AMERICAN FOOTBALL SCHIEDSRICHTERVEREINIGUNG DEUTSCHLAND

- Schiedsrichterlehrwart -

Hans Lämmerhirt - Rathelbeckstr. 264 - 40627 Düsseldorf
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Helm BRD

November 2001

Hallo Kollegen !!!

mit Ablauf des Monats November 2001 wird die AFSV/NRW Seite eingestellt. Teile der Seite werden durch die Seite der AFSVD aufgefangen. Unter anderem können die Bulletins darüber abgerufen werden.

Ebenfalls können auf der AFSVD-Seite ab sofort die Fragen des 100-Fragentestes und der A-Lizenzprüfung 2001 (und deren Antworten) abgerufen werden.

Anders als in den Vorjahren wurde das Jugendländerturnier in Berlin in diesem Jahr sehr früh gespielt. Das zahlte sich insofern aus, dass wir schönstes Wetter hatten.
Während des Turniers sind mir einige Mechanics der Kollegen aus anderen Ländern aufgefallen, die wir schon seit einigen Jahren so nicht mehr anwenden. Ich muss zwar sagen, dass die Mechanics hauptsächlich auf den Mechaniclehrgängen besprochen wurden. Ich hatte aber die Hoffnung, dass die Kollegen diese dort vermittelten Mechanics auch in den eigenen Verbänden praktizieren und weitervermitteln würden.

Aber nun ja, die Hoffnung stirbt zuletzt sagt ein altes Sprichwort.

Trotzdem möchte ich die Punkte, die mir aufgefallen sind, hier mal aufführen. Es ist mir schon klar, dass die Saison vorbei ist und möglicherweise deshalb diese Hinweise nicht "hängen" bleiben. Ich hoffe aber, dass gerade die Kollegen, die in Berlin dabei waren, sich hier wiedererkennen und aus ihren Fehlern lernen.

Abpfeifen
Ich habe es zwar schon einmal in einem der letzten Bulletins erwähnt, aber vielfach wird immer noch zuviel abgepfiffen. Einer der Kollegen sagte mir: "Ich pfeife ja nicht ab, ich pfeife nur mit". Die Frage ist, wofür? Wenn ich als Referee einem Spielzug auf die Linejudge-Seite folge und der Linejudge abpfeift, weil der Ballträger vor seinen Füßen liegt, ist das die ganz normale Prozedur. Höre ich dann von der Linesman-Seite einen Pfiff, drehe ich mich um und suche als erstes eine Flagge oder Spieler, die sich vielleicht noch gegenseitig behaken. Den welchen anderen Grund hätte der Linesman, um abzupfeifen. Abpfeifen sollen nur die Kollegen, die auch Leder sehen und damit den Spielzug stoppen. Auch der Umpire, dessen Aufgabe es ist, das Geschehen vor dem Ballträger zu überwachen (denn wo sonst ereignen sich die Fouls um den Point of Attack) sollte so wenig wie möglich abpfeifen.

Umpire Stand in der Defense (Hände auf den Knien)
Ich weiß ja, dass es sogenannte "Dangerfreaks" gibt, also Kollegen, die den Kontakt mit den Spielern suchen, aber grundsätzlich sollte gerade das möglichst vermieden werden. ein Umpire (oder Referee), der sich mit seinen Händen auf seinen Oberschenkeln abstützt, ist nicht mobil genug, um einem Spieler, der auf ihn zukommt, auszuweichen. Deshalb sollte jeder aufgerichtet, mit dem Gleichgewicht auf beiden Füßen verteilt stehen, um jeder Gefahr sofort ausweichen zu können.

Anzeigen eines erfolglosen Fieldgoalversuches (no score, dann Zusatzzeichen)
Bei einem erfolglosen Fieldgoalversuch reicht es nicht aus, nur mit dem Zusatzzeichen anzuzeigen, dass der Kick auf einer Seite vorbei ging. Der Referee, der sich meistens auf den Kicker (und Ballhalter) konzentriert und anschließend aufschaut, weiß nicht, was das Ergebnis des Kick war. Deshalb lieber das "No score"-Zeichen mehrfach wiederholen und danach das Zusatzzeichen anzeigen. In dieser Zeitspanne hat der Referee meistens seine Beobachtung des Kickers beendet und schaut auf die Leute unter dem Tor. Wenn er nun das Zusatzzeichen sieht, kann er sich den Rest denken.

Signal "untimed Down"
Vor einigen Jahren wurde in den Schiedsrichtersignalen ein Signal aufgenommen, dass darauf hinweist, dass ein "untimed Down", also ein Down gespielt wird, im dem keine Uhr läuft. Dieses Signal soll grundsätzlich dann angezeigt werden, wenn eine Spielperiode (Quarter) aus irgendeinem Grund verlängert wurde. Es soll nicht bei einem Try oder bei einer Nachspielperiode (Verlängerung) angezeigt werden, da jedem klar sein dürfte, dass bei einem Try keine Uhr läuft.

