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AMERICAN FOOTBALL SCHIEDSRICHTERVEREINIGUNG DEUTSCHLAND - Schiedsrichterlehrwart - Hans Lämmerhirt - Rathelbeckstr. 264
- 40627 Düsseldorf |
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Hallo Kollegen !!!
Gestern hatte ich ein Erlebnis bei einem Spiel, welches ich nicht
unkommentiert lassen möchte.
Bei einem entscheidenden Spiel in unserer Region ergab es sich, dass
die bis dahin souveräne Crew nach einem zweiten Down nachmessen
mußte. Das Nachmessen ergab, dass noch kein First Down erzielt
worden war. Der Ball wurde mit der Kette zur nächsten Hash Mark
gebracht und der Referee wollte den Ball zum dritten Down freigeben,
als einer der Schiedsrichter abpfiff. Er zeigte an, dass der zweite
Down gespielt werden müßte. Alle anderen Schiedsrichter
akzeptierten das und es wurde veranlaßt, dass der Downmarker
zurück auf "2" gesetzt wurde. Vor dem "dritten" Down (angezeigt
zweiter) bewegte sich ein Offense Linespieler und der fällige
False Start brachte die Offense fünf Meter zurück. Im nun
folgenden "dritten" (immer noch angezeigt zweiter) wurde die Offense
zurückgedrängt; im "vierten" (angezeigt dritter) wurde kein
Raumgewinn erzielt und so kam es zum fünften (angezeigt vierter)
in dem gepuntet wurde.
Nun, das darf nicht, kann aber passieren.
In der Halbzeit darauf angesprochen, sagte einer: "Mir kam das schon
komisch vor".
Und das ist es, was nicht passieren darf.
Wenn einem irgend etwas komisch vorkommt, dann darf man das nicht
ignorieren.
Wenn es einen Fehler während des Spieles gibt, dann darf man das Spiel nicht mit dem Fehler laufen lassen.
Dabei ist es egal, worum es geht.
Der falsche Down, der falsche Strafdurchführungspunkt, der
falsche Forward Progress Spot oder sonst etwas, was einem "komisch"
vorkommt.
Dem Kollegen, der im vorliegenden Fall den "zweiten" Down angezeigt, hat das eigentlich beherzigt. Er war der Meinung, dass der zweite Down gespielt werden müßte und hat das auch kundgetan. Schade nur, dass die anderen das kommentarlos akzeptiert haben.
Abpfeifen, Uhr anhalten und mit den anderen kommunizieren.
In der Halbzeit oder nach Ende des Spieles ist es zu spät. Dann kann nichts mehr geändert werden.
Man vergibt sich doch nichts, wenn man einen
Fehler zugibt.
Das macht uns doch nur menschlicher.
Die anderen Beteiligten, Coaches, Spieler, Betreuer erkennen an, wenn
man bei einem offensichtlichen Fehler nicht starrsinnig auf seinem
Standpunkt beharrt, sondern einen Fehler zugibt.
Wobei es bei einigen Situationen ja noch
nicht mal ein Fehler ist.
Der FJ erkennt, dass ein Offense Spieler downfield blockt und ein
Vorwärtspass geworfen wird. Als der Pass in der Luft ist, wirft
der FJ seine Flagge. Der FJ geht zum Referee und meldet sein Foul.
Als der Referee sein Vorsignal gibt, kommt der LJ ins Feld gelaufen
und erklärt, dass der Pass die neutrale Zone nicht
überquert hat, sondern hinter der neutralen Zone gefangen
wurde.
Nun zeigt der Referee an, dass die Flagge zurückgenommen wird
und erklärt, dass keine Offense Passbehinderung vorlag, weil der
Vorwärtspass nicht die neutrale Zone überquert hat.
Hat der FJ einen Fehler gemacht??
Nein, er hat seine Aufgabe korrekt wahrgenommen. Das der Pass nicht
die neutrale Zone überquert hat, konnte er von seiner Position
aus nicht erkennen.
Und der LJ hat diesen "Fehler" nicht durchgehen lassen.
Also, als Fazit dieses Fehlers würde
ich mir wünschen, dass es mehr Kollegen gibt, die sich bei
Fehlern melden.
Auch wenn Ihr dann vielleicht als "Meckerhannes" tituliert werden
solltet. Die Hauptsache ist, dass Ihr es richtig macht.
Soviel dazu.
Ich freue mich, dass ich mich nicht immer alleine um das Bulletin kümmern muss und dass auch mal ein anderer einen Artikel geschrieben hat. Daher möchte ich Euch hier "Ich habe fertig" präsentieren.
Mit Zusatzzeichen ZZ2 (gestreckter Arm mit Faust) signalisiert der zuständige Schiedsrichter, dass er "sein" Team gezählt hat und dieses genau elf Spieler auf dem Feld hat.
Dies ist nur eine von vielen Aufgaben, die ein Schiedsrichter zwischen den Downs zu erfüllen hat.
Je nach Position und Spielsituation sind dies:
Mit Ausnahme der beiden Flügelschiedsrichter, die sich anschließend über die Formationen verständigen, dürfte Zusatzzeichen ZZ2 in der Regel die letzte Kommunikation zwischen den Schiedsrichtern vor dem Snap sein.
Somit wird mit dem Zeichen nicht nur die Anzahl der Spieler angezeigt. Der betreffende Schiedsrichter zeigt damit auch den Kollegen an, dass er seine anderen Aufgaben erfüllt hat.
Im übertragenen Sinne drückt er damit aus: "Bis hier ist alles in Ordnung. Es kann los gehen. Ich habe fertig".
