Bulletin

Juli 2003  

                                                                                        

Hallo Kollegen,

noch rechtzeitig vor Monatsende ein paar Zeilen.

WM 2003
Ich fand die WM rundum gelungen.
Spannende Spiele vor toller Kulisse. Emotional engagierte und disziplinierte sowie starke und schnelle Mannschaften im Kampf um den Pokal.
Für die teilnehmenden Schiedsrichter Jim Briggs, Fereed Adus, Yoshiki Ito, Hiroyuko Sato, Atsuo Tanaka, Olivier Valongo, Serge Monmerque, Jean Perez-Canto, Lars Bernstein, Thorsten Kimpel, Dirk Schrader, Axel Trittmacher, Heinz Sauer, Peter Springwald und mich bleibt es ein unvergessliches Erlebnis.
Auch Dank der zahlreichen ungenannten Schiedsrichterkollegen und Helfer aus den verschiedenen Bundesländern, ohne deren Hilfe die Spiele nicht so gut abgelaufen wären.

Dem versierten Zuschauer wird vielleicht während des Turniers eine ungewohnte Mechanic aufgefallen sein. Dabei wurden bei einem vollständigen Pass in die Endzone zuerst beide Arme gestreckt werden, um dann direkt anschließend mit dem zweiten Signal das eigentliche Ergebnis des Spielzuges, Touchdown oder Touchback, anzuzeigen. Ich konnte mich selbst davon überzeugen, dass diese Mechanic nicht sinnvoll ist. Sie wird in Deutschland definitiv nicht übernommen.

Unabsichtliches Abpfeifen (mit und ohne Foul)
Ein Ball wird dead durch die Regeln (z.B. Ball im Aus, Ballträger am Boden, Pass unvollständig, etc. nach 4-1-3) oder durch das (irrtümliche) Pfeifen oder Signal eines Schiedsrichters (4-1-2). Pfeift also ein Schiedsrichter zu früh ab, wird der Ball sofort dead.
Eigentlich ganz einfach, aber mit weitreichenden Folgen.
Zur Erinnerung nochmals ein Beispiel aus dem vorherigen Bulletin:
A.R. 4-1-2-I. Vierter und 16 an der 50-Meterlinie, Team A kickt. B-1 clipt an Team B’s 40-Meterlinie und B-2 mufft den Kick an der 25-Meterlinie. Während der Ball frei ist, wird irrtümlich abgepfiffen. Regelung: Wenn Team A die Strafe annimmt, wird Team B von der 50-Meterlinie bestraft. Postscrimmage Kick Enforcement ist in diesem Beispiel nicht möglich, da Team A zum Zeitpunkt des Pfiffs noch in Ballbesitz ist (10-2-2e-Ausnahme 3e). Team A’s Ball, First Down und 10 von der 35-Meterlinie. Wenn Team A die Strafe ablehnt, wird der Down wiederholt (Dies ist die Option für das frühe Pfeifen).
Auch hier wieder nach dem Grundsatz: Foul oder frühes Abpfeifen, in dieser Reihenfolge.
Bitte auch folgende Situation beachten: Ein Vorwärtspass fliegt unberührt jenseits der neutralen Zone als abgepfiffen wird. Regelung: Laut Definition hat der Pass die neutrale Zone nicht überquert. Es kann also kein unberechtigt jenseits der neutralen Zone, Passbehinderung, etc. geben.

Verschiedene Situationen
sind in den letzten Wochen aufgefallen und sollen hier kurz aufgeführt werden.

Kein Defense Spieler darf Signale benutzen, die den Startsignalen der Offense ähneln (frei nach 7-1-5a-3). Dies ist ein Dead Ball Foul und wird mit den Signalen 7 und 21 "wie Spielverzögerung" angezeigt. Die älteren Schiedsrichter haben hoffentlich vergessen, das dieser Regelverstoß bis 1997 (NCAA 1996) mit Signal 19 (wie Offside) angezeigt wurde. Ich danke P.G. aus MA. für die Anregung, die entsprechende editoriale Änderung der Regeln zu suchen.

Wenn ein Team seine drei Timeouts einer Halbzeit verbraucht hat, ist jedes Verlangen nach einem weiterem Timeout von diesem Team zu ignorieren (frei nach 3-3-1c). Was aber, wenn der Schiedsrichter doch die Uhr anhält? Wenn er nicht mitgezählt hat oder es im Eifer des Gefechts vergessen hat. Wenn er den Eindruck hat, dass das Team überfordert ist und mehr Zeit braucht. Oder er sich hat täuschen lassen, weil das Team in lässiger Art Zeit verstreichen lässt und keine Anstalten mach, sich zu beeilen.
Dann hat der Schiedsrichter einen Fehler gemacht!
Regeltechnisch wurde nach 3-3-2a-18 die 25-Sekunden-Uhr gestoppt, und der Ball muss erneut freigegeben werden. Mit neuen 25 Sekunden. Sonst nichts.

Roughing Kicker ist der übertriebene Angriff gegen einen Kicker, wenn es offensichtlich ist, dass ein Kick durchgeführt werden soll (9-1-3a). Dagegen ist Roughing Passer der Angriff auf den Passer, wenn der Ball bereits geworfen wurde (9-1-2o).
Von den zahlreichen Unterschieden zwischen beiden Fouls soll hier nur einer erwähnt werden: Wenn der Verteidiger springt während der Pass geworfen wird und er versucht, den Kontakt mit dem Passer abzuschwächen, begeht er kein Foul. Passiert das gleiche analog gegen einen Kicker, ist es ein Foul. Die Regelmacher wollen so den Kicker besser schützen und erwarten, dass der Verteidiger nur den Kick blockt.

Mechanics beschreiben die Aufgaben der einzelnen Schiedsrichter in den verschiedenen Situationen. Seit Jahren sind sie schriftlich festgehalten und für jeden Schiedsrichter verbindlich. Darüber hinaus gibt es Verhalten, die nicht festgeschrieben sind, aber ebenfalls bindend sind.
Festgeschrieben ist in den "Mechanics - Meine Goalline" unter 9-1-4 das Vorstellen der Teams durch die Flügelschiedsrichter. Ebenso üblich und sinnvoll ist das Anzeigen der Flügelleute von Down und Richtung. Diese Zeichen dienen nicht nur der gegenseitigen Kommunikation, sondern auch der eigenen Konzentration.

Bis bald

Frank