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AMERICAN FOOTBALL SCHIEDSRICHTERVEREINIGUNG DEUTSCHLAND - Schiedsrichterlehrwart - Hans Lämmerhirt - Rathelbeckstr. 264
- 40627 Düsseldorf |
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Hallo Kollegen !!!
Am letzten Wochenende hatte ich die Gelegenheit, in einem Landesverband an einem Mechaniclehrgang mitzuwirken. Dabei habe ich unter anderem Teile meines Bulletin November 2001 kommentiert.
Da wir uns ja noch am Anfang der Saison 2002 befinden, halte ich es für eine gute Idee, dieses Bulletin noch einmal aufzugreifen und hier zu präsentieren.
Dazu habe ich auch noch einige zusätzliche Anmerkungen zu machen. Diese sind rot markiert.
Nachtrag: Aufgrund einiger Mails habe ich einige Passagen hinzugefügt. Diese sind durch eine Unterstreichung kenntlich gemacht.
Abpfeifen
Ich habe es zwar schon einmal in einem der letzten Bulletins
erwähnt, aber vielfach wird immer noch zuviel abgepfiffen. Einer
der Kollegen sagte mir:"Ich pfeife ja nicht ab, ich pfeife nur mit".
Die Frage ist, wofür? Wenn ich als Referee einem Spielzug auf
die Linejudge-Seite folge und der Linejudge abpfeift, weil der
Ballträger vor seinen Füßen liegt, ist das die ganz
normale Prozedur. Höre ich dann von der Linesman-Seite einen
Pfiff, drehe ich mich um und suche als erstes eine Flagge oder
Spieler, die sich vielleicht noch gegenseitig behaken. Den welchen
anderen Grund hätte der Linesman, um abzupfeifen. Abpfeifen
sollen nur die Kollegen, die auch Leder sehen und damit den Spielzug
stoppen. Auch der Umpire, dessen Aufgabe es ist, das Geschehen vor
dem Ballträger zu überwachen (denn wo sonst ereignen sich
die Fouls um den Point of Attack) sollte so wenig wie möglich
abpfeifen.
Umpire Stand in der Defense
(Hände auf den Knien)
Ich weiß ja, dass es sogenannte "Dangerfreaks" gibt,
also Kollegen, die den Kontakt mit den Spielern suchen, aber
grundsätzlich sollte gerade das möglichst vermieden werden.
ein Umpire (oder Referee), der sich mit seinen Händen auf seinen
Oberschenkeln abstützt, ist nicht mobil genug, um einem Spieler,
der auf ihn zukommt, auszuweichen. Deshalb sollte jeder aufgerichtet,
mit dem Gleichgewicht auf beiden Füßen verteilt stehen, um
jeder Gefahr sofort ausweichen zu können.
Anzeigen eines erfolglosen
Fieldgoalversuches (no score, dann Zusatzzeichen)
Um es noch einmal klarzustellen. Bei
einem erfolgreichen Fieldgoal kommen BEIDE unter (hinter) dem Goal
stehenden Schiedsrichter nach vorne, um den Score anzuzeigen. Bei
einem erfolglosen Fieldgoalversuch tritt nur der Schiedsrichter nach
vorne und zeigt "no score" an, der unter (hinter) dem Pfosten steht,
an dem der Kick vorbeiflog. denn nur dieser Schiedsrichter kann das
entscheiden. Bei einem erfolglosen Fieldgoalversuch reicht es
nicht aus, nur mit dem Zusatzzeichen anzuzeigen, dass der Kick auf
einer Seite vorbei ging. Der Referee, der sich meistens auf den
Kicker (und Ballhalter) konzentriert und anschließend
aufschaut, weiß nicht, was das Ergebnis des Kick war. Deshalb
lieber das "No score"-Zeichen mehrfach wiederholen und danach das
Zusatzzeichen anzeigen. In dieser Zeitspanne hat der Referee meistens
seine Beobachtung des Kickers beendet und schaut auf die Leute unter
dem Tor. Wenn er nun das Zusatzzeichen sieht, kann er sich den Rest
denken.
Signal "untimed
Down"
Vor einigen Jahren wurde in den Schiedsrichtersignalen ein
Signal aufgenommen, dass darauf hinweist, dass ein "untimed Down",
also ein Down gespielt wird, im dem keine Uhr läuft. Dieses
Signal soll grundsätzlich dann angezeigt werden, wenn eine
Spielperiode (Quarter) aus irgendeinem Grund verlängert wurde.
