AMERICAN FOOTBALL SCHIEDSRICHTERVEREINIGUNG DEUTSCHLAND

- Schiedsrichterlehrwart -

Hans Lämmerhirt - Rathelbeckstr. 264 - 40627 Düsseldorf
Telefon 0211-202551 Email: laemmerhirt@afsvd.de

Helm BRD

August 2002

Hallo Kollegen !!!
Ich hatte die Gelegenheit an der diesjährigen Jugendeuropameisterschaft in Glasgow aktiv teilnehmen zu dürfen.
Insgesamt nahmen 14 Schiedsrichter aus neun Nationen teil. Die gesamte Woche hat viel Spaß gemacht und einige Erkenntnisse gebracht.

Der Ablauf sah für die Schiedsrichter wie folgt aus:

Freitag, 26.07.2002

Anreise

Samstag , 27.07.2002

Erste Kontaktaufnahmen und Erkundungen der Umgebung.

Sonntag, 28.07.2002

Erster Spieltag

Montag, 29.07.2002

gemeinsame Videoanalyse, Kritik,

Dienstag, 30.07.2002

Zweiter Spieltag

Mittwoch, 31.07.2002

freier Tag. Besuch einer Whisky Destillerie und dem Braveheart-Monument

Donnerstag, 01.08.2002

Morgens Videoanalyse vom zweiten Spieltag, nachmittags dritter Spieltag

Freitag, 02.08.2002

Morgens Shopping, Ausleihen eines Kilt und gemeinsames Foto aller Schiedsrichter in Kilt, nachmittags Videoanalyse vom dritten Spieltag

Samstag. 03.08.2002

Endspieltag, insgesamt drei Spiele hintereinander, abends Abschluß in einer Karaoke-Bar

Sonntag, 04.08.2002

Abreise

Das ist der Ablauf in Kürze. Wie schon erwähnt, wir hatten viel Spaß.

A propos Spaß. Genauso viel Spaß hatten wir bisher auch beim jährlichen Jugendländerturnier in Berlin, das in diesem Jahr vom 19.-20.10.2002 stattfindet. Meldet Euch bei Eurem zuständigen Obmann, falls Ihr mal Interesse habt, dabei zu sein.

Zurück zur Europameisterschaft. Es sind mir dort einige Dinge aufgefallen, die ich hier ansprechen möchte.

  1. Probleme mit der Uhr Nr. 1
    Ich habe es schon an anderer Stelle mehrfach erwähnt.
    Wenn es eine sichtbare Stadionuhr gibt, dann ist diese Uhr die offizielle Zeitnahme für das Spiel. Der Backjudge (Fieldjudge) läßt seine Uhr entsprechend mitlaufen, damit die Stadionuhr korrigiert werden kann, wenn diese läuft, wo sie stehen sollte oder steht, wenn sie laufen sollte. Dann wird die Uhr durch den Referee entsprechend korrigiert. Wenn die sichtbare Stadiouhr vorhanden ist, wird keine Zwei-Minuten-Warnung gegeben. Wenn jedoch der Referee die Uhr zu diesem Zweck anhält, dann sollte er nicht nur das Zeichen (zwei Finger in Richtung jeder Seitenlinie) geben, sondern auch sein Mikrofon benutzen. Probleme gibt es natürlich immer dann, wenn die sichtbare Uhr in der ersten Halbzeit ausfällt. Dann MUSS der Referee persönlich beide Head Coaches von dem Ausfall unterrichten und natürlich die letzten beiden Minuten entsprechend anzeigen. Wird dann in der Halbzeit die Uhr repariert, so dass sie in der zweiten Hälfte wieder einsatzbar ist, müssen auch hiervon beide Head Coaches unterrichtet werden und die Uhr wird für die letzten beiden Minuten nicht mehr angehalten.