Position der Tiefen beim Punt
Bei einem Punt stellen sich die tiefen Schiedsrichter (Sidejudge/Fieldjudge) etwa fünf Meter vor, der Backjudge hinter dem tiefsten Receiver auf. Der Backjudge achtet von seiner Position auf die anstürmenden Kicking Team Spieler und die Aktionen der Receiving Team Spieler. Die Tiefen auf den Seiten achten auf das Ende des Kick (und legen dafür auch ihr Beanbag), Signale des Receivers, den Zweimetergürtel und Aktionen gegen den und des Receivers. Wird der Snap innerhalb Team B's 40-Meterlinie durchgeführt, stehen die Tiefen an der Goalline.

Am Pylon oder an der Seitenlinie "kleben"
Wurde der Forward Progress im Spielfeld gestoppt, sollen Linesman und Linejudge nicht auf den Seitenlinien stehen bleiben, sondern bis zum ersten Kontakt ins Spielfeld hinein kommen. Dort sollen sie sich dann den Spielern bemerkbar machen ("Alles klar, ich habe den Spot", "Gib mir den Ball, ich bin da", "Hier ist der Forward Progress Spot"). Das verhindert, dass sich die Spieler an irgendwelchen Dead Ball Aktionen beteiligen. Besonders wichtig ist das in der Nähe einer Goalline. Wurde der Forward Progress vor der Goalline gestoppt, sollte der entsprechende Schiedsrichter reingelaufen kommen und diesen Spot "verkaufen". Gleiches gilt für das Erzielen eines Touchdown. Hier sollen die überwachenden Schiedsrichter nicht am Pylon kleben bleiben.

Uhr drehen in der Mitte des Feldes
Wurde ein Ballträger in der Mitte des Feldes gestoppt, gibt es keinen Grund, warum die Uhr "weitergedreht" werden sollte, außer sie wurde versehentlich angehalten. Mehrfach wurde beobachtet, dass der Umpire oder der Referee die Uhr weitergedreht hat. Solange die Uhr nicht angehalten wird, läuft sie. Das gilt auch in der Nähe der Seitenlinie. Wurde ein First Down inbounds in der Nähe einer Seitenlinie gestoppt, reicht es aus, dem Referee verbal mitzuteilen, dass die Uhr wieder mit der Ballfreigabe laufen soll. Viele Kollegen konzentrieren sich so auf das Drehen, dass sie andere Aufgaben, wie die Beobachtung des Geschehens im Aus vergessen. Deshalb lieber weniger drehen und mehr nach außen schauen.

LM/LJ Position Free Kick (Goalline)
Vor einem Free Kick stllen sich Linesman und Linejudge auf ihren jeweiligen Seiten an der Goalline auf. Sobald der Kick in der Luft ist, sollte nur kurz auf die Richtung des Balles geschaut und dann auf den oder die Receiver geachtet werden. Sie führen Euch zum Ball. Es ist einfacher von der Goalline nach vorne zu laufen, als z. B.: von der 10-Meterlinie zurück zur Goalline und anschließend wieder vorwärts.

LM/LJ auf der Line bleiben vor dem Pass, erst mit dem Pass downfield.
In einer Fünfer-Crew müssen Linejudge und Linesman mit ihren Keys downfield gehen, um ein Pass Spiel zu überwachen. In einer Siebener Crew können sie sich den Luxus erlauben, etwas länger auf ihrer Position an der LOS stehen zu bleiben. Hier können sie abwarten, ob der QB gesackt wird und dann kommt der Linejudge zurück und übernimmt den Forward Progress am Punkt des ersten Kontaktes der Defense mit dem QB, während der Referee bei dem noch weiter zurück gedrängten Qb bleibt. Oder man beobachtet das Ausweichen des QB und dessen Advancen über die neutrale Zone. Wird aber ein Vorwärtspass geworfen, dann müssen sie downfield dem Pass hinterher gehen, um den Forward Progress zu nehmen, wenn der Receiver nach dem Fangen getackelt wird. Die tiefen Schiedsrichter auf der seite laufen ja vor dem Spielgeschehen davon und können den Forward Progress nicht nehmen.

LM/LJ nicht ins Offense Backfield gehen beim Motion.
Gerade in Berlin waren Kollegen am Werk, die nicht mehr ganz so unerfahren waren. Vor einigen Jahren hat man den Anfängern gelehrt, dass sie sich bei einer Bewegung (Motion) eines Offense Backs ins Backfield begeben und von dort aus überwachen sollen, ob die Bewegung legal war. Das ist heutzutage überholt. Stand man früher im Spielfeld, stehen wir heute auf den Seitenlinie an der LOS und können auch von dort gut erkennen, ob sich ein Spieler zu früh downfield bewegt. Dabei sollte die Bewegung nach vorne offensichtlich sein. Ein leichtes "nach vorne beugen" ist kein Foul.