Die oben genannten Aufgaben bedeuten das sogenannte "Deadball Officiating". Also weiter schiedsrichtern, beobachten und kontrollieren, wenn der Ball dead ist.
Die Erfüllung der einzelnen Aufgaben mag mitunter kompliziert oder anstrengend sein: den "Forward Progress" bestimmen, wenn der Ballträger in einer Spielertraube verschwindet (am besten im Bereich einer Goalline); Balltransport nach einem langen unvollständigen Pass ohne Balljungen; eine etwas kompliziertere Strafdurchführung oder die "engagierte" Stimmung zwischen den Spielern sind nur einige Beispiele.
Trotz aller erforderlicher Aufmerksamkeit der Schiedsrichter bedeuten diese Phasen des Spiels häufig eine Art der Verschnaufpause, wenn auch nur körperlich.
Eine Pause, die der Schiedsrichter für die Vorbereitung auf den nächsten Down verwenden kann und muss. Zweifellos helfen dabei die genannten Aufgaben. Welche Aufgaben speziell der Vorbereitung dienen und welche zum letzten Down "gehören", ist dabei egal. Jedoch liegt dieser Zeitpunkt deutlich vor der Ballfreigabe, wodurch der Downbeginn entsprechend der Regeln definiert ist.
Aber die Erfüllung dieser formellen Aufgaben reicht bei weitem nicht aus.
Natürlich muss er Down und Distanz kennen und wissen, wo er steht. Jedoch muss er diese Informationen auch interpretieren können. Er sollte wissen, was im Folgenden passieren kann, um darauf vorbereitet zu sein. Dabei darf er sich aber nicht auf spezielle Situationen "versteifen", um von anderen überrascht zu werden.
Im Mechanic- und GFL-Handbuch sind einige dieser Grundgedanken und Situationen stichwortartig für die einzelnen Schiedsrichterpositionen aufgeführt. Sie beginnen meistens mit: Beachte, Denke an, etc.". Aber auch diese Liste muss mit Leben gefüllt werden; man muss sich die Aktionen vorstellen können. Insbesondere ungewöhnliche Handlungen.
Immer wieder wird ermahnt: "Der erste Kick kann ein Onside-Kick sein". Dann reicht es aber nicht aus, sich auf die entsprechende Restraining Line zu stellen, das Beanbag in die Hand zu nehmen und einfach zu warten. Man sollte sich schon vor dem Kick vorstellen, dass der Kick genau auf einen zufliegt; Spieler beider Teams auf einander zulaufen; der Kick gemufft wird, auf dem Boden rollt; die Teamzone das obligatorische "Holding" schreit und gegnerische Spieler den Ball gleichzeitig an der Seitenlinie recovern.
Genauso die Schiedsrichter an der Goalline beim Kickoff. Fatal zu denken, deren "Pause" dauert länger, weil der Kick erst bis dorthin fliegen muss.
Wenn der Kick an B´s 35 ins Seitenaus fliegt, müssen sie den Punkt markieren. Wer dann die Schrecksekunde abwartet "Ups, ist das jetzt ein Foul oder nur eine Violation?. Egal, erst mal hin.", - der hat schon verloren. Gleichzeitig muss er auch bereit sein, die Entscheidung zu treffen, wenn der Ball gegen den Pylon kullert. Glücklich wer rechtzeitig zumindest einen Schritt zurück ging.
Dead Ball Fouls unmittelbar vor dem Snap (wie z.B. False Start) müssen schnellstmöglich abgepfiffen werden. Dann ist keine Zeit, die Pfeife zu suchen oder zu zögern, weil man ausnahmsweise mehr auf die Defense achtete und durch das Zucken des Offense Spielers überrascht wurde.
Bei Option-Spielzügen laufen zwei Offense Spieler seitlich versetzt mit der Möglichkeit, den Ball zum Mitspieler zu pitchen. Der Pitch selbst darf dann nicht überraschen. Wer dies rechtzeitig bedenkt, kann in aller Ruhe über den Rückpass entscheiden, diesen anzeigen und über den Besitz des eventuell freien Balles entscheiden.
Oder der scrambelnde Quarterback, der in Richtung Seitenlinie läuft. Vielleicht sucht er die Lücke um selbst Raumgewinn zu erzielen oder schaut nach einem freien Receiver. Vielleicht sieht er in der Seitenlinie aber auch seine letzte Fluchtmöglichkeit. Wie auch immer. Der Schiedsrichter macht großzügig Platz ("Wenn Gefahr für Dich besteht, bleib da weg!") und hat genug Zeit für seine Gedankenspiele. "Wirf schon den Ball! Ich bin bereit zu entscheiden, ob du vorher schon im Aus warst oder die neutrale Zone überquert hast. "Verlier den Ball! Mein Beanbag ist griffbereit." "Lauf selbst! Ich folge Dir locker." "Laß dich tackeln! Ich habe den Spot und ich beobachte jede Aktion von dir und gegen dich."
Die Beispiele lassen sich endlos erweitern und selbst der jährliche 100-Fragentest kann nur eine kleine Auswahl der Möglichkeiten wiedergeben.
Die Einstellung des Schiedsrichters ist immer die gleiche:
Egal was Du machst oder passiert, ich bin bereit entsprechend der Regeln zu entscheiden.
Mit dieser Vorbereitung demonstriert der Schiedsrichter mit Zusatzzeichen ZZ2:
"Ich habe fertig. Mach schon!".
Und ich glaube ihm.
Frank Tischlinger
So, das war's für diesen Monat.
P. S.:
Für Fragen, Kritiken und / oder Anregungen habe ich immer ein
offenes Ohr, bzw. einen offenen Mailordner.
Bis dann