Es soll nicht bei einem Try oder bei einer Nachspielperiode
(Verlängerung) angezeigt werden, da jedem klar sein dürfte,
dass bei einem Try keine Uhr läuft.
Position der Tiefen beim
Punt
Bei einem Punt stellen sich die tiefen Schiedsrichter
(Sidejudge/Fieldjudge) etwa fünf Meter vor, der Backjudge hinter
dem tiefsten Receiver auf. Der Backjudge achtet von seiner Position
auf die anstürmenden Kicking Team Spieler und die Aktionen der
Receiving Team Spieler. Die Tiefen auf den Seiten achten auf das Ende
des Kick (und legen dafür auch ihr Beanbag). Signale des
Receivers, den Zweimetergürtel und Aktionen gegen den Receiver
und des Receivers. Wird der Snap innerhalb Team B's 40-Meterlinie
durchgeführt, stehen ALLE Tiefen an
der Goalline.
Am Pylon oder an der
Seitenlinie "kleben"
Wurde der Forward Progress im Spielfeld gestoppt, sollen
Linesman und Linejudge nicht auf den Seitenlinien stehen bleiben,
sondern bis zum ersten Kontakt (d. h. dort, wo sich Spieler befinden)
ins Spielfeld hinein kommen. Dabei sollen sie
aber nicht über am Boden liegende Spieler springen oder um
Spieler, die ihnren im "Weg" stehen herumlaufen. Durch das Springen
oder Ausweichen kann der entscheidende Zentimeter beim Forward
Progress verändert werden. Deshalb NUR bis zum ersten Kontakt
ins Spielfeld kommen, auch wenn dieser sich ein oder zwei Meter von
der Seitenlinie entfernt ereignet. Dort sollen sie sich dann
den Spielern bemerkbar machen ("Alles klar, ich habe den Spot", "Gib
mir den Ball, ich bin da", "Hier ist der Forward Progress Spot"). Das
verhindert, dass sich die Spieler an irgendwelchen Dead Ball Aktionen
beteiligen. Besonders wichtig ist das in der Nähe einer
Goalline. Wurde der Forward Progress vor der Goalline gestoppt,
sollte der entsprechende Schiedsrichter reingelaufen kommen und
diesen Spot anzeigen. Gleiches gilt für das Erzielen eines
Touchdown. Hier sollen die überwachenden Schiedsrichter nicht am
Pylon kleben bleiben. Aber auch nicht "kopflos"
ins Spielfeld stürmen. Dem Spielgeschehen folgen, den Forward
Progress feststellen, das Umfeld beobachten und dann bis zum ersten
Kontakt ins Spielfeld kommen.
Uhr drehen in der Mitte des
Feldes
Wurde ein Ballträger in der Mitte des Feldes gestoppt,
gibt es keinen Grund, warum die Uhr "weitergedreht" werden solte,
außer sie wurde versehentlich angehalten. Mehrfach wurde
beobachtet, dass der Umpire oder der Referee die Uhr weitergedreht
hat. Solange die Uhr nicht angehalten wird, läuft sie. Das gilt
auch in der Nähe der Seitenlinie. Wurde ein First Down inbounds
in der Nähe einer Seitenlinie gestoppt, reicht es aus, dem
Referee verbal mitzuteilen, dass die Uhr wieder mit der Ballfreigabe
laufen soll. Viele Kollegen konzentrieren sich so auf das Drehen,
dass sie andere Aufgaben, wie die Beobachtung des Geschehens im Aus
oder ihre eigene Sicherheit vergessen.
Deshalb lieber weniger drehen und mehr nach außen schauen.
LM/LJ Position Free Kick
(Goalline)
Vor einem Free Kick stellen sich Linesman und Linejudge auf
ihren jeweiligen Seiten an der Goalline auf. Sobald der Kick in der
Luft ist, sollte nur kurz auf die Richtung des Balles geschaut und
dann auf den oder die Receiver geachtet werden. Sie führen Euch
zum Ball. Es ist einfacher von der Goalline nach vorne zu laufen, als
z. B. von der 10-Meterlinie zurück zur Goalline und
anschließend wieder vorwärts.
LM/LJ auf der Line bleiben
vor dem Pass, erst mit dem Pass downfield.
In einer Fünfer-Crew müssen Linejudge und Linesman
mit ihren Keys downfield gehen, um ein Pass-Spiel zu überwachen.
