AMERICAN FOOTBALL SCHIEDSRICHTERVEREINIGUNG DEUTSCHLAND

- Schiedsrichterlehrwart -

Hans Lämmerhirt - Rathelbeckstr. 264 - 40627 Düsseldorf
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Helm BRD

Oktober 2002

Hallo Kollegen !!!
Nun ist diese Saison auch schon (fast) zu Ende. Der German Bowl liegt hinter uns und ich freue mich, dass die Kollegen auch in diesem Jahr wieder gut gearbeitet haben.
Mein Dank für die gute Zusammenarbeit gilt natürtlich vor allen Dingen der Crew. Diese bestand in diesem Jahr aus:

Referee Dirk Schrader
Umpire Andreas Stehle
LM Miguel Gandoy Bürger
LJ Gerd Kern
BJ Andreas Schlundt
FJ Oliver Schwarz
SJ Gerald Holzvoigt

Diejenigen unter Euch, die sich das Spiel angeschaut haben, werden vermutlich den einen oder anderen Fehler entdeckt haben. Aber Fehler passieren nun mal in jedem Spiel und meiner Meinung nach gibt es kein perfektes Spiel.
Nun steht am kommenden Wochenende noch das Jugendländerturnier in Berlin an und auch da freue ich mich auf die Zusammenarbeit mit den Kollegen aus den anderen 10 Bundesländern. Es macht halt immer wieder Spaß, an einem solchen Event teilnehmen und mit den anderen Kollegen Erfahrungen austauschen zu können.

Für diejenigen, die es bis zum Beginn der nächsten Saison nicht abwrten können, gebe ich nun hier schon einmal die Regeländerungen für die Saison 2003 an. Diese sind noch nicht abschließend, da ich gerüchteweise gehört habe, dass ein Dringlichkeitsantrag gestellt wurde, einen Teil der Änderungen wieder rückgängig zu machen. Da gibt es Bestrebungen, die Beschränkung hinsichtlich der grauen Handschuhe nicht zu akzeptieren.
Ich kann nicht verstehen, dass man sich hier offensichtlich wirtschaftlichen Interessen Einzelner beugt.

Regeländerungen für die Saison 2003

Das NCAA Regelkomitee im Februar 2002 in Indianapolis auf seiner alljährlichen Sitzung nachfolgend aufgeführte Regeländerungen beschlossen. Diese sind in der Reihenfolge ihrer Wichtigkeit aufgeführt. Hier ist die Übersetzung aus dem Referee Magazin, die von John Adams, dem Editor der NCAA kommentiert wurden.

1. Ehrenkodex
Dem Ehrenkodex wurde ein neuer Abschnitt hinzugefügt. Dieser beschäftigt sich mit dem Schutz verteidigungsloser Spieler.

Schutz verteidigungsloser Spieler

Football Spieler sind durchtrainierte Athleten in einem aggressiven Wett-kampf. Trotzdem tragen alle Spieler sowohl für ihr Team als auch gegenüber dem Gegner die Verantwortung, innerhalb der Regeln zu spielen. Entsprechend der körperbetonten Art des Spiels sind Spieler üblicherweise sehr aufmerksam und beachten die Legalität gegnerischer Kontakte. Jedoch erfordern bestimmte Spielsituationen eine erhöhte Aufmerksamkeit. Insbesondere dann, wenn sich Spieler in einer offenkundig verteidigungslosen Situation befinden und für ernsthafte Verletzungen besonders anfällig sind.

Zum Beispiel:

All diese Spieler sind seit Jahren durch die Regeln geschützt und ihre Sicherheit muss für alle Teilnehmer, Coaches und Schiedsrichter höchste Priorität haben. Der absichtliche Kontakt Helm-gegen-Helm ist niemals legal, ebenso jede Art von Schlag direkt gegen den Kopf des Gegners. Verursacher schwerer Fouls müssen disqualifiziert werden.

2. Strafdurchführung für Behinderungen beim Fangen eines Kick ohne Kontakt (6-4-1a)

Das Regelkomitee sah einen ernsthaften Anstieg der absichtlichen Verletzung des Zweimeter-Schutzgürtels um den Receiving Team Spieler bei einem Scrimmage Kick. Einige Mitglieder des Komitees wollten die Strafe auf 15 Meter erhöhen, also der Strafe für die Behinderung beim Fangen mit Kontakt gleich stellen. Das war anderen zu drastisch, da diese Strafe ja faktisch eine 17-Meterstrafe dargestellt hätte. 17-Meterstrafe deshalb, weil die Strafe von dem Punkt geahndet wird, an dem der Verursacher erstmals den Zweimetergürtel verletzt hat. Man einigte sich dann auf die Erhöhung auf 10 Meter, da der durchschnittliche Raumgewinn in der NCAA bei Punts bei 9,9 Yards lag. Übersehen hat man dabei wohl dass diese Strafe nun faktisch eine 12-Meterstrafe darstellt (siehe oben).

