AMERICAN FOOTBALL SCHIEDSRICHTER
VEREINIGUNG DEUTSCHLAND

- Schiedsrichterlehrwart -

Hans Lämmerhirt - Rathelbeckstr. 264 - 40627 Düsseldorf
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Helm BRD


Juli 2001


Hallo Kollegen !!!

manchmal ist es doch komisch. Da erzählt mir ein Kollege, ohne Namen zu nennen, dass es Linesmen gibt, die es zulassen, dass die Kettencrew einen neuen First Down an der hinteren Linie, also ca. 2 Meter von der Seitenlinie entfernt einrichten. Also schreibe ich das in Peter Springwald's GFL "News" und schon outet sich die entsprechende Person, in dem sie bei Peter anruft.
Ich denke, manchmal ist es doch besser, sich einfach ans Mechanicbuch zu halten. Es hat natürlich einen Sinn, weshalb das Einrichten auf der Seitenlinie passieren soll.
Zum einen ist das genauer. Bei einigen Stadien ist die zweite Linie mehr als zwei Meter weg und da kann einer, wenn er ein wenig schief guckt, den Clip doch ungenau plazieren.
Zum zweiten ist Vertrauen zwar gut, aber Kontrolle ist besser. Der Linesman ist verantwortlich für die Kontrolle der Kettencrew. Und er kann sie nicht kontrollieren, wenn diese zwei Meter hinter ihm agiert. Solange der First Down auf der Seitenlinie eingerichtet hat, kann der Linesman hin und wieder einen Blick darauf werfen. Dann sieht er zum Beispiel auch, ob der Clip am Schnittpunkt der Linie befestigt wird.
Wir alle wissen, dass Football ein Spiel "um Zentimeter" sein kann. In der Regel geht ja meistens alles glatt. Aber wenn nachgemessen werden muß und der Linesman nimmt die Kette am Clip in die Hand, muß er sicher sein, dass der Clip auch entsprechend befestigt worden war. Wurde der Clip in der Mitte der Linie plaziert, anstatt außen am Schnittpunkt, kann das den bewußten Zentimeter kosten. Grundsätzlich muß man davon ausgehen, dass die Kettencrew unparteiisch ist, aber Vertrauen ...
Ich hoffe, es ist jetzt jedem deutlich und in der Zukunft wird der First Down auf der Seitenlinie eingerichtet.

Es gibt immer wieder Probleme mit einem versehentlichen Abpfeifen. Damit meine ich nicht, dass Pfeifen selbst. jeder der schon einmal irrtümlich abgepfiffen hat, wird wissen, wie besch... man sich fühlt, wenn der Pfiff raus ist, obwohl es nicht der passende Zeitpunkt war.
Offensichtlich kennen einige nicht die entsprechenden Regeln, was zu tun ist, wenn der Pfiff nun mal da ist.
Dazu ein kleines Beispiel.
Free Kick von A's 35. Der Kick wird an B's 15 gefangen und advanct. Der Ballträger wird getackelt und fumbelt. Während der Ball auf dem Boden rollt, pfeift der hinter dem Ballträger laufende Referee ab. Ohne mit den anderen Schiedsrichtern zu sprechen, erklärt der Referee, ohne mit dem fumbelnden Team gesprochen zu haben, dass der Free Kick wegen des irrtümlichen Abpfeifens wiederholt wird.
Nun wissen wir, dass es keine Wahlmöglichkeiten für die Teams gibt, wenn irrtümlich abgepfiffen wird, während der Status des Balles ein Kick oder ein Pass ist. Hier jedoch muß dem fumbelnden Team die Wahl gelassen werden, ob es den Free Kick wiederholen lassen will oder den Ball am Punkt des Fumble mit einem First Down übernehmen will.
Ich möchte hier dem Referee nicht die alleinige Schuld an dem Fehler geben. Offensichtlich hatte auch keiner der anderen Schiedsrichter eine andere Meinung, sonst wäre es nicht zu erklären, dass der Free Kick danach auch durchgeführt worden ist.
Liebe Kollegen, es gibt keinen Grund, einen gemachten Fehler auf Biegen und Brechen laufen zu lassen. Dem Crewmitglied, dem etwas komisch vorkommt, soll sich sofort melden. Dann kann unter Umständen der Fehler noch korrigiert werden. Wenn einer in der Halbzeit ankommt und sagt: "Ähh, hätten wir da nicht..." ist es zu spät.

 

Das Jugendländerturnier rückt näher. Auch in diesem Jahr werden die Schiedsrichter wieder zentral untergebracht. Da das Turnier in diesem Jahr auf drei verschiedenen Plätzen ausgetragen wird, gibt es gute Hoffnung, dass am Ende des Tages ein klein wenig mehr Zeit für gemeinsames Beisammensein sein wird.
Auf jedem Platz werden dann 10 Schiedsrichter tätig sein, so dass in diesem Jahr insgesamt 30 Schiedsrichter benötigt werden. Das bedeutet, dass man auch über sein Kontingent von drei Schiedsrichtern zusätzliche Kollegen mitbringen könnte. Auch hier bitte ich um entsprechende Meldungen, da ich mit dem Berliner Verband die Anzahl der Zimmer abstimmen muß. Also, bitte schnellstens melden.

Soweit dazu.

Nun ein kleiner Exkurs durch die Regeln bezüglich eines Downverlusts.



Downverlust


Beispiele zum Downverlust

  1. 2. und 7 von A's 44. A-88 fängt einen legalen Vorwärtspass an B's 48, wo er zu Boden ge-bracht wird. A-88, der vor dem Snap an der LOS durch A-29 gecovert war, stieß B-46 aus dem Weg, bevor er den Pass fing. Regelung: Wird die Strafe für die Passbehinderung ange-nommen, ist es A's Ball, 2. und 22 von A's 29; wird die Strafe für das illegale Berühren eines Vorwärtspass gewählt, ist es A's Ball, 3. und 12 von A's 39.
  2. B-36 fängt an B's 47 einen legalen Vor-wärtspass von A-14 ab und übergibt an B's 29 den Ball nach vorne an B-47. B-47 advanct bis zu A's 43, wo er zu Boden gebracht wird. Regelung: B's Ball, 1. und 10. von B's 24. Ein Downverlust trifft nach einem Ballbesitzwechsel nicht zu.
  3. 3. und 12 von A's 38. A-83 tritt auf die Seitenlinie, kommt ins Spielfeld zurück und läuft in der Nähe der Seitenlinie eine Passroute. B-48 blockt A-83, als dieser an B's 44 im Begriff ist, den Pass zu fangen. Der Pass ist unvollständig. Regelung: 4. und 12 von A's 38. Illegales Berühren eines Vorwärtspass durch A-83, da dieser freiwillig ins Aus ging. Daher auch keine Passbehinderung, weil A-83 seine Passberechtigung verlor.
  4. 4. und 12 von A's 38. Punter A-9 mufft den Snap. Er tritt an A's 32 den am Boden rollen-den Ball weg. B-45 recovert den Ball an A's 49 und advanct ihn bis zu A's 40, wo er zu Boden fällt. Regelung: B's Ball, 1. und 10 von A's 16. Der Scrimmage Kick befindet sich hinter der neutralen Zone und damit ist es ein Downverlust.
  5. 4. und 12 von A's 38. Der Punt von A-9 wird geblockt, über quert aber trotzdem die neutrale Zone. A-99 tritt danach den auf dem Boden rollenden Ball an A's 42 weg. B-45 recovert den Ball an A's 49 und advanct ihn zu A's 31. Regelung: B's Ball, 1. und 10 von A's 31. Team B lehnt die Strafe, die vom Previous Spot, ohne Downverlust geahndet werden würde ab und übernimmt den Ball am Dead Ball Spot. Kein Downverlust, weil der Scrimmage Kick sich jenseits der neutralen Zone befand.
  6. 4. und 12 von A's 38. Der Punt von A-9 wird geblockt. Der Ball rollt zurück, als A-9 den Ball an A's 18 nach vorne wegschlägt. Der Ball rollt an A's 23 ins Aus. Regelung: B's Ball von A's 9, 1. und Goal.
  7. 4. und 12 von A's 38. A-9's Punt rollt an B's 29, als A-88 den Ball nach vorne und an B's 17 in Aus wegtritt. Regelung: Team B's Captain kann wählen: A's Ball, 4. und 27 von A's 23 oder B's Ball, 1. und 10 von B's 17.
  8. 4. und 11 von B's 43. A-17 advanct zu B's 16, wo er versucht, einen Rückpass zu werfen. Der Ball geht jedoch vorwärts und prallt an B's 14 auf den Boden. Regelung: A's Ball, 1. und 10 von B's 21. In dieser Spielsituation spielte die Spielzeit keine Rolle.
  9. 4. und 11 von B's 43. Es steht 6:8 für Team B. A-17 advanct zu B's 36, wo er den Ball rückwärts ins Aus wirft, um die Uhr anzuhalten. Die Uhr bleibt bei zwei Sekunden stehen. Regelung: B's Ball, 1. und 10 vom B's 41.
  10. 4. und 11 von B's 43. A-6 fängt einen hohen Snap und läuft nach außen, um den an-stürmenden Defendern auszuweichen. A-6 puntet schließlich von B's 41. Regelung: Der Ball wird mit dem Kick dead. B's Ball, 1. und 10 von B's 48. Die Strafe wird vom Previous Spot geahndet.
  11. 4. und 11 von B's 43. QB A-17 nimmt den Snap und legt den Ball an B's 46 auf den Boden. A-68 dreht sich, nimmt den Ball auf und advanct zu B's 27. Regelung: A-68 darf im vierten Down keinen Fumble tragen, wenn er nicht der Fumbler war. Da der Ball sofort dead wird, wenn A-68 ihn in Besitz nimmt, liegt kein Foul vor. B's Ball, 1. und 10 von B's 46.
  12. 3. und 11 von B's 43. QB A-17 nimmt den Snap und legt den Ball an B's 46 auf den Boden. A-68 dreht sich, nimmt den Ball auf und advanct zu B's 27. Regelung: A-68 darf den Fumble zwar tragen, aber es ist ein Foul, wenn er einen geplanten freien Ball in der Nähe Snapper advanct. Die Strafe wird vom Previous Spot geahndet. A's Ball, 4. und 16 von B's 48.
  13. 4. und Goal von B's 4. Team A stellt sich zu einem Fieldgoalversuch auf. Ballhalter A-4 fängt den Snap und flippt den Ball hoch und seitlich nach hinten. Kicker A-8 schlägt den fliegenden Ball von B's 11 vorwärts in B's Endzone, wo A-63 den Ball recovert. Regelung: Kein Downverlust. A's Ball, 4. und Goal von B's 26. Wird die Strafe abgelehnt, ist es ein Touchdown.
  14. 2. und 12 von A's 4. A-14 wirft von seiner Endzone einen Vorwärtspass. A-86, der freiwillig ins Aus gelaufen war, fängt den Pass im Spielfeld und läuft an A's 23 ins Aus. Es befand sich kein berechtigter Team A-Spieler in der Nähe von A-86, als dieser den Pass fing. Regelung: 3. und 12 von A's 4. Die Regelauslegung für diese Situation besagt, dass es sich um ein illegales Berühren handelt, da keine Gründe (Druck der Defense, etc.) für das absichtliche Wegwerfen des Balles vorlagen.


Soweit für diesen Monat.

P. S.:
Für Fragen, Kritiken und / oder Anregungen habe ich immer ein offenes Ohr, bzw. einen offenen Mailordner.

Bis dann

    Euer Hans

 

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