In einer Siebener Crew können sie sich den Luxus erlauben, etwas
länger auf ihrer Position an der LOS stehen zu bleiben. Hier
können sie abwarten, ob der QB gesackt wird und dann kommt der
Linejudge zurück und übernimmt den Forward Progress am
Punkt des ersten Kontaktes der Defense mit dem QB, während der
Referee bei dem noch weiter zurück gedrängten QB bleibt.
Oder man beobachtet das Ausweichen des QB und dessen Advancen
über die neutrale Zone. Wird aber ein Vorwärtspass
geworfen, dann müssen sie downfield dem Pass hinterher gehen, um
den Forward Progress zu nehmen, wenn der Receiver nach dem Fangen
getackelt wird. Die tiefen Schiedsrichter auf der Seite laufen ja vor
dem Spielgeschehen davon und können den Forward Progress nicht
nehmen.
LM/LJ nicht ins Offense
Backfield gehen beim Motion.
Gerade in Berlin waren Kollegen am Werk, die nicht mehr ganz
so unerfahren waren. Vor einigen Jahren hat man den Anfängern
gelehrt, dass sie sich bei einer Bewegung (Motion) eines Offense
Backs ins Backfield begeben und von dort aus überwachen sollen,
ob die Bewegung legal war. Das ist heutzutage überholt. Stand
man früher im Spielfeld, stehen wir heute auf den Seitenlinie an
der LOS und können auch von dort gut erkennen, ob sich ein
Spieler zu früh downfield bewegt. Dabei sollte die Bewegung nach
vorne offensichtlich sein. Ein leichtes "nach vorne beugen" ist kein
Foul.
Flaggen "dezenter"
tragen
Einige Kollegen trugen ihre Flaggen lang aus der Hose heraus.
Gerade so als wollten sie alle Spieler warnen. "Schaut her, es ist
ein neuer Sheriff in der Stadt, der seine Flagge schneller ziehen
kann als sein Schatten." Wir haben es nicht nötig, die Spieler
durch heraushängende Flaggen einzuschüchtern. Wir wissen wo
unsere Flagge sind. Und vielfach fördert das "Herausfingern" aus
einer Hose und die damit verbundene Verzögerung eher das
Nachdenken, ob die beoachtete Aktion wirklich vollständig
beobachtet wurde oder ob die beobachtete Aktion wirklich einen
Einfluß auf das Spielgeschehen hatte.
Balltransport
Referee
Viele Außenstehende bezeichnen den Referee gerne als
Hauptschiedsrichter. Das trifft aber nicht zu. Der Referee ist ein
Mitglied einer Schiedsrichtercrew, der seine Kollegen nach
außen hin vertritt und deren Entscheidungen bekanntgibt.
Wäre er ein Hauptschiedsrichter, hätte er das Recht, die
Entscheidungen der anderen Kollegen zu überstimmen. Ein guter
Referee nimmt seine Aufgaben wahr. Und wenn er das tut, kann er gar
nicht beoachten, was sich beispielsweise bei einem Backjudge
ereignet. Er muß die Entscheidung des Backjudge akzeptieren und
anzeigen. Viele Referees führen sich leider wie ein
Hauptschiedsrichter auf. Das merkt man besonders beim Balltransport.
Während sich die anderen Schiedsrichter den "Hintern" abwetzen,
um einen Ball zum Succeeding Spot zu bringen, stehen manche Referees
in ihrer Position ohne zu helfen. Wichtiger ist, dass die Kollegen,
die den Forward Progress anzeigen, diesen Spot nicht verlassen und
deshalb muß sich der Referee in den Balltransport einschalten.
Das gilt besonders für feuchtes Wetter.
Die Schiedsrichter sollten alles versuchen, damit die Teams mit einem
trockenen Ball spielen können. Daher müssen "kurze Wege"
zum Umpire gesucht werden und der Ball soll nicht über eine
längere Distanz geworfen werden. Durch einen weiten Wurf kann
der Ball zu Boden fallen und ein trockener Ball, der von einem Team
reingereicht wurde, ist somit wieder unbrauchbar.
Umpire kein Forward
Progress
Wie bereits oben unter "Abpfeifen" erwähnt,
überwacht der Umpire das Geschehen vor einem Ballträger und
sollte deshalb gar nicht in die Gefahr kommen, abzupfeifen. Gleiches
gilt auch für das Anzeigen des Forward Progress. Das sollte er
den Flügelschiedsrichtern überlassen, die einen wesentlich
besseren Blickwinkel haben. Wenn der Umpire dann den Ball plaziert,
soll er sich frontal in einer Höhe mit dem entsprechenden
Kollegen stellen und den Ball zwischen seine Füße
plazieren.
