AMERICAN FOOTBALL SCHIEDSRICHTER
VEREINIGUNG DEUTSCHLAND

- Schiedsrichterlehrwart -

Hans Lämmerhirt - Rathelbeckstr. 264 - 40627 Düsseldorf
Telefon und Fax 0211-202551 Email: laemmerhirt@afsvd.de

Helm BRD


September 2001


Hallo Kollegen !!!

es gibt Ereignisse, an denen kann man nicht kommentarlos vorüber gehen.

Zwei dieser Ereignisse haben sich im letzten Monat zugetragen. Aber der Reihe nach.


Eines Abends klingelt das Telefon bei mir zu Hause und jemand berichtet mir von einem Referee, der nach einem Touchdown das weit in Führung liegende Team ermahnt hat, keine Punkte mehr zu erzielen. Sicher hat er das fürsorglich gemeint, damit das unterlegene Team nicht allzusehr seelisch demoralisiert wird. Er drohte dem führenden Team damit, bei jedem Score eine Distanzstrafe für unsportliches Verhalten zu verhängen.
Das führende Team erzielte nun aber beim Try einen regulären Touchdown zu zwei Punkten, den der Referee nicht anerkannte und eine 15-Meterstrafe beim Kickoff verhängte. Bei einer Besprechung mit dem Head Coach beharrte der Referee auf seiner Forderung mit der Begründung, das er als Referee das tun könnte.

Es gibt bestimmte Aktionen, in denen der Referee eine Generalvollmacht hat. Diese Situationen sind in Regel 9-2-3 spezifiziert. Dort heißt es unter c), dass der Referee jede Strafe verhängen kann, wenn sich ein unfairer Akt ereignet, der nicht speziell von den Regeln erfaßt ist.
Dabei haben die Regelmacher aber sicher nicht an ein Team gedacht, das weit in Führung liegend, weitere Punkte erzielt.
Die Erzielung von Punkten ist Ziel jedes Spieles. Und das Team, das mehr Punkte erzielt, ist der Gewinner. Auch das ist in unseren Regeln niedergelegt. Es mag vielleicht unsportlich sein, wenn ein Team den Score hochtreibt, aber es ist nicht verboten und kann dann auch nicht bestraft werden.

Über den betreffenden Schiedsrichter wird der Bundesschiedsrichterausschuß auf seiner nächsten Sitzung zu entscheiden haben.


Es gehört zu unseren Grundsätzen, dass ein Schiedsrichter jede Aktion unvoreingenommen zu beuteilen hat. Er darf sich nicht von seinen Gefühlen leiten lassen, sondern muß seinem Status gemäß neutral handeln.

Bei einem Spiel wird ein Schiedsrichter von einem Spieler umgerannt.
Das gehört zu den Gefahren unseres Sports und nicht von ungefähr habe ich auf vergangenen Mechaniclehrgängen darauf hingewiesen und auch entsprechende Videoclips gezeigt. Manch einem kam mein "... wenn eine Gefahr besteht, dann bleib da weg ..." schon aus den Ohren raus.
So etwas kommt in der Regel vor, wenn ein Schiedsrichter nicht aufpaßt. In meinen bisher mehr als 500 Spielen ist es mir auch schon das ein oder andere mal passiert und jedesmal war es mein Fehler.
Nun hat es einen Vorfall gegeben, bei dem das passiert ist.
Der "umgerannte" Schiedsrichter meinte während seines Sturzes gehört zu haben, dass der ihn umrennende Spieler eine Äußerung gemacht haben soll, wodurch eine Absicht zu erkennen war. Der Schiedsrichter erkannte selbst auf unsportliches Verhalten und das Team wurde mit einer Strafe wegen unsportlichen Verhaltens bestraft. Das Problem an der Sache war jedoch, dass der gefalle Schiedsrichter sich über den Verusacher offensichtlich nicht im Klaren war. Aber damit die ganze Sache auch rund wird, wurde dann irgend ein anderer Spieler dieses Teams, der in der Nähe stand, disqualifiziert.

Ich kann verstehen, dass man sich nicht besonders gut fühlt, wenn das ganze Stadion schadenfroh applaudiert. Aber zu unseren Grundsätzen gehört, dass ich niemanden bestrafen kann, der nichts gemacht hat. Wenn ich mir nicht sicher bin, lasse ich meine Flagge stecken und schlucke meinen Ärger runter.
Das ist hier nicht passiert und nun beschwert sich das betreffende Team über den Kollegen.

Ich möchte aber auch nicht verhehlen, dass ich es merkwürdig finde, dass ein Team, welches bisher, aus welchen Gründen auch immer, noch nie ein Video eingeschickt hat, nun ein Video herausgibt.
Muß es also erst immer einen Grund wie diesen geben, damit wir an Videomaterial kommen?

Wir haben immer von den Teams Videos gefordert, damit wir unsere Fehler entdecken und diese abstellen können.

Die Videos, die wir in den vergangenen Jahren bekommen haben, wurden zumeist aufgrund guter Kontakte zu dem einen oder anderen Vereinsangehörigen besorgt und ich kann mit Recht behaupten, dass durch diese Videos eine Menge Fehler abgestellt wurden.
So kommt es beispielsweise heutzutage kaum noch vor, dass die tiefen Schiedsrichter auf einen Ballträger warten, sondern vor dem Spielgeschehen bleiben. Oder die Unart des "Domino Schiedsrichters" wurde nahezu abgeschafft.
Auch in andern Bereichen trifft das zu und unsere Mechanis haben sich bundesweit verbessert.
Es kommt natürlich immer noch zu individuellen Fehlern, wie die o. a. aufgeführten Situationen, doch diese sind selten.
Aber wir arbeiten zumindest daran, diese weiter zu verhindern.


