft die Fragen an den Coach: "Coach, erklären Sie mir ..."
Dadurch, dass du dem Coach Informationen entlockst, wird du zu demjenigen, der Fragen stellt, also zu der Person, die die Auseinandersetzung kontrolliert. Sobald der Coach seine Interpretation dargelegt hat, kannst du ihm erklären, dass, wenn seine Interpretation korrekt ist, ein Fehler gemacht wurde.
Egal, ob der Grund der Auseinandersetzung eine Regelauslegung oder eine Entscheidung des betreffenden Schiedsrichters ist, es kann sein, dass der Coach von dir verlangt, einen Partner oder Kollegen dazu zu holen, der das Ganze möglicherweise anders gesehen hat. Wenn das der Fall ist, solltest du dieses Verlangen nicht sofort ignorieren. Bist du dir nicht sicher und selbst der Meinung, ein anderer könnte helfen, dann sollte diese Hilfe gesucht werden. Führe dann diese Unterhaltung so kurz wie möglich und außerhalb der Hörweite des Coaches. Wenn die Diskussion vorbei ist, kannst dem Coach erklären, warum du entweder bei deiner Entscheidung bleibst oder die Entscheidung änderst.
Wird die Entscheidung geändert, muss du dafür sorgen, dass der Referee die entsprechende Erklärung auch dem gegnerischen Coach mitteilt.
Es ist keine Schande, einen Fehler einzugestehen. Fehler machen gehört nun mal zu den menschlichen Schwächen. Das Eingestehen eines Fehlers gehört zur Charakterstärke.
Und meistens hat man keinen Fehler gemacht. Hast du deine Aufgaben richtig wahrgenommen und beispielsweise deinen Key vom Snap bis zum "illegalen" Kontakt beobachtet und dafür eine Flagge geworfen, kann es sein, dass du die Berührung an der LOS und das entsprechende Signal des Umpire nicht gesehen hast. Damit hast du keinen Fehler gemacht. Die Flagge wird aufgrund der Regel zurückgenommen.