Down anzeigen, beim Ende des
Down (nicht nur Hand hochnehmen)
Wenn der überwachende Schiedsrichter, der den Forward
Progress anzeigt ins Spielfeld kommt, sollte er nicht nur einfach die
Hand in die Höhe strecken. Das tun die Schiedsrichter in der
NFL, weil sie damit anzeigen, dass mit ihrer erhobenen Hand deren
40-Sekundenuhr gestartet wird. Vielmehr soll der überwachende
Schiedsrichter den nächsten Down anzeigen. Damit gibt er dem
Referee außerdem zu verstehen: "Ich habe keine Flagge".
Genaue Zeit bei
"Zweiminuten-Warnung"
Der Referee muß die Coaches informieren, wenn
ungefähr noch zwei Minuten Spielzeit in einer Halbzeit
verbleiben. Dabei soll der Referee die genaue Spielzeit angeben ("Es
verbleibt noch 1:49 Spielzeit in dieser Halbzeit"). Coaches
hören nur das, was sie hören wollen. Erklärt der
Referee: "Das ist die Zweiminutenwarnung. Noch 1:49 zu spielen",
schaltet der Coach nach dem ersten Satz bereits ab und es kann
später zu Konflikten kommen. Bei der Angabe der genauen Zeit
gibt es keine Probleme.
Erklärung bei
Rücknahme einer Flagge
Wird eine Flagge zurückgenommen, soll der Referee nicht
nur einfach das entsprechende Signal anzeigen, sondern erklären,
aus welchem Grund die Flagge zurückgenommen wird.
Beispielsweise: "Es liegt keine Passbehinderung vor, da der Pass vor
dem Kontakt berührt wurde".
Bei Forward Progress stehen
bleiben, nicht zurück gehen.
Football ist ein Spiel, bei dem es auf Zentimeter ankommen
kann. Deshalb muß ein Schiedsrichter, der den Forward Progress
anzeigt, an diesem Punkt stehen bleiben. Er darf nicht mit dem
Ballträger weiter zurückgehen, wenn dieser
zurückgedrängt wird. Am Forward Progress stehen bleiben und
auf das Geschehen beim Ballträger achten. Muß der Spot
dann verlassen werden, weil sich andere Aktionen ereignen, kommt das
Beanbag zum Einsatz. Aber grundsätzlich soll der Forward
Progress Spot durch den Schiedsrichter angezeigt werden.
Touchdown anzeigen durch
Umpire
Wenn der Umpire erkennt, dass der
Ball im Besitz eines Spielers die Plane der Goalline durchbrochen hat
und der Down zu Ende ist, schaut er erst nach außen auf seine
beiden Kollegen an den Seitenlinien. Wenn diese, weil sie kein Leder
sehen konnten, keine Signale geben, dann zeigt der Umpire den
Touchdown an. Aber nur dann. Sieht der den Ball über der
Goalline und von einer Seitenlinie kommt entweder ein
Touchdown-Signal oder einer seiner Kollegen zeigt einen Forward
Progress an, weil ein Ballträger beispielsweise mit einem Knie
am Boden war, bevor der Ball die Plane durchbrochen hat,
läßt er seine Arme unten.
Benachrichtungen durch den
Referee
Zusätzlich zu der im Regelwerk
aufgeführten Benachrichtugnspflicht muß der Referee den
Head Coach informieren, wenn ... :
Measurement
Wenn ein LM oder ein LJ den Forward
Progress nimmt und dann festgestellt wird, dass nachgemessen werden
muss, darf derjenige, der den Forward Progress genommen hat, sich
nicht mehr von diesem Punkt wegbewegen, bis der Umpire kommt und den
Ball festhält. Wird der Forward Progress genommen und der
Spieler liegt in der Spielfeldmitte, sollte der Umpire den Ball zu
dem Kollegen bringen und an ihn übergeben, der den Forward
Progress genommen hat. Dieser plaziert den Ball dann auf dem Boden
und der Umpire hält diesen dort fest.
So, das war's für diesen Monat.
P. S.:
Für Fragen, Kritiken und / oder Anregungen habe ich immer ein
offenes Ohr, bzw. einen offenen Mailordner.
Bis dann