Beispiel (A.R. 6-1-4-VI):
Bei einem Scrimmage Kick steht oder dringt ein Team A Spieler jenseits der neutrale Zone in die Zweimeterzone um einen Team B Spieler ein, der in Position ist, den Kick zu fangen. Regelung: Behinderung beim Fangen des Kick. Strafe &endash; 10 Meter vom Punkt des Fouls, der sich dort befindet, wo der Team A Spieler zuerst in die Zweimeterzone eindrang.

3. Schwere persönliche Fouls (2-9-1)

Bei dieser Regel handelt es sich nicht um eine Regeländerung, sondern eigentlich um eine editorale Änderung. Da diese editorale Änderung aber eine Auswirkung auf die Regeln hat, wird sie hier zum besseren Verständnis aufgeführt.

Den Regeln wurde eine neue Definition hinzugefügt. Bislang tauchte der Begriff “schwere" oder “grobe" Fouls (englisch: flagrant) zwar in den Regeln auf, wurde jedoch nirgendwo näher erläutert. Mit der Hinzufügung dieser Definition wurde diese Lücke nun geschlossen. Ein schweres persönliches Foul ist ein Regelverstoß, der vorsätzlich oder so brutal ist, dass ein Gegner der Gefahr einer erheblichen Verletzung ausgesetzt werden könnte.

Adams erläuterte, dass diese Fouls sich häufig, aber nicht ausschließlich gegen “verteidigungslose" Spieler (Kicker, Passer, in der Luft befindliche Receiver, Spieler deren Forward Progress gestoppt wurde oder Spieler, die nicht aktiv am Spielgeschehen teilnehmen) ereignen. Jeder überharte Kontakt gegen einen solchen Spieler, zu denen insbesondere auch illegale Kontakte mit dem Helm zählen, sind schwere persönliche Fouls. Ein schweres persönliches Foul wird mit einer 15-Meterstrafe UND Dis-qualifikation des Verursachers geahndet.

4. Strafen können auf Nachspielperiode übertragen werden (3-1-3g-1)

In den vergangenen Jahren wurden die Regeln bezüglich Strafen bei Extraperioden, insbesondere nach Team Ballbesitzwechseln geändert, die besagten, dass eine Strafe auf den Beginn einer Nachspielperiode übertragen werden konnte. Ereignete sich ein persönliches Foul nach einem Team Ballbesitzwechsel wurde die Strafe durch die Regel aufgehoben.

Hintergrund war, dass alle unentschiedenen Spiele in der NCAA durch das Ausscheidungsverfahren (Regel 3-1-3) entschieden werden. In der BRD gilt das bekanntlich nur für Spiele zum Zweck der Bestimmung eines Meisters einer Liga oder dem Vorankommen eines Teams in einem Turnier oder in Relegationsspielen bezüglich Auf- oder Abstieg einer Liga. Den Coaches (und um die handelt es sich in der Mehrzahl der Regelkomiteemitglieder) war es ein Dorn im Auge, dass ein Team beispielsweise mit einem 1. und 10 von der 40 (anstatt der 25) ihre Serie in der Extraperiode beginnen sollten.

Es wird angestrebt, dass alle Extraperioden an der 25-Meterlinie beginnen. Das Komitee war jedoch der Meinung, dass eine Distanzstrafe bei einer Disqualifikation eines Spielers nicht unbeachtet bleiben darf. Das soll eine deutliche Botschaft senden, dass schwere persönliche Fouls mit der vollen Strafe (Distanzstrafe UND Disqualifikation) geahndet werden.

Daher wurde für die nächste Saison die Regel entsprechend geändert.

Ein schweres persönliches Foul, welches sich nach einem Team Ballbe-sitzwechsel in einer Extraperiode ereignet, fällt nun nicht länger weg, sondern wird zu Beginn der nächsten Extraperiode geahndet. Das gilt nicht für schwere persönliche Fouls, die sich beispielsweise bei einem Try vor einer Extraperiode ereignen.

Beispiel 1:
German Bowl. Team A erzielt einen Touchdown zum 12:12 während die Spielzeit in der vierten Spielperiode auslief. Beim Try blockt Team B den Fieldgoalversuch. B-15 recovert den Kick hinter der neutralen Zone und advanct in A's Endzone. Während B-15 advancte, verursachte B-22 an der 50 ein schweres persönliches Foul. Regelung: Keine Punkte, der Try ist vorüber, B-22 wird disqualifiziert. Die Distanzstrafe fällt gemäß den Regeln weg. Es müssen eine oder mehrere Extraperioden gespielt werden, um den Sieger festzustellen.

Beispiel 2:
German Bowl. Der Spielstand ist unentschieden. Erste Extraperiode. 2. und 6 von der 21. B-17 fängt QB A-12's Vorwärtspass ab und advanct in A's Endzone. Während B-17 advancte, verursachte B-22 an der 50 ein schweres persönliches Foul. Regelung: Keine Punkte, Team A's Serie ist vorüber, B-22 wird disqualifiziert. Die Strafe für das schwere persönliche Foul wird zu Beginn von Team B's Serie geahndet, B's Ball, 1. und 10 von der 40.

5. Wahlmöglichkeit der Strafdurchführung (10-2-2g-1)

Im Verlauf der letzten Jahre wurden die Regeln bezüglich Fouls vom Gegner des punktenden Teams bei Touchdowns derart verändert, dass persönliche Fouls nur beim Try geahndet werden konnten. Es gab also keine echte Wahlmöglichkeit. Entweder wurde die Strafe angenommen (und damit beim Try geahndet) oder sie wurde abgelehnt (was nicht wirklich Sinn machte). Das gefiel einigen Mitgliedern des Regelkomitees nicht. Die Begründung lautete, dass es keinen Sinn macht, ein persönliches Foul nur mit 1,5 Metern (Distanzhalbierung beim Try) zu bestrafen. Bei der Mehrzahl der Tries wird ein Fieldgoalversuch unternommen und bei der Halbierung der Distanz ist das eher ein Nachteil, weil der Winkel für den Kick möglicherweise ungünstiger sein könnte. Daher wurde die entsprechende Regel erneut geändert. Der Teamcaptain des gefoulten Teams kann nun auswählen, ob die Strafe für das persönliche Foul während eines Down, der in einem Touchdown endet, beim Try oder dem anschließenden Kickoff geahndet werden soll. Die Strafe kann nicht auf eine Extraperiode übertragen werden. Wie bei allen Entscheidungen bezüglich der Strafdurchführung gilt auch hier: wurde die Entscheidung einmal getroffen, kann sie nicht mehr rückgängig gemacht wer-den.

Beispiel:
2. und 5 von B's 20. A-32 erhält den Handoff und advanct. An B's 2 ergreift B-12 A-32's Helmgitter und zieht oder dreht daran, kann aber nicht verhindern, dass A-32 in B's Endzone advanct. Regelung: Der Touchdown gilt und Team A's Teamcaptain kann auswählen, ob die Strafe beim Try (Distanzhalbierung) oder dem anschließenden Kick-off (von der 50) geahndet werden soll.

6. Graue Handschuhe (1-4-3c)

Wie im vorigen Jahr bereits angekündigt, müssen Handschuhe oder Handschützer von grauer Farbe sein.

7. Farbliche Helmgitter (1-4-4b)

Um einheitliches Aussehen der Spieler eines Teams zu gewährleisten, sollen Spieler eines Teams Helmgitter gleicher Farbe tragen. Die Art des Gitters bleibt von der Regelung unbenommen.

8. Interviews verboten (1-4-9e)

In der BRD wird diese Regel vermutlich nie oder kaum angewandt werden; der Vollständigkeit halber wird aber hier darauf hingewiesen.

Vom ersten Kickoff bis zum Ende des Spieles ist es Medienvertretern ver-boten, Mitglieder eines Teams zu interviewen. Dieses Verbot gilt nicht für Interviews mit den Coaches während der Halbzeitpause. Es wird zwar keine formelle Strafe für einen eventuellen Verstoß vorgeschrieben, die Schiedsrichter müssen jedoch jeden Verstoß notieren und diesen ihrem Obmann mitteilen.

9. Clipping (9-1-2d-Ausnahmen 3 und 4)

Laut Definition ist ein Clipping ein verbotener, illegaler Block, bei dem die Wucht der anfänglichen Kontaktes von hinten und unter der Gürtellinie erfolgt. Unter gewissen Umständen ist ein Clipping jedoch erlaubt. So zum Beispiel, wenn ein Spieler versucht, einen Fumble, einen Rückpass oder einen Kick zu fangen oder zu recovern oder einen berührten Vorwärtspass zu fangen. In diesen Fällen ist es kein Clipping, wenn der Blocker einen Gegner an oder gegen den Hintern wegdrückt. Jeder Kontakt (auch der mit offenen Händen) unterhalb des Hintern (z. B. Oberschenkel, Knie) ist damit ein Foul.

10. Dead Ball Fouls nach einem Try (8-3-5, 10-1-6)

Wenn sich nach einem Try ein Dead Ball Foul ereignet und der Try aufgrund eines Live Ball Foul während des Try wiederholt wird, muss das Dead Ball Foul ebenfalls bei der Wiederholung des Try geahndet werden. Bisher war es so, dass bei einer derartigen Konstellation nur das Live Ball Foul beim Try geahndet wurde. Das Dead Ball Foul wurde beim anschließenden Kickoff geahndet.

Beispiel 1:
Try von B's 3. Bei einem Zweipunkteversuch läuft A-89 in B's Endzone, drückt dort B-14 weg und fängt den legalen Vorwärtspass in B's Endzone. Nachdem A-89 den Pass gefangen hat, wird er von B-14 am Helmgitter zu Boden gezogen. Regelung: A's Ball, Wiederholung des Try von B's 9. Da Team B vermutlich die Strafe für die Offense Passbehinderung annimmt, muss die Strafe für B-14's Dead Ball Foul vom Succeeding Spot (B's 18) geahndet werden.

Beispiel 2:
Try von B's 3. Bei einem Zweipunkteversuch läuft A-89 in B's Endzone und drückt dort B-14 weg. Der in Richtung A-89 geworfene Vorwärtspass ist unvollständig. Nachdem abgepfiffen wurde, stößt B-14 A-89 zu Boden. Regelung: Der Try ist vorüber. A's Ball, Kickoff von der 50. Da Team B vermutlich A's Foul ablehnen wird, wird die Strafe für B's Dead Ball Foul vom Succeeding Spot (A's 35) geahndet.

Beispiel 3:
Try von B's 3. Beim Snap befindet sich B-99 in der neutralen Zone. Der Fieldgoal-versuch wird abgeblockt und der Kick rollt bis zu B's 8. Kicker A-10 recovert den Kick an B's 12 und wirft einen Vorwärtspass auf A-89, der sich an B's 5 befindet. A-89 advanct in B's Endzone. Nachdem die Schiedsrichter abgepfiffen haben, wirft A-89 den Ball B-12 vor die Füße. Regelung: A's Ball, Wiederholung des Try von B's 16,5. Team A wird wählen, dass die Strafe für das Offside vom Previous Spot geahndet wird. Danach muss das Dead Ball Foul vom Succeeding Spot (B's 1,5 ) geahndet werden.

Der Sinn hinter dieser Regel ist der Grundsatz der Regel 10-1-6. Wenn einem Live Ball Foul durch ein Team ein oder mehrere Dead Ball Fouls (oder Live Ball Fouls, die als Dead Ball Fouls geahndet werden) des Gegners oder des selben Teams folgen, sind die Strafen einzeln und in der Reihenfolge ihres Geschehens zu ahnden.

 

11. In Besitz (2-2-5a)

Ein Spieler erlangt Besitz, wenn er den Ball festhält oder kontrolliert, während er sich inbounds befindet.

Diese editorale Änderung ist auf einen Spielzug im Peach Bowl 2001 zurückzuführen. Ein Defense Spieler fing einen Vorwärtspass ab, während er sich in der Nähe der Seitenlinie in der Luft befand. Bevor er im Aus landen konnte, “warf" er den Ball einem Teamkollegen im Spielfeld zu. Die Schiedsrichter entscheiden auf einen illegalen Vorwärtspass durch die Defense, verhängten eine 5-Meterstrafe vom Punkt des Abwurfes und gaben der Defense den Ball. Durch die o. a. editorale Änderung wird verdeutlicht, dass der Spieler, der sich in der Luft befindet, also noch nicht den Boden berührt hat, während er den Ball in seinen Händen hat, noch nicht in Besitz ist. Um in Besitz zu sein, muss er den Boden des Feldes inbounds berühren. Die Aktion des fliegenden Spielers wird als Wegschlagen gewertet.

Beispiel:
1. und 10 von A's 20. QB A-12 wirft einen legalen Vorwärtspass. B-55 springt an A's 40 hoch, um den Vorwärtspass abzufangen, während er sich in der Nähe der Seitenlinie befindet. Er erreicht den Ball in der Luft und hält ihn in seinen Händen. Bevor er im Aus landen kann, wirft er den Ball in Richtung B-32, der diesen an A's 38 fängt. Dort wird B-32 sofort getackelt. Regelung: B's Ball, 1. und 10 von A's 38. Jeder Spieler, der berechtigt ist, einen Vorwärtspass zu berühren, darf diesen in jede Richtung weg schlagen. B-55's Aktion wird als Wegschlagen gewertet.

Weitere editorale Änderungen können den Regeln und Interpretationen 2003 entnommen werden.

So, das war's für diesen Monat.

P. S.:
Für Fragen, Kritiken und / oder Anregungen habe ich immer ein offenes Ohr, bzw. einen offenen Mailordner.

Bis dann

    Euer Hans