Flaggen "dezenter" tragen
Einige Kollegen trugen ihre Flaggen lang aus der Hose heraus. Gerade so als wollten sie alle Spieler warnen. "Schaut her, es ist ein neuer Sheriff in der Stadt, der seine Flagge schneller ziehen kann als sein Schatten." Wir haben es nicht nötig, die Spieler durch heraushängende Flaggen einzuschüchtern. Wir wissen wo unsere Flagge sind. Und vielfach fördert das "Herausfingern" aus einer Hose und die damit verbundene Verzögerung eher zum Nachdenken, ob die beobachtete Aktion wirklich vollständig beobachtet wurde oder ob die beobachtete Aktion wirklich einen Einfluss auf das Spielgeschehen hatte.

Balltransport Referee
Viele Außenstehende bezeichnen den Referee gerne als Hauptschiedsrichter. Das trifft aber nicht zu. Der Referee ist ein Mitglied einer Schiedsrichtercrew, der seine Kollegen nach außen hin vertritt und deren Entscheidungen bekanntgibt. Wäre er ein Hauptschiedsrichter, hätte er das Recht, die Entscheidungen der anderen Kollegen zu überstimmen. Ein guter Referee nimmt seine Aufgaben wahr. Und wenn er das tut, kann er gar nicht beobachten, was sich beispielsweise bei einem Backjudge ereignet. Er muss die Entscheidung des Backjudge akzeptieren und anzeigen. Viele Referees führen sich leider wie ein Hauptschiedsrichter auf. Das merkt man besonders beim Balltransport. Während sich die anderen Schiedsrichter den "Hintern" abwetzen, um einen Ball zum Succeeding Spot zu bringen, stehen manche Referees in ihrer Position ohne zu helfen. Wichtiger ist, dass die Kollegen, die den Forward Progress anzeigen, diesen Spot nicht verlassen und deshalb muss sich der Referee in den Balltransport einschalten.

Umpire kein Forward Progress
Wie bereits oben unter "Abpfeifen" erwähnt, überwacht der Umpire das Geschehen vor einem Ballträger und sollte deshalb gar nicht in die Gefahr kommen, abzupfeifen. Gleiches gilt auch für das Anzeigen des Forward Progress. Das sollte er den Flügelschiedsrichtern überlassen, die einen wesentlich besseren Blickwinkel haben. Wenn der Umpire dann den Ball plaziert, soll er sich frontal in einer Höhe mit dem entsprechenden Kollegen stellen und den Ball zwischen seine Füße plazieren.

Down anzeigen, beim Ende des Down (nicht nur Hand hochnehmen)
Wenn der überwachende Schiedsrichter, der den Forward Progress anzeigt ins Spielfeld kommt, sollte er nicht simple die Hand in die Höhe strecken. Das tun die Schiedsrichter in der NFL, weil sie damit anzeigen, dass mit ihrer erhobenen Hand deren 40-Sekundenuhr gestartet wird. Vielmehr soll der überwachende Schiedsrichter den nächsten Down anzeigen. Damit gibt er dem Referee außerdem zu verstehen: "Ich habe keine Flagge".

Genaue Zeit bei "Zweiminuten-Warnung"
Der Referee muss die Coaches informieren, wenn ungefähr noch zwei Minuten Spielzeit in einer Halbzeit verbleiben. Dabei soll der Referee die genaue Spielzeit angeben ("Es verbleibt noch 1:49 Spielzeit in dieser Halbzeit"). Coaches hören nur das, was sie hören wollen. Erklärt der Referee: "Das ist die Zweiminutenwarnung. Noch 1:49 zu spielen", schaltet der Coach nach dem ersten Satz bereits ab und es kann später zu Konflikten kommen. Bei der Angabe der genauen Zeit gibt es keine Probleme.

Erklärung bei Rücknahme einer Flagge
Wird eine Flagge zurückgenommen, soll der Referee nicht nur einfach das entsprechende Signal anzeigen, sondern erklären, aus welchem Grund die Flagge zurückgenommen wird: "Es liegt keine Passbehinderung vor, da der Pass vor dem Kontakt berührt wurde".

Bei Forward Progress stehen bleiben, nicht zurück gehen.
Football ist ein Spiel, bei dem es auf Zentimeter ankommen kann. Deshalb muss ein Schiedsrichter, der den Forward Progress anzeigt, an diesem Punkt stehen bleiben. Er darf nicht mit dem Ballträger weiter zurückgehen, wenn dieser zurückgedrängt wird. Am Forward Progress stehen bleiben und auf das Geschehen beim Ballträger achten. Muss der Spot dann verlassen werden, weil sich andere Aktionen ereignen, kommt das Beanbag zum Einsatz. Aber grundsätzlich soll der Forward Progress Spot durch den Schiedsrichter angezeigt werden.

Soweit für diesen Monat.

P. S.:
Für Fragen, Kritiken und / oder Anregungen habe ich immer ein offenes Ohr, bzw. einen offenen Mailordner.

Bis dann

    Euer Hans

 

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