AMERICAN FOOTBALL SCHIEDSRICHTER
VEREINIGUNG DEUTSCHLAND

- Schiedsrichterlehrwart -

Hans Lämmerhirt - Rathelbeckstr. 264 - 40627 Düsseldorf
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Helm BRD

Juli 2000


Hallo Kollegen !!!

Fehler einzugestehen fällt sicher schwer. Das geht nicht nur uns Schiedsrichtern so.
Aber wir sind nun mal Menschen und als solche machen wir Fehler. Das gesteht zwar nicht jeder gerne ein, aber vor Fehler ist niemand gefeit.
Da überwacht man den Ballträger, läßt ihn für einen Augenblick aus den Augen (z. B. um auf den eigenen Weg zu achten), sieht ihn fallen und pfeift ab. Gerade als der schrille Laut die Pfeife verläßt, erkennt man den freien Ball, der sich zwei Meter von dem gestürzten (ehemaligen) Ballträger entfernt befindet und von der Defense begraben wird.
Hier hilft es jetzt nichts, auf Biegen und Brechen den "Forward Progess" verkaufen zu wollen.
Da auch andere (Kollegen und Spieler) das Geschehen beoabachtet haben, ist es klar, dass zu früh abgepfiffen wurde und der Referee gibt die entspechenden Optionen an das Team, welches zuletzt in Ballbesitz war.

Solche oder ähnliche Fehler ereignen sich nun mal während unserem schnellen Spiel. Und Kritik von Spielern oder Coaches, wenn sie konstruktiv angewandt wird, ist ein Mittel, um aus erkannten Fehlern zu lernen.

Nun gibt es aber nicht nur fundierte Kritik, sondern wesentlich häufiger sieht man sich dem Vorwurf entgegen, "... heute mal wieder schlecht gepfiffen zu haben."

Diese Phrase sagt gar nicht aus, wenn keine konkreteren Angaben gemacht werden können.
Da wir in einer modernen Welt leben, werden solche Kritiken nicht nur unmittelbar auf dem Spielfeld, sondern natürlich auch im weltweiten Internet geäußert.
Und wenn so was erst recht in "unserem Diskussionsforum" auftaucht, muß man sich natürlich zur Wehr setzen.
Und da haut man sich also verbal die "Fäuste um die Ohren" und benutzt genauso schlechte Gegenargumente.
Das ist nicht der richtige Weg, mit Kritiken dieser Art umzugehen.
War man bei dem betreffenden Spiel anwesend, kann man die Situationen aufführen und entsprechend aufklären.
Ansonsten sollte man sich zurückhalten.

Nun zu einem anderen Thema.
Verschiedentlich ist mir in den vergangenen Tagen zu Ohren gekommen, dass Kollegen einige Spieler, die mit einem "dunklen Eyeshield" auf das Feld kamen, diese nicht spielen ließen. Die Kollegen gaben ein illegales Ausrüstungsteil als Begründung an.

Die "Eyeshields" wurden erstmalig in den NCAA Regeln 1998 erwähnt und verboten wenn sie nicht durchsichtig waren.

Wer jedoch unsere deutschen Regeln zu Rate zieht, findet dort keine entsprechende Eintragung. Bei uns sind diese "Eyeshields" genauso erlaubt, wie eine Sonnenbrille, die unter dem Helm getragen wird.

Vor einigen Tagen habe ich folgende Anfrage bekommen.

Ist es ein Foul, wenn Offense Spieler, die sich vor dem Snap in ihrem Dreipunktstand befinden und auf ihre Gegner zeigen, mit ihren Fingern/Händen in die neutrale Zone hineinragen (Encroachment)?
Wer die Regeln zu Rate zieht, findet unter 7-1-3a-3 eine Ausnahme zum Encroachement. Dort heißt es: Ausnahme: Offense Spieler in einer Scrimmage Kick Formation, die, nachdem der Snapper den Ball berührt hat, auf gegnerische Spieler zeigen und ...

Okay, eine Scrimmage Kick Formation ist also ausgenommen. Aber was, wenn sich die Offense nicht in einer Scrimmage Kick befindet?
In diesen Fällen ist es mittlerweile gängige Praxis, dass das simple Zeigen auf den Gegner, geduldet ist.
Das ist vergleichbar mit dem Quarterback, der sich bewegt (ein Bein hochzieht, mit dem Kopf ruckt), um einem "Motion Man" anzuzeigen, dass dieser seine Motion beginnen soll. Rein regeltechnisch ist dieses Verhalten ein Shift, weil sich gleichzeitig zwei Offense Spieler (QB und Motion Man) bewegten.
Wenn also die Offense Spieler, sich vor dem Snap langsam bewegen und auf ihre Gegner zeigen und dabei in die neutrale Zone eindringen, ist das geduldet.

Zeigen sie jedoch schnell oder ruckhaft auf ihre Gegner, ist das ein False Start.

Soweit für diesen Monat.

P. S.: Für Fragen, Kritiken und / oder Anregungen habe ich immer ein offenes Ohr.

Bis dann

    Euer Hans

 

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