Bulletin

Mai / Juni 2003  

                                                                                        

Hallo Kollegen,

diesmal hat es noch was länger gedauert. Dafür auch etwas mehr Text.

Unabsichtliches Abpfeifen und Foul im gleichen Down
Offensichtlich wirft die Handhabung dieser Situation immer noch einige Fragen auf.
Verständlich, denn die Formulierung im Regelbuch (4-1-2-c) scheint auf den ersten Blick nicht eindeutig. Mit den dort genannte Beispielen A.R. 4-1-2-I und II wird es schon klarer.

Zuerst wird nur das Foul beachtet.
Wenn das Foul angenommen wird, wird es entsprechend der Regeln geahndet und es gibt kein unabsichtliches Abpfeifen mehr! Genau dies sagt Regel 4-1-2-c.
Wird das Foul abgelehnt, und nur dann, kommen die Optionen für das frühe Abpfeifen zum Tragen.
Entweder Foul(s) oder unabsichtliches Pfeifen, in dieser Reihenfolge.
Dabei sind einige Fakten zu beachten.
Wenn zuerst das Foul beachtet wird, muss natürlich auch zuerst das gefoulte Team gefragt werden. Nur wenn die Strafe abgelehnt wird, muss evtl. für das frühe Abpfeifen eine weitere Option gestellt werden.
Ich habe vereinfacht oben immer nur von einem Foul gesprochen. Auch bei mehreren Fouls kommt es nur darauf an, ob die Fouls abgelehnt werden.
Beispiel 1. Beide Teams foulen und die Strafen heben sich auf (Offsetting Fouls). Keine Option für den Pfiff, der Versuch wird wiederholt.
Beispiel 2. Beide Teams foulen (Team A vor und Team B nach der Interception). Team B lehnt A´s Foul ab, wird selbst  bestraft und behält den Ball. Keine Option für den Pfiff.
A.R. 4-1-2-I. Vierter und 16 an der 50-Meterlinie, Team A kickt. B-1 clipt an Team B’s 40-Meterlinie und B-2 mufft den Kick an der 25-Meterlinie. Während der Ball frei ist, wird irrtümlich abgepfiffen. Regelung: Wenn Team A die Strafe annimmt, wird Team B von der 50-Meterlinie bestraft. Team A’s Ball, First Down und 10 von der 35-Meterlinie. Wenn Team A die Strafe ablehnt, wird der Down wiederholt (Dies ist die Option für das frühe Pfeifen).
A.R. 4-1-2-II. Vierter und 16 an der 50-Meterlinie. Beim Snap ist B-1 Offside. Team A advanct den Ball bis zu B’s 30-Meterlinie und fumbelt dort. Während der Ball frei ist, wird irrtümlich abgepfiffen. Regelung: Team A kann die Strafe für das Offside ablehnen und den Ball an der 30-Meterlinie ins Spiel bringen (Option für Pfiff); First Down und 10.

Holder auf dem Boden
Der Ball wird dead, wenn der Ballträger mit einem anderen Körperteil als Hand oder Fuß den Boden berührt. Nach dem Motto: Hand on ground is ok.
Ausnahme: Holder (frei nach Regel 4-1-3-b).
Solange sich ein Teamkollege in Position befindet, den gehaltenen Ball zu kicken, bleibt der Ball im Spiel und darf gekickt, geworfen oder getragen werden. Bei diesem möglichen Kick muss es sich um einen legalen Place Kick, also Fieldgoalversuch handeln.
Beispiel 1. Team A versucht ein Fieldgoal von B´s 20. Der Holder bekommt den schlechten Snap nicht unter Kontrolle, erhebt und läuft auf die linke Seite, gefolgt vom Kicker. Kurz vor der neutralen Zone bleibt er stehen, kniet sich und stellt den Ball auf den Boden. Der Kicker kickt. Regelung: Legal, solange er sich hinter der neutralen Zone kniet und ein Teamkollege den Ball kicken kann. Die können auch stundenlang so laufen, um dann den Kick auszuführen.
Beispiel 2. Wieder Fieldgoalversuch. Der Holder fängt den Snap, verliert aber sein Gleichgewicht und fällt auf seinen Hintern. Trotzdem stellt er den Ball auf, den der Kicker kickt. Regelung: Legal, solange der Holder den Ball auf dem Boden kontrolliert.
Beispiel 3. Diesmal Fieldgoal-Fake. Der Holder kniet auf dem Boden, fängt den Snap und stellt den Ball auf. Der Kicker nimmt Anlauf und führt die Kick-Bewegung aus. Der Holder zieht im letzten Moment den Ball weg, zögert einen Moment, steht dann auf und wirft einen Vorwärtspass. Regelung: Legal. Der Ball wird nicht sofort dead, wenn der Fuß des Kickers an der ursprünglichen Position des gehaltenen Ball vorbei schwingt. Die Regel erlaubt speziell den vorgetäuschten Kick und damit auch das verzögerte Aufstehen des Holders.
Beispiel 4. Fieldgoalversuch. Der Snap ist zu hoch. Der Holder muss springen, um den Snap zu fangen. Daraufhin läuft der vermeintliche Kicker nach links und bietet sich als Receiver für einen Pass an. Der Holder bekommt dies nicht mit, fängt den Snap, kniet sich und stellt den Ball auf den Boden. Regelung: Der Ball wird dead, weil sich kein Spieler mehr in Position befindet, den Ball zu kicken.

Bitte beachten:
Diese genannte Ausnahme gilt für den Holder, nicht für den Punter. Kniet sich ein Punter, um den flachen Snap zu fangen oder recovern, wird der Ball sofort dead.

Kommunikation
Schon traditionsgemäß fand am ersten Mai das Treffen zwischen den Referees und den Head Coaches der GFL statt. Leider folgten nicht alle Vereine der Einladung, aber die Resonanz steigt und die Beteiligten äußerten sich positiv über das Treffen.
Hat man doch hier die Möglichkeit Spielzüge zu analysieren, Regelauslegungen zu diskutieren und vor allem, Wünsche und Anregungen für eine erfolgreiche Zusammenarbeit zu geben.
Bei dem Treffen wurde auch von den Coaches bestätigt, dass sich das Verhältnis zwischen Coaches und Schiedsrichtern verbessert hat.

Dazu trägt aber nicht nur ein jährliches Treffen im Mai bei. Hilfreich ist jedes Gespräch zwischen den Coaches und Schiedsrichtern. Vor jedem Spiel ist das Treffen mit den Coaches ein MUSS. Nicht nur, dass der Coach die ordnungsgemäße Kleidung seiner Mannschaft bestätigt. Hier können noch Fragen zu Regeln und Trickspielzügen geklärt werden. Oder Probleme, die beim letzten Spiel auftraten. Oder Wünsche nach einen freien Seitenlinie geäußert werden. Sinnvoll ist auch der Hinweis auf eventuelle Schweigeminuten. Äußerst peinlich, wenn die Schiedsrichter erst beim Coin Toss davon erfahren.
Die Kommunikation darf aber auch nicht während des Spiels enden. Der Coach braucht Informationen, und einige von den Schiedsrichtern. Verbleibende Zeit und Timeouts werden gerne gefragt. Oder Spielernummer bei einem Foul. Selbstverständlich auch das Foul selbst. Zur Kommunikation gehören aber auch Hinweise, die teilweise über die Captains weitergegeben werden.

Wie auch immer die Kommunikation stattfindet, weder ein guter Coach, noch ein guter Schiedsrichter wird sie ablehnen.

 

Bis bald

Frank