Nachfolgend möchte ich Euch über "Kontakte, die keine Passbehinderung sind" informieren. Diese Kontakte richten sich gegen berechtigte Receiver. In diesem Zusammenhang möchte ich auch darauf hinweisen, dass es keine "5-Meterzone" für einen berechtigten Receiver gibt. Die angesprochene Zone gilt in der NFL und nicht bei uns.


Kontaktfoul - keine Defense Passbehinderung

Übersicht

 

 


Weitere Grundsätze

 


Beispiele

Außer wenn ausdrücklich erwähnt, gilt für die nachfolgenden Beispiele:

  1. B-28 hält den berechtigten A-88 fest. Der Pass ist nicht fangbar für A-88. Regelung: 10 Meterstrafe vom Previous Spot, First Down.
  2. B-56 gerät versehentlich in A-86's Helmgitter. Der Pass ist nicht fangbar für A-86. Regelung: 5-Meterstrafe vom Previous Spot, First Down.
  3. B-44 hält den berechtigten A-83 jenseits der neutralen Zone fest, nachdem der Pass geworfen wurde. Der Pass ist fangbar für A-83. Regelung: Defense Passbehinderung.
  4. B-44 hält den berechtigten A-83 jenseits der neutralen Zone fest, bevor der Pass geworfen wurde. Der Pass ist fangbar für A-83. Regelung: 10-Meterstrafe vom Previous Spot, First Down.
  5. B-44 hält den berechtigten A-83 hinter der neutralen Zone fest. Der Pass wird auf A-87 geworfen. Regelung: 10-Meterstrafe vom Previous Spot.
  6. B-35 hält A-76 fest, bevor durch den vollständigen Pass auf A-84 sechs Meter Raum-gewinn erzielt wird. Regelung: 10-Meterstrafe vom Previous Spot. Kein automatischer First Down, A-76 ist kein berechtigter Receiver.
  7. B-35 hält A-88 fest, der vom berechtigten A-27 an der Scrimmage Line "gecovert" war, bevor durch den vollständigen Pass auf A-27 sechs Meter Raumgewinn erzielt wird. Regelung: 10-Meterstrafe vom Previous Spot. Kein automatischer First Down, A-88 ist kein berechtigter Receiver.
  8. B-76 hält den berechtigten A-81 fest. Der Pass wird hinter der neutralen Zone abgefälscht. Der Pass wäre jenseits der neutralen Zone fangbar gewesen, wenn A-81 nicht festgehalten worden wäre. Regelung: 10-Meterstrafe vom Previous Spot. Kein auto-matischer First Down. Der Pass hat die neutrale Zone nicht überquert.
  9. B-46 blockt den berechtigten A-42 hinter der neutralen Zone, als dieser sich nach dem fangbaren Pass streckt. Regelung: Kein Foul.
  10. B-46 tackelt den berechtigten A-42, als dieser sich nach dem Pass streckt. Der Pass überquert nicht die neutrale Zone. Regelung: 10-Meterstrafe vom Previous Spot. Kein automatischer First Down. Der Pass hat die neutrale Zone nicht überquert.
  11. B-54 hält den berechtigten A-83 fest. QB A-15 wird hinter der neutralen Zone gesackt. Regelung: 10-Meterstrafe vom Previous Spot. Laufspiel.
  12. B-54 hält den berechtigten A-83 fest. QB A-15 advanct jenseits der neutralen Zone. Regelung: 10-Meterstrafe vom Ende des Laufes. Laufspiel.
  13. B-54 hält den berechtigten A-83 fest. QB A-15 advanct zu einem Touchdown, während die Spielzeit in der ersten Halbzeit ausläuft. Regelung: Touchdown. Die Distanzstrafe wird durch die Regel aufgehoben, da es kein persönliches Foul war. Nach dem Try ist Halbzeit. Die Periode wird nicht verlängert.
  14. QB A-18 wirft einen vollständigen Vorwärtspass für sechs Meter Raumgewinn. Während der Pass in der Luft ist, gerät B-64 versehentlich in QB A-16's Helmgitter. Rege-lung: 5-Meterstrafe (sofern akzeptiert) vom Previous Spot. Kein automatischer First Down. A-18 ist kein berechtigter Receiver. A-18 wurde nicht gerought. A-18 kann nicht gleichzeitig Passer und Receiver sein.
  15. QB A-18 wirft einen vollständigen Vorwärtspass für sechs Meter Raumgewinn. Wäh-rend der Pass in der Luft ist, zieht B-64 an QB A-16's Helmgitter. Regelung: QB A-18 wird gerought. Die 15-Meterstrafe wird vom Ende des letzten Laufes geahndet. First Down.
  16. QB A-18 pitcht einen Rückpass auf A-47. A-47 wirft einen vollständigen legalen Vor-wärtspass zu einem Raumgewinn. Während A-47's Pass in der Luft ist, gerät B-64 ver-sehentlich in QB A-18's Helmgitter. Regelung: 5-Meterstrafe (sofern akzeptiert) vom Previous Spot. First Down. A-18 ist ein berechtigter Receiver.
  17. B-56 gerät versehentlich in A-71's Helmgitter. Der Pass ist unvollständig. Regelung: 5-Meterstrafe vom Previous Spot. Kein automatischer First Down. A-71 ist kein berechtigter Receiver.


Soweit für diesen Monat.

P. S.:
Für Fragen, Kritiken und / oder Anregungen habe ich immer ein offenes Ohr, bzw. einen offenen Mailordner.

Bis dann

    Euer Hans

 

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