  2. Probleme mit der Uhr Nr. 2
    Innerhalb der letzten beiden Minuten jeder Halbzeit spielt die Uhr immer eine Rolle. Angenommen Team A führt in der ersten Halbzeit mit sechs Punkten und es sind noch ca. 50 Sekunden zu spielen, 3. und 10 von A's 20. Team A läßt die 25 Sekunden zwischen Ballfreigabe und Snap verstreichen und wird für eine Spielverzögerung mit einer 5-Meterstrafe belegt. Nun dürfte es für einen Referee keine Frage sein, wie die Uhr zu starten ist. Es ist offensichtlich, dass Team A versuchen will, Zeit zu verbrauchen. Das gilt nicht nur für eine Spielverzögerung, obwohl das die offensichtlichste Art der unfairen Spieluhrtaktik ist. Jedes Dead Ball Foul durch Team A, so zum Beispiel ein False Start, hat den gleichen Effekt wie eine Spielverzögerung. Das ist unfair und daher MUSS der Referee anordnen, dass die Uhr mit dem Snap zu starten ist. Das MUSS er schon bei der Ansage der Strafe mit bekannt geben, damit der Bediener einer sichtbaren Stadionuhr darüber informiert ist.

  3. Probleme mit der Uhr Nr. 3
    Wir Schiedsrichter müssen versuchen, für unsere Aktionen einen bestimmten Rhythmus zu finden. Das gilt beispielsweise auch für die Ballfreigabe und auch gerade in den letzten Sekunden eines Spieles.
    Team A führt mit sechs Punkten, Team B hat keine Timeout mehr und es ist der 1. und 10 von A's 40. Die Uhr steht bei 55 Sekunden und startet mit der Ballfreigabe. Der QB lässt 20 Sekunden verstreichen und nimmt den Snap bei 35 Sekunden an. Er kniet ab und die Schiedsrichter pfeifen ab, während die Uhr läuft. Der Umpire platziert den Ball und geht zurück, während die Uhr bei 25 Sekunden läuft. Wir alle wissen zwar, dass Team A den Ball nicht mehr snappen muss, aber gibt es keinen Grund für die Schiedsrichter nicht in Position zu gehen und den Ball ganz normal freizugeben.
    Es sieht dumm aus, wenn die Schiedsrichter untätig herumstehen würden und darauf warten, dass die Uhr abläuft. Solange Team A noch in seiner Position an der Scrimmage Line ist, sollen die Schiedsrichter in ihrem ganz normalen Rhythmus weiter machen.
    Also in Position gehen, Ball freigeben und beobachten.
    Sollten sich dagegen alle Spieler schon die Hände schütteln, zur Mitte gehen und damit zu erkennen geben, dass das Spiel für sie zu Ende ist, dann sollten auch die Schiedsrichter vom Feld gehen. Dann macht es genauso wenig Sinn, stehen zu bleiben, auf 0:00 zu warten, um dann den Ball hochzuheben, weil allen klar ist, dass das Spiel beendet ist.
    Das Spiel ist nicht für die Schiedsrichter da. Die Schiedsrichter sind für das Spiel und die Spieler da. Daher sollten die Spieler das Spiel beenden und nicht die Schiedsrichter.

  4. Probleme mit der Ausrüstung
    Hey, nun nicht einfach aufhören zu lesen. Ich weiß, das dieses Thema dem ein oder anderen zum Hals heraushängt. Aber trotzdem sollten hier ein paar Dinge beachtet werden. Ein Verstoß gegen die Ausrüstungsvorschriften ist kein Foul. Es ist eine Violation. Wir alle wissen, dass eine Violation ein Regelverstoß ist, für den (eigentlich) keine Distanzstrafe vorgesehen ist. Daher wird für eine Ausrüstungs-Violation auch KEINE Flagge geworfen. Auch dann nicht, wenn das entsprechende Team bereits seine drei Timeout verbraucht hat und nun (wie wir alle wissen) mit einer 5-Meterstrafe belegt wird. Grundsätzlich sollten wir jedoch versuchen, einen Spieler zu warnen, dass seine Ausrüstung nicht korrekt ist, ohne ein Timeout abzuziehen. Erst wenn der betreffende Spieler die Warnung ignoriert, wird abgepfiffen, die Uhr angehalten (ohne eine Flagge zu werfen) und der Referee informiert. Der gibt dann die entsprechenden Zeichen.

  5. Probleme mit der Seitenlinie
    Für eine Behinderung an der Seitenlinie und damit für eine Verwarnung an der Seitenlinie (Sideline Warning) wird im Falle der ersten und der zweiten Verwarnung ebenfalls keine Flagge geworfen.
    Zur Verdeutlichung: eine Behinderung an der Seitenlinie kann es nur dann geben, wenn ein Schiedsrichter, der sich auf oder an seiner Seitenlinie befindet, von irgendjemandem behindert wird, der sich (verbotenerweise) in dem Bereich zwischen Coaching Box und Seitenlinie zwischen den jeweiligen 25-Meterlinien aufhält. Im Gegensatz dazu ist es keine Behinderung an der Seitenlinie, sondern ein unsportliches Verhalten, wenn sich ein Coach ständig auf dem Feld aufhält, ohne dass ihm das von den Schiedsrichtern erlaubt wurde.
    Bei einer Behinderung an der Seitenlinie pfeift der entsprechende Schiedsrichter ab, hält die Uhr an und informiert (verbal) selbst den Head Coach, dass das für sein Team die erste Verwarnung sei. Dabei zeigt er (der entsprechende Schiedsrichter) das zusätzlich mit dem dafür vorgesehene Signal (S15) an. Bei einem weiteren (zweiten) Vergehen pfeift der entsprechende Schiedsrichter ab, hält die Uhr an und unterrichtet nun den Referee. Dieser informiert nun (verbal, persönlich) den Head Coach, dass sein Team die zweite Verwarnung für eine Behinderung an der Seitenlinie erhalten hat und dass eine dritte Verwarnung eine 5-Meterstrafe nach sich zieht. Dabei zeigt der Referee zusätzlich das hierfür vorgesehene Signal (S15) an.
    Bei einer weiteren (dritten) Behinderung an der Seitenlinie wirft nun der "behinderte" Schiedsrichter eine Flagge und eine 5-Meterstrafe wird durchgeführt. Zusätzlich informiert der Referee (verbal, persönlich) den Head Coach, dass jeder weitere Verstoß eine 15-Meterstrafe nach sich zieht.
    Bei einer weiteren (vierten und jede nachfolgende) Behinderung wirft der "behinderte" Schiedsrichter eine Flagge und eine 15-Meterstrafe wird durchgeführt. Nun wurde der Head Coach oft genug informiert und eine weitere Information ist nicht nötig.
    Wichtig ist, dass der erste und der zweite Vorfall sich in der ersten Periode und ein dritter oder vierter in der vierten Periode ereignen könnte. Alle Schiedsrichter (zumindest die, auf der entsprechenden Seitenlinie) müssen sich alle Verwarnungen notieren.
    Grundsätzlich sollte es aber dazu nie kommen, wenn die entsprechenden Schiedsrichter sich vor dem Spiel dem Head Coach vorstellen und ihn nach dem "Get back-Coach" fragen. Das ist ein Teammitglied, der dafür verantwortlich gemacht wird, dass sich alle anderen Teammitglieder in den für sie vorgesehenen Bereichen aufhalten. Treibt es ein Team dann zu bunt, kann der Schiedsrichter den "Get back-Coach" rufen und dieser schickt seine Leute zurück. Damit kommt es erst gar nicht zu den o. a. Verwarnungen.

So, das war's für diesen Monat.

P. S.:
Für Fragen, Kritiken und / oder Anregungen habe ich immer ein offenes Ohr, bzw. einen offenen Mailordner.

Bis dann

    Euer Hans