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American Football Schiedsrichter Vereinigung Deutschland Bundesschiedsrichterlehrwart Hans Lämmerhirt (lehrwart<at>afsvd.de) |
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Bulletin August 2007
Hallo Kollegen,
da bin ich wieder.
Aber, eigentlich war ich ja nie weg. Auch wenn ich mir nicht mehr das gestreifte Hemd übergezogen habe, habe ich trotzdem die Schiedsrichterei in den letzten fünf Jahren nicht aus den Augen verloren.
Ich habe weiterhin am Regelwerk mitgewirkt und in diesem Jahr habe ich, gemeinsam mit
Ich hatte mich auch dazu entschlossen, in NRW wieder bei Lehrgängen zu dozieren, als Peter’s Anruf kam und er mir von Lars’ Rückzug berichtete. Nach intensiver Rücksprache mit meiner lieben Ehefrau habe ich zugestimmt, das Amt des Lehrwartes der AFSVD zu übernehmen. Allerdings werde ich versuchen, mich auf bestimmte Bereiche zu beschränken, da meine Familie ihr Recht fordert. Und ich bin gewillt, ihr dieses Recht voll zu geben.
Ich möchte versuchen, wieder Bulletins zu den Belangen der Schiedsrichter ins Netz zu stellen und damit unsere Position im AFVD zu stärken. Und damit möchte ich heute anfangen.
Nachfolgend ist ein Referat aufgeführt, welches ich in meinen Unterlagen gefunden habe. Es stammt von
Frank hat gemeinsam mit mir, die kommenden Regeländerungen überarbeitet und mit mir versucht, die Fehler im deutschen Regelwerk zu eliminieren.
Ich hoffe, dass uns das gut gelungen ist.
Ich habe fertig
von
Mit Zusatzzeichen ZZ2 (gestreckter Arm mit Faust) signalisiert der zuständige Schiedsrichter, dass er „sein“ Team gezählt hat und dieses genau elf Spieler auf dem Feld hat.
Dies ist nur eine von vielen Aufgaben, die ein Schiedsrichter zwischen den Downs zu erfüllen hat.
Je nach Position und Spielsituation sind dies:
Mit Ausnahme der beiden Flügelschiedsrichter, die sich anschließend über die Formationen verständigen, dürfte Zusatzzeichen ZZ2 in der Regel die letzte Kommunikation zwischen den Schiedsrichtern vor dem Snap sein.
Somit wird mit dem Zeichen nicht nur die Anzahl der Spieler angezeigt. Der betreffende Schiedsrichter zeigt damit auch den Kollegen an, dass er seine anderen Aufgaben erfüllt hat.
Im übertragenen Sinne drückt er damit aus: „Bis hier ist alles in Ordnung. Es kann los gehen. Ich habe fertig“.
Die oben genannten Aufgaben bedeuten das sogenannte „Deadball Officiating“. Also aufmerksam weiter beobachten und kontrollieren wenn der Ball dead ist.
Die Erfüllung der einzelnen Aufgaben mag mitunter kompliziert oder anstrengend sein: den „Forward Progress“ bestimmen, wenn der Ballträger in einer Spielertraube verschwindet (am besten im Bereich einer Goalline); Balltransport nach einem langen unvollständigen Pass ohne Balljungen; eine etwas kompliziertere Strafdurchführung oder die „engagierte“ Stimmung zwischen den Spielern sind nur einige Beispiele.
Trotz aller erforderlicher Aufmerksamkeit der Schiedsrichter bedeuten diese Phasen des Spiels häufig eine Art der Verschnaufpause, wenn auch nur körperlich.
Eine Pause, die der Schiedsrichter für die Vorbereitung auf den nächsten Down verwenden kann und muss. Zweifellos helfen dabei die genannten Aufgaben. Welche Aufgaben speziell der Vorbereitung dienen und welche zum letzten Down „gehören“ ist dabei egal. Jedoch liegt dieser Zeitpunkt deutlich vor der Ballfreigabe, wodurch der Downbeginn entsprechend der Regeln definiert ist.
Aber die Erfüllung dieser formellen Aufgaben reicht bei weitem nicht aus.
Natürlich muss er Down und Distanz kennen und wissen, wo er steht. Jedoch muss er diese Informationen auch interpretieren können. Er sollte wissen, was im Folgenden passieren kann, um darauf vorbereitet zu sein. Dabei darf er sich aber nicht auf spezielle Situationen „versteifen“, um von anderen überrascht zu werden.
Im Mechanic- und GFL-Handbuch sind einige dieser Grundgedanken und Situationen stichwortartig für die einzelnen Schiedsrichterpositionen aufgeführt. Sie beginnen meistens mit: "Beachte, Denke an, etc.“. Aber auch diese Liste muss mit Leben gefüllt werden; man muss sich die Aktionen vorstellen können. Insbesondere ungewöhnliche Handlungen.
Immer wieder wird ermahnt: „Der erste Kick kann ein Onside-Kick sein“. Dann reicht es aber nicht aus, sich auf die entsprechende Restraining Line zu stellen, das Beanbag in die Hand zu nehmen und einfach zu warten. Man sollte sich schon vor dem Kick vorstellen, dass der Kick genau auf einen zufliegt; Spieler beider Teams auf einander zulaufen; der Kick gemufft wird, auf dem Boden rollt; die Teamzone das obligatorische „Holding“ schreit und gegnerische Spieler den Ball gleichzeitig an der Seitenlinie recovern.
Genauso die Schiedsrichter an der Goalline beim Kickoff. Fatal zu denken, deren „Pause“ dauert länger, weil der Kick erst bis dorthin fliegen muss.
Wenn der Kick an B´s 35 ins Seitenaus fliegt, müssen sie den Punkt markieren. Wer dann die Schrecksekunde abwartet „Ups, ist das jetzt ein Foul oder nur eine Violation?. Egal, erst mal hin.“, –der hat schon verloren. Gleichzeitig muss er auch bereit sein, die Entscheidung zu treffen, wenn der Ball gegen den Pylon kullert. Glücklich wer rechtzeitig zumindest einen Schritt zurück ging.
Dead Ball Fouls unmittelbar vor dem Snap (wie z.B. False Start) müssen schnellstmöglich abgepfiffen werden. Dann ist keine Zeit, die Pfeife zu suchen oder zu zögern, weil man ausnahmsweise mehr auf die Defense achtete und durch das Zucken des Offense Spielers überrascht wurde.
Bei Option-Spielzügen laufen zwei Offense Spieler seitlich versetzt mit der Möglichkeit, den Ball zum Mitspieler zu pitchen. Der Pitch selbst darf dann nicht überraschen. Wer dies rechtzeitig bedenkt, kann in aller Ruhe über den Rückpass entscheiden, diesen anzeigen und über den Besitz des evt. freien Balles entscheiden.
Oder der scrambelnde Quarterback, der in Richtung Seitenlinie läuft. Vielleicht sucht er die Lücke um selbst Raumgewinn zu erzielen oder schaut nach einem freien Receiver. Vielleicht sieht er in der Seitenlinie aber auch seine letzte Fluchtmöglichkeit. Wie auch immer. Der Schiedsrichter macht großzügig Platz („Wenn Gefahr für Dich besteht, bleib da weg!“) und hat genug Zeit für seine Gedankenspiele „Wirf schon den Ball! Ich bin bereit zu entscheiden, ob du vorher schon im Aus warst oder die neutrale Zone überquert hast.“ Verlier den Ball! Mein Beanbag ist griffbereit.“ „Lauf selbst! Ich folge Dir locker.“ „Laß dich tackeln! Ich habe den Spot und ich beobachte jede Aktion von dir und gegen dich.“
Die Beispiele lassen sich endlos erweitern und selbst der jährliche 100-Fragentest kann nur eine kleine Auswahl der Möglichkeiten wiedergeben.
Die Einstellung des Schiedsrichters ist immer die gleiche:
Egal was Du machst oder passiert, ich bin bereit entsprechend der Regeln zu entscheiden.
Mit dieser Vorbereitung demonstriert der Schiedsrichter mit Zusatzzeichen ZZ2:
„Ich habe fertig. Mach schon!“.
Und ich glaube ihm.
Und ich glaube ihm auch.
Bis bald